Eine Auswahl von Texten, die Einblick geben in mein Leben und meine Überzeugungen.

ÜBERSICHT - CONTENT : The Awakening of the Devine Feminine - Zugehörigkeiten -Heile Welt wo bist du - Die Kraft der richtigen Gedanken - John Lilly, das tiefe Selbst - Der Puppenspieler - Ruhm, MM oder Weidmann - Keine Trennung von Geist und Materie - Die Mechanik der Salutogenese - Im Reich der richtigen Gedanken - Verhinderung - Relative Lichtgeschwindigkeiten - Hochschule für Gestaltung, Ulm - Mein Leben nach Ulm - Präexistente Pflanzen - Abstrakte Kunst - Opus Magnum, Bildanalyse - Kunst war mir immer suspekt - Das Romantische Prinzip - Abendmahl, Bildanalyse - Schöpfung aus dem Chaos - Raum und Zeit im Ornament - Welttheorie, die Entdeckung unseres Erzeugerkosmos - Verstehbare Welt - Es gibt keine Energien - Wahrheit ein Menschenrecht - Malerei als Bewusstseinsforschung - Über Freiheit, Visionärsschulung.

The Awakening of the Devine Feminine

 

2018.4.8 The Awakening of the Devine Feminine

 

 

 

Nachdem ich viele Zeichnungen zum Thema und auch schon das zweite Bild gemalt habe, finde ich, dass diese Lösung vom März bis 4.4.18 ein paar Stichworte verdient hat. Das Erwachen der göttlichen Weiblichkeit will mir immer nur aus der Sicht des Mannes gelingen, der seine romantischen Hoffnungen mit dem Kommen eines Zeitalters der Frau verknüpft. Hoffnung auf Zärtlichkeit, Geborgen sein an Mutters Busen, Angekommen sein im Schoß und in den Armen meiner Frau, Fruchtbarkeit Mutter-Kind-Idylle, Frieden. Was dabei zu kurz kommt, ist der kulturhistorisch kämpferische Aspekt des Erwachens der Göttin, der politische Anspruch der Frau nach Gleichstellung ja nach Führung. Mein Empfinden beim Erwachen der Frau ist, dass alles auf allen Ebenen besser würde durch echte Gleichstellung und Gleichberechtigung; darin unterstütze ich die Bewegung. Achtung, Respekt, bis hin zur Vergötterung: auf diesen Ebenen ist so viel zu tun auf der ganzen Welt. Wir stehen vor gigantischen Widerständen. Das politisch-religiöse Erbe ist dieser Gerechtigkeit gegenüber der Frau im Weg.

 

 

 

Zu meinem Bild im Einzelnen, ich fange unten an:

 

Ein Körbchen wird aus einem Herzen geboren, das Herz selbst hat einen Kern von einem Kiefernzapfen, der ja für langes Leben steht. Hier erhält das Herz den Schwung aus der Verbindung mit den Wolkenbändern, die über die Erde wirbeln. In den weiteren Verästelungen dieses Herzschwungs sind Wolken, die das Erwachen der Frau-Zeit ankündigen. Was da erwacht, sind die Verheißungen des Göttlich Femininen: köstliche Früchte und duftende Blumen. Der ganze Rest des 2,40 Meter hohen Bildes ist alles aus dem einen Schwung des planetaren Herzens gewachsen und strahlt ab in die umgebende Welt. Das Bild kann in Konzepten der Chakra-Lehre gelesen werden, dann macht die doppele Schwipp-Schwapp-Bewegung Sinn. Sinn macht auch die Anlehnung an biologisch-botanische Grundformen. Das Weibliche ist noch Knospe und will gerade zu voller Schönheit aufblühen. Tief in der Knospe ist etwas sehr Fruchtbares Feminines, noch geschützt durch viele Hüllblätterschichten. Viel Licht und Wasser in dieser Phase. Weiter oben, im Zentrum des Bildes, ist die lila Blume vasenförmig, fraulich und strahlt wie eine Madonnenfigur mit Mandorla, einem Strahlenkranz, der zugleich die Venusmuschel sein könnte, aus der die Göttin entsteigt. Göttlich ist auch die Yoni, die Vulva mit goldenen Labiae, der zarteste Altar, vor dem ich auf die Knie gehe. Zu oberst, das Erreicht-Haben, habe ich mit einem Dreieck aus duftenden Rosen dargestellt. Mehr wäre zu viel. Das "Awakening of the Divine Feminine" will das Aufblühen fraulicher Werte zeigen, was die männlich dunklen Panzer mit ihren Geschützrohren überwindet, indem die nur dunkle Wolken sind, die sich auflösen, wenn sie hinter der Blume durchgezogen sind.

