In der Tat gibt es einen Aspekt der Zufallsspiele, der
Ähnlichkeit mit den Modellen von Heisenberg, David Bohm, Amit
Goswami hat. Wie der nichtentfaltete Quantenkosmos "in potentia"
bereitsteht, im Falle einer Beobachtung durch ein Bewusstsein, als
Partikelwelt in Erscheinung zu treten, gibt es das kombinatorische
Potenzial des Kartenstapels. Mit der ersten Karte zeigt sich
plötzlich die Position des Spielers in einem Bedeutungsraum, der
durch diese Hinwendung und durch die Sinngebungsregeln entsteht. Im
Tarot, wie in allen Zufalls-Kombinatorik-Spielen, versteckt sich
ein längst bewährtes Weltenmodell. Was sonst könnte einen Stapel
Pappkarten über Jahrhunderte so reizvoll machen; was sonst, wenn
nicht der Sog dieser universalen Rückbindung, könnte Leute süchtig
und abergläubisch machen? Im ausserzeitlich daliegenden
Kartenstapel, der nichts als ein bisschen Papiermasse ist, und der
beliebig ist in Bezug auf Zeit, Ort, Gestaltung, Inhalt, Größe und
Häufigkeit des Vorkommens, schlummert ein Sinnwerdungskosmos, der
seinen Sinn durch die Hinwendung - nämlich spielen - findet. Jedes
Legen der Karten gleicht dem Spiel der Eiweißmoleküle mit den
Aminosäuren, gleicht dem Aufbauen eines Organismus nach der
Befruchtung. Verblüffend wie dies alles dem Erkenntnisdilemma der
neuesten Wissenschaftstheorie gleicht: Die Verzauberung findet
genau wie der Quantensprung überall und sicher auch gleichzeitig
und mehrfach statt. Hier, wie in der Physik hat das Problem der
Überlichtgeschwindigkeit keinen Sinn. Es gibt keinen
Informationstransport, kein Dilemma. Spiele sind omnipräsent und
können überall und gleichzeitig aufgedeckt werden, genau wie
Naturereignisse in einem irgendwie nicht aufgedeckten, nicht
entfaltet verharrenden Erzeugerkosmos. Weisheit versteckt sich
manchmal in dumpf-ornamentalem Tun. Durch den Nebel des
Unverstandes grinst seit altersher das noch immer beste
Weltenmodell. Im Vollzug allein entfaltet sich das Geheimnis.
Allerdings muss der Erkenntnissuchende einer idealistischen
Metaphysik anhängen: Mind Before Matter.
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