 


Über Zugehörigkeit - die Welttheorie hat keine Lobby


 

2017.12.13 Zugehörigkeiten

 

 

 

Zum ersten Mal der berühmte Morgennebel, man sieht das andere Ende vom Strand nicht. Trotzdem sind die Surfer schon im Wasser, alle voll in Tracht. ZUGEHÖRIGKEIT. Das ist das Stichwort, Leute suchen nach Zugehörigkeit wenn sie schwimmen, nicht nur dabei, auch wenn sie lesen oder zuhören, immer geht es um Zugehörigkeiten. Sie scannen die Gedanken Anderer nach Sätzen, die Zugehörigkeit signalisieren. Fallen keine Worte aus dem eigenen Bereich, fällt der Redner gleich durch das Netz. Ab da ist alles was er sagt uninteressant, höchstens Gegenstand von Anfeindung, aber selbst dafür müssen gewisse Stichworte erst in der Luft sein. Es gehört zur Kommunikation, dass man den Überschuss des Ankommenden reduzieren muss, und die alltäglichste Methode ist, man konzentriert sich auf das aus der eigenen Ecke. Zugehörigkeit entscheidet über Verstehen. Die Zeichen sind Neoprenanzüge, Hairstyle, Tattoos, Fahnen und Stichworte, alles was der Primat schon zum Einsatz brachte.

 

 

Die Weltformel hat keine Lobby. Um bei den letztendlichen Fragen des Menschseins Zugehörigkeit zu empfinden, muss man lange auf einem Weg des Hinterfragens gewesen sein, auf dem die Fragen erst nach Jahren auftauchen. Dann muss man auf dem Weg dorthin nicht vom System gekapert worden sein. Nur wenige haben den Mut und die finanziellen Möglichkeiten, das durchzustehen. Erst am Ende vom Tunnel taucht das Verständnis für das Gewicht der Suche nach einer Theorie von Allem, nach der Weltformel, auf. Dann schließlich zu erkennen, dass und wie jemand das Problem gelöst hat, was alle erlauchten Größen der Geistesgeschichte ungelöst ins Grab genommen haben, ist noch einmal eine Hürde, denn zwangsläufig fallen dort Worte, die der Zugehörigkeits-Scanner aussortieren möchte. Trotzdem sollte man denken, da wären ein paar tausend weltweit, die das nachvollziehen würden und schon im neuen Verständnis weiterdenken, sollte geschehen sein, was nur einmal in der Menschheitsgeschichte passieren kann. Das wäre dann die Zugehörigkeitsgruppe, mit der man unter seinesgleichen sein könnte. Wissenschaftler, die bekennen, dass ihnen die Suche nach der Weltformel am Herzen liegt, gibt es unzählige, aber ihr eingebauter Zugehörigkeits-Scanner verhindert, dass sie mitdenken, wenn es so weit ist.

 

 

Mit der Jahrtausendwende etwa ist es geschehen, da hat einer unser ganzes wissenschaftliches Erbe unter die Lupe genommen und entdeckt, dass man nur einen Schritt hinter die übliche Betrachtungsweise tun muss, um zu erkennen, was Alles antreibt. Mark McCutcheon, ein Kanadier, der in Australien lebt, hat es geschafft, "The Final Theory", sein Buch ist ein Jahrtausend-Ereignis. Er hat geschafft, was wir seit Generationen angestrebt haben: Es ist enträtselt, das Welträtsel. Was steckt dahinter, hinter all dem, was so offensichtlich verursacht worden ist? Jeder der vernünftig denken und klaren Sätzen folgen kann, müsste es einsehen, es ist erledigt, ein für alle mal, die Theorie von Allem ist gefunden. Für mich eine Quelle der Freude, aber ich frage mich, in was für einer Zeit wir leben, in der eine alternative Weltsicht so aussichtslos  dasteht. Fakt ist, ich weiß noch von keinem einzigen Mitstreiter in einer Sache, der sich jeder nähern könnte, der bereit ist, korrekter Theoriebildung zu folgen. Ich frage mich aber auch, was wäre, wenn alles anders gekommen wäre, wenn die Welt begriffen hätte, welch großartiges Instrument eine gültige, in sich stimmige Theorie von Allem darstellt. Verpassen wir gerade das Goldene Zeitalter?

 

 

Die Vision einer Zukunft, die nie stattfinden wird: eine Welt der Vernunft-Zugehörigkeit.

 

"Die Weltformel gefunden!" Jubel auf allen Lehrstühlen. "Verbreitet die Kunde, die Welt ist erklärt worden! Wie konnten wir überhaupt leben ohne die Kenntnis der Verursachung im Kleinen wie im Großen? Wie war es bloß möglich, mit Elektrizität zu hantieren und noch Vorstellungen von Ladung im Kopf zu haben? Was haben wir der Physik angetan? Schamanisch-steinzeitliche Vorstellungen sind es gewesen, die für einige Entdeckungen ihren Dienst zwar getan, die aber dem Verstehen dessen was Elektrizität, Licht, Schwerkraft  ist im Wege gestanden haben. Lasst uns die falschen Fährten verlassen und alle wissenschaftlichen Disziplinen neu ordnen nach den Kriterien der einen vereinenden Basistheorie! Der Lohn wird grandios sein. Eine neue Wahrheit ist entstanden. Das ersehnte Zeitalter der Vernunft hat begonnen!" So sollten überall die Glocken klingen.

 

Hier ein paar der wichtigsten Einsichten der neuen Weltsicht:

 

Atome sind keine Kerne um die planetoide Elektronen kreisen, die könnten viel zu leicht aus der Bahn geworfen werden. Atome haben parabolisch hüpfende Elektronen. Gravitation ist keine mysteriöse Kraft, die sich der Messung entzieht, keine Zugkraft, sondern ein Domino-Effekt expandierender Atome die sich gegenseitig schubsen. Gravitationswellen sind nur ein Missverständnis. Wellen brauchen ein Medium, was sie trägt, welcher Art soll das Trägermedium im Vakuum des Alls sein? Auch Licht war nie wellenartig, Licht besteht aus getakteten Elektronenbündeln und hat Masse und Trägheit. Elektronen sind die Bausteine des Universums, sie expandieren wie Licht. Es gibt keine schwarze Materie, die war nur ein Rechenfehler. Der Mond umkreist uns nicht,so wenig wie die Sonne, die wir auf- und untergehen sehen.

 

Jetzt stelle ich mir vor, diese Einsichten würden gesellschaftlich die kritische Masse erreichen, überall wo Bildung ein Thema ist, würden die verfügbaren Daten unter diesen Gesichtspunkten neu verstanden. Plötzlich wären da Zugehörigkeit, Gedankenaustausch, Wir-Gefühl auf der ganzen Welt. Ich kann zwar nicht fassen, dass dem nicht längst so ist, aber kritisch betrachtet, habe ich meine Zweifel, ob damit das ersehnte goldene Zeitalter eröffnet würde. An jeder Ausbildungsstätte für Systemdiener würde Expansionstheorie gepredigt. Newton und Einstein wären nur noch für Historiker ein Thema, für Psychopathie-Forscher. Das System hätte die Macht, die Welttheorie durchzusetzen. Überall würden von den Machtzentren riesige Feste zu Ehren der Welttheorie durchgeführt. Polizisten säßen auf der Schulbank und revidierten ihr Atommodell. In den Sozialwissenschaften kämen medizinartige Ergebnisse zu Tage. Jedes Kind wüsste warum der Magnetknopf an der Kühlschranktür haftet und nicht zu Boden fällt. Alle Arten von Religion sähen vorsintflutlich aus vor dem neuen Wissen, oder sie müssten Wege finden, ihr Körper-Geist-Modell zu überwinden. Das letzte Mal, als die Kirche sich ähnlich unter Beschuss fühlte, als bessere Fernrohre die Erde aus dem Zentrum des Universums schossen, hat sie die Inquisition erfunden, um gegen die neuen Erkenntnisse zu Felde zu ziehen.

 

Allerdings brächte die neue Wahrheit mit Sicherheit auch eine neue Intoleranz gegen die Zurückgebliebenen, und diese würden sich vehement wehren, soziale Unruhen, Inquisition wären die Folge. Vor allem aber ist zu erwarten, dass nur die korporierten Mächte davon profitieren würden. Die Ungeschulten würden einmal mehr abgehängt. Alles auf die Waage getan, scheint mir diese neue Aufklärung als neues Glaubensbekenntnis gar nicht so wünschenswert. Dieses Menschenrecht auf Erfahren der Wahrheit hat im derzeitigen noch weitgehend totalitär-religiösen Umfeld einen bitteren Beigeschmack. Vielleicht ist es gut so, dass der Tunnel, der zum Verstehen der Welttheorie führt, so mühsam und lang ist, dass nur wenige das Erreichte genießen. Wahrscheinlich muss ich mich damit abfinden, dass ich nie einem Verein angehören werde, der die Theorie von Allem auf den Fahnen hat. Damit kann ich leben, ein Glück, dass ich selbst verstehe, was ich denke. Vielleicht geht es nur darum, das Geheimnis für Nachkommende, die auch reifen wollen, wachzuhalten. Ich fühle mich dabei in guter Gesellschaft mit den Aufklärern aller Zeiten, die alle in einem grauenhaft bornierten Umfeld ihre Botschaften schrieben. Ecce homo.

 

Anhang:

 

Expansion für den Alltag - ein Versuch in einfachen Bildern.

Vor dem Frühstück, der Mond geht bleich und glasig unter, der Tag beginnt. Ich denke wie das als Geometrie wachsender Körper zustande kommt. Expansionstheorie beschreibt die Verursachung dessen was wir wahrnehmen und auch wissenschaftlich erfassen auf völlig ungewohnte Weise. Sie baut auf der Vorstellung, dass im Hintergrund aller Dinge eine Art Größenzunahme stattfindet, die durch die Geometrie entschleiert werden kann. Wenn ich also als Anhänger der Expansionstheorie zum Mond schaue, fällt mir nicht Newtons Anziehungskraft ein, sondern eine völlig neue Kette von Gedanken. Also: der Mond rast an der Erde vorbei, im Davonrauschen müsste er immer kleiner werden, das kompensiert er durch sein "Größenwachstum", die Expansion. Er geht für mich unter, weil die Erde inzwischen rasend expandiert und mich so hochschiebt, dass der Mond für mich unter den Horizont gerät, dabei dreht sich die Erde noch, was zum ersten Effekt hinzukommt. Wenn er wieder auftaucht, ist er so weit davon geeilt, dass er, immer noch gleich groß erscheint, bei einkalkulierter Expansion auf beiden Seiten. (Die Erde expandiert sechs mal schneller als der Mond, abhängig vom Radius.) So stelle ich mir Expansion vor und übertrage den Gedanken auf alle umkreisenden und parabolischen Phänomene. Immer wachsen zwei Körper aufeinander zu, jeder hat seine relativ zum Anderen Eigenbewegung und Richtung. Dazu müssen die beiden Geschwindigkeiten und das jeweilige Wachstum so zusammenpassen, dass sie nicht mehr voneinander loskommen. A bewegt sich stetig in seine Richtung, in die er mal angestoßen worden ist, (nicht im Kreis), entsprechend seinem Radius würde er auf den Anderen, B, zuwachsen, wenn er nicht seine Richtung und sein Tempo hätte. B ebenso, fliegt nicht wirklich im Kreis, sondern in die ihm gegebene Richtung, als geometrisches System als Ergebnis der geometrischen Folge-Effekte erscheint ein umeinander Trudeln. So erklären sich Strudel und Umlaufbahnen. Das vorerst Unbegreifliche ist das nicht wahrnehmbare Größenwachstum, was all die Orbit-Effekte erzeugt, aber unseren Beständigkeits-Vorstellungen und -Bedürfnissen zuwider läuft. Für uns, die wir aus diesem stetig wachsenden Zeug gebaut sind, ist die Erkenntnis, dass alles expandiert eine intellektuelle Leistung, zu der jeder für sich erst mal bereit sein muss, und die der Geometrie wachsender, relativ bewegter Körper bedarf. Ich gebe zu, dass die expansionistische Beschreibung der Erde-Mond-Beziehung etwas umständlich wirkt, verglichen mit der einfachen Kugelschwinger-Vorstellung, die aber leider unhaltbar ist.

 

Der Expansionsgedanke übertragen in mein Alltagserleben könnte so umschrieben werden: Mein Schreibgerät, der Stift ist hart, weil er mir entgegen wächst, nicht weil er aus hartem Plastik ist. das wäre ein Pleonasmus. Über Nacht hat der Stift nicht untätig auf dem Bett auf mich gewartet, der ich in jeder Sekunde ein Millionstel gewachsen bin, er wäre dann winzig weit weg von meinen Sinnen. Er ist mitgewachsen und von mir weg in genau dem Maße, dass er dort auftaucht, wo ich ihn am Abend hingelegt habe. Kein Wunder, dass unsere Sinne diesen Denkumweg herausfiltern und uns die schlichte Beständigkeit suggerieren. Wir sind aber hier unterwegs zur Welttheorie und können uns die Sinnestäuschung und das intellektuelle Flickwerk mit Kräften und Energien nicht leisten, wir müssen uns die Mühe machen, diesen unbemerkbaren Hintergrund zu bedenken, einzukalkulieren, woraus dann alle Effekte und die angenommenen Energien des wahren Lebens sich als schlichte Geometrie entpuppen.

 

Kein Wunder auch, dass dieser Denkaufwand nicht gerade Furore macht unter meinen Zeitgenossen, lieber würden sie die Expansion zurück übersetzen in die gewohnten Weltbilder. Ich aber will wissen, ob die neue Weltsicht alltagstauglich ist, ob wir ohne die zahlreichen Unzumutbarkeiten in unseren Grundannahmen leben könnten. Offensichtlich ist das nicht zu erwarten und auch nicht zu wünschen. Ecce homo.

 


Heile Welt wo bist du, eine politische Romantik


Heile Welt wo bist du.

 

Über eine politische Romantik

 

 

 

Fred Weidmann 2017-08-18

 

 

 

Was für ein perfides System, die Menschen so von ihrem Wesen abzulenken, dass sie in Kriegen oder Gefängnissen, am Hunger oder durch Verstädterung krank werden oder verrecken müssen! Wo immer oben ist, herrschen Psychopaten, die am Leid der anderen Gefallen finden. Wie schön wäre es, wenn jeder seinen angemessenen Beitrag zum Volkswohl leisten könnte. Wenn dann jeder Zugang zu seiner Wahrheit hätte, würden wir in einer Welt ohne Lügen ohne Gier oder Frust leben, ohne Ungerechtigkeit, kein Überfluss, kein Mangel entstünde mehr. Alle wären für das Gute und gegen das Böse, Waffen würden sinnlos, Kriege undenkbar. Krisen weltweit wären Geschichte, es wäre stets genug für alle da. Mensch und Tier, würden artgerecht ihren Lebenszyklus pflegen vom Baby zum Kind, zur Paarung, im Elterndasein, im täglichen Tun, bei der Wahl der Nahrung. Der Umgang mit Symbioten und Heilpflanzen wäre freudvoll und vernünftig. Die geschundene Erde würde sich erholen und aufblühen. Liebe und Empathie fänden Platz in allen Herzen. Alles würde in Harmonie, in gegenseitiger Bewunderung, respektvoll und gleichwertig existieren, so wie Alle außer den Psychopaten es sich wünschen. Wir hätten gerne eine heile Welt, fragen uns, was es bräuchte, um dahin zu kommen, denn uns ist klar, diese heile Welt gibt es so noch nicht. Es wird sie nie geben. Sie herbeizuzaubern ist die Aufgabe der Romantiker.

 

Wir haben unsere Wunschwelt vor Augen, die Utopie, aber sie ist nur eine Vision, eine Zielvorstellung. Sie braucht einen aufgeklärten Maler, der versucht sichtbar zu machen, wie eine heile Welt aussehen könnte. Vielleicht male ich in letzter Zeit diese Heile-Welt-Bilder, weil ich meine politisch-humanitäre Opposition darin sehe, gegen eine entgleiste, pervers gewordene graue Lebenswelt anzumalen. Wir sind so geknechtet von der verwalteten Welt, dass wir ein Gegengewicht brauchen: Romantik, Liebe, Sonnenschein, das irdische Paradies. Ein Ort wo die philanthropischen Träume wahr geworden sind, ist auch ein Ort wo jeder vom Grundversorger über den mittellosen Städter bis zum Gipfel der Macht kurze Wege hat. In Wirklichkeit wüsste ich nicht, wie ich Leuten begegnen sollte, die ganze Völker in die Steinzeit bomben, nur weil deren Oberen keinen Tribut gezahlt haben. Romantiker sind politisch wie Karikaturisten, sie zeichnen den Gegenentwurf zum leidvollen Dasein.

 

Noch etwas lässt mich gnadenlos heile Welt malen, es ist die Aufdeckung der Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes im Kunstgeschäft der kalten Kriegsjahre bis heute. Die ganze so genannte Moderne war eine Inszenierung, es gab und gibt gar keine Moderne. Alle großen Namen sind betroffen, wir haben versucht Tanzbären toll zu finden. Viele Künstler hat man künstlich in einen Geldsack-Olymp gehoben, hat geheimdienstlich gemachte, "Sammler" genannte, Agenten nach ihren belanglosen Werken grabschen lassen. Während ich noch blauäugig glaubte, die Galeristen seien das Übel, dass nicht die Besten gewinnen, hat der CIA zynisch die Strippen gezogen, so dass der banalste Schund Kasse machen konnte. Hauptsache er stand antithetisch zum Realismus der Sozialisten. Wenn ich mich recht entsinne, hat man mich ein paarmal abgeschnuppert in meinem Leben. Ich war Gaststudent in Amerika, als Gast einer fraternity, die mit den weißen Rassisten fraternisiert, habe als Soziologe über Missverständnisse geforscht, nur um unfreiwillig der Generalität einer Nato-Streitmacht zu helfen, ihre Befehle klar zu formulieren. Seit ich als Maler der heiligen Pilze bekannt geworden bin, habe ich nichts mehr zu befürchten. Ich bin ein Aussteiger, nicht zu gebrauchen. Wenn ich in romantischer Absicht heile Welt darstelle, meidet oder liebt man mich von Mensch zu Mensch. Das ist ein Stück heile Welt für mich.

 

Bei aller Begeisterung für die romantische Malerei hat mich immer genervt, dass die nichtsprachliche Kommunikation nur die Emotionen anspricht, wobei klare Ansagen zu kurz kommen. Die Romantik ist ein Kind der Aufklärung wie die Demokratie und die Menschenrechte. Das verpflichtet zur Suche nach der Wahrheit, dem zentralen Ziel der Aufklärung und der Romantik. Die Welt ist ein verstehbarer Ort. Das ist die Wahrheit und eine Kampfansage, ein romantisches Bekenntnis und Ziel in Opposition zum Lehrstoff der Herrschenden, die ein perverses Interesse daran haben, ihre Untertanen in konfusen Vorstellungen verwirrt und in Angst zu lassen. Der Romantiker hat gute Gründe und Argumente für den Gegenentwurf, er entwirft eine heile Welt.

 

Die Kraft der richtigen Gedanken

Die Kraft der richtigen Gedanken

 

 

Die Kraft der richtigen Gedanken betrifft alles was mit Verstand und Wahrheit und dem Überleben schlechthin zu tun hat. Der hundertjährige japanische Arzt Shioja hat nicht nur in der Nische der Heiler recht, wenn er schreibt, dass das zutreffende innere Bild vom Heilungsprozess und vom Gesundsein, das gesund werden bewirken kann. Seine Erkenntnis gilt auch für Philosophen, Physiker, Köche, Erzieher und alle, die ich noch nicht genannt habe. Wir Menschen sind durch die Evolution befähigt, für alles das richtige innere Bild zu finden, das wertvollste Geschenk der Natur schlechthin. Die Natur beschenkt uns, sie macht uns zum  Verstandes-Sinnesorgan von Gaia, des globalen Organismus'. Die Evolution hat einen Primaten in die Position gedrängt, Bewusstheit zu entwickeln, das verpflichtet, denn es ist des Menschen einziger artgemäßer Überlebensvorteil, in jedem Jetzt und Hier, die richtigen Gedanken zu haben. Verstehen als Überlebensvorteil des nackten Affen gegen Raubtiere, Unvorhersehbares, Kälte und Krankheiten.

 

Wer aber hat die richtigen Gedanken, wer nicht? Vielleicht gibt es ein objektives Ausschlussverfahren. Sicher ist, wer von falschen Grundannahmen ausgeht, kann nicht zu richtigen Schlüssen kommen.  Mit der richtigen Vorstellung bin ich in jeder Lebenssituation besser aufgestellt als der irrende Zeitgenosse.

 

Die Frage nach den richtigen Gedanken begegnet mir als Sinn-Suchendem auf allen Ebenen: in der Kommunikations-Soziologie, wo ich herkomme, ebenso wie im Begreifen von Physik. Inzwischen frage ich mich, ob nicht die Evolution des Menschen und die Ethik noch umgeschrieben werden müssen, wobei das Recht des Menschen auf die richtigen Gedanken als Grundrecht vorausgesetzt würde.

 

Als Kommunikations-Soziologe vor 50 Jahren, habe ich das Thema mit einem Begriff "Situationstheorie" angepackt.

 

Mein Begriff "Situationstheorie" entstand aus dem Bild einer Kommunikationssituation, z.B. wenn zwei Menschen wechselweise sprachliche Sätze von sich geben. Will man einer solchen Situation als Teilnehmer oder auch analytisch-beschreibend gerecht werden, dann am besten indem man in die Akteure eine verborgene Situationstheorie hineinprojiziert und die Äusserungen als abgeleitete Sätze im strengen Sinne versteht. Erfolgreich kommunizieren heißt in diesem Bild, des Anderen Situationstheorie richtig erschließen und selbst kompatibel bleiben.

 

Da steckte ein Hauch aufklärerischer Hoffnung und Provokation im Begriff Situationstheorie. Wie soll mein verstehender Umgang mit der real kommunizierenden Welt im Einklang sein, wenn diese nicht theorieförmig ist? Die Theorie-Form im Felde ist meine Projektion, aber das macht nichts. Im Vergleich zum weit ausholenden Begriff des Weltbildes ist die Frage nach der Situationstheorie das situativ angebrachte Raster und bezeichnet klar die zu erwartende Form des so genannten Weltbildes in situ. Das Beiwort -Theorie gefällt mir auch, weil hier das ständige Unterworfensein von Theorie unter die situative Prüfung thematisiert ist. - ein Wissenschafts-erzieherischer Aspekt.

 

Ich glaube nicht, dass mein Begriff der Situationstheorie Karriere gemacht hat. Das ganze Thema hat es nicht geschafft. Halten wir fest, dass der selbstreflektierende soziale Mensch beschrieben werden kann als erfolgreich seine Lebenssituationen durchlebender und dass seine Gedanken "richtig" sind, indem sie als richtig abgeleitet und an der Realität gemessen verstanden werden können. 

 

Für die Kommunikations-Soziologie müsste von zentralem Interesse sein, verfolgen zu können, ob und vor allem wie der Durchblick, die richtigen Gedanken, in jeder Situation zu Erfolgen führen. Das Thema ist aber gefährlich; im Kern habe ich die Frage fallen lassen, weil ihre Lösung die Mächtigen mächtiger macht, die Untertanen nur noch ärmer. Was dabei verloren ging, ist das Bild des mündigen Menschen, der in einer Welt lebt, die er versteht und in der er rational handeln kann indem er seine  soziale Umwelt auch als rational sich verhaltend versteht. Seit der Erklärung der Menschenrechte, seit 1798, versuchen Aufklärer das allen Menschen klarzumachen. Im Jahre 2017 ist die Bewegung nicht auf dem Vormarsch; mentale Vergiftung und mediale Ächtung wuchern in allen politischen und kulturellen Lagern. Lehranstalten vom Kindergarten bis zur Universität dienen der Indoktrination und der Verhinderung der richtigen Gedanken. Trolle und Hassprediger verpesten unsere Welt mit Lügen und Mobbing.

 

Dabei sind wir alle die genialen Endprodukte einer Selektion nach Kraft der richtigen Gedanken. Seit Jahrmillionen versuchen wir mit der physikalischen Welt, wie sie uns durch unsere Sinne vermittelt wird, zurecht zu kommen, indem nur diejenigen erfolgreich sind, die möglichst immer das Richtige getan haben. Wir gehören jener Tierart an, die statt Geweih oder Reißzähnen das Supergehirn entwickelt hat. Alle Primaten haben offenbar die Fähigkeit, ihr Tun zu reflektieren und zur "richtigen" Vorstellung zu gelangen, wenn es um Hebeln, Stechen, Brechen geht. Beim Homo Sapiens ist allerdings in dieser Richtung ein Übersprung passiert, er verallgemeinert was er denkt. Er entdeckt die Mathematik, die Logik, die Wissenschaften und auch die Phantasie. Er entdeckt die Menschenrechte.

 

Das ist Vorrede, worauf ich hier hinweisen will, ist das Wie. Wie sollen die richtigen Gedanken zum Überlebensvorteil gedeihen? Kann ich eine Art Mechanik postulieren, so dass der Behauptung eine überprüfbare Theorie zur Verfügung steht? In kommunikationstheoretischer Sicht habe ich das oben getan, Es wird im Alltag nicht schwer sein, empirisch die Vorzüge der richtigen Situationseinschätzung zu ermitteln. Psychologisch, bewusstseinsmäßig, wird man auf die verstärkende Wirkung von Erfolg im sequentiellen Tun achten müssen.

 

Medizinisch gesehen ist die Kraft der richtigen Gedanken in unseren Breiten nicht so klar im Blick der Forschung. Da ist die Frage des Placebo-Effekts. Ich denke. dass der Patient, der die Wirkungsweise eines Medikaments oder  irgend einer Maßnahme voll verstanden hat, im Vorteil ist gegenüber dem dumpf den Anweisungen Folgenden. Weil meine Freunde unter den Heilpraktikern sich mit Salutogenese befassen, habe ich dazu ein Aufsätzchen geschrieben: "Die Mechanik der Salutogenese". (Auf dieser Seite nach unten scrollen.). Dort beschreibe ich die permanente Selbstheilung als das Normale in einem immer währenden Prozess der physischen Erneuerung. Wobei ich die Kraft der richtigen Gedanken neben die Möglichkeiten anderer äußerer Eingriffnahmen  stelle. Hier sollte ich nicht vergessen, den amerikanischen Zellforscher Bruce Lipton zu erwähnen, der entdeckt hat, dass unsere Zellen ihr Verhalten durch die Suppe, in der sie schwimmen, geregelt bekommen. Dabei zeigte sich die Regel, dass Botschaften, die die Zellen nur vom Zentralgehirn bekommen, bevorzugt beachtet werden, vor etwaigen Hormonen, die nur von lokalen Drüsen stammen können. Das heisst, Gedanken steuern das Zellverhalten und zwar vorrangig. Der Wille hat nachweisbar direkten Einfluss auf das Verhalten der Körperzellen. Auch auf diesem Weg lässt sich zeigen, dass die richtigen Gedanken das Leben begünstigen.

 

Shioja, mit dem ich diesen Aufsatz begonnen habe, bietet eine Atemtechnik zur Unterstützung der richtigen Gedanken an. Nach Art der asiatischen Disziplin empfiehlt er, sich als gesund vorzustellen, durch das Atmen das Kranke zu entsorgen und dadurch für die gesunde Variante Platz zu schaffen. Er ist der Überzeugung, man könne sich nur selbst heilen, am besten eben mittels einem sehr disziplinierten Einsatz von Gedankenkraft und Atemmeditation, wobei man sich zum Beispiel ein erkranktes Organ schön gesund und funktionierend vorstellt. Dabei hilft offenbar die Anatomie-Kenntnis, Bildung also, im richtigen Sinne. Da er das mit hundert Jahren preisgibt, kann man ihm nicht vorwerfen, er sei inkompetent. Auch ich, in aller Bescheidenheit, im achtzigsten Lebensjahr, muss einiges richtig gemacht und gedacht haben, um so munter dazustehen. Immerhin habe ich ein Leben lang versucht, das Richtige zu tun und Schädliches zu meiden.

 

 


John Lilly - Das tiefe Selbst

2014.3.27

 

John Lilly, „Das tiefe Selbst“ ist mir gerade in die Hände gefallen, eine Systematik der visionären Welt. Da frage ich mich, was es der Aufklärung gebracht hat. Sein spätes Leben ist wie ein Mönchstum, verstiegen, bis er am Ende nicht mehr mitkriegt, was draußen passiert. Hätte er und die Tausenden Samadhi-Tank- und LSD-Nutzer die schamlose Stümperei der Wissenschaften wirklich bereichert, und wäre das Träumen ein Weg zur Erkenntnis, dann wäre die Expansionstheorie schon in der Steinzeit entdeckt worden. Was er schafft ist eine Klassifikation der psychedelischen Räume, aber ich glaube die Sache ist zu sehr Selbstzweck, ein Luxusthema bestenfalls. Den Amis in Esalen ging es objektiv extrem gut.

 

Als junger Maler waren mir die Absurditäten, das Surreale, aufregend und erforschenswert. So auch die wirren Visionen mit denen man zu tun hat, wenn man den psychedelischen Weg geht. So lange die Wissenschaften voller Absurditäten sind, braucht  man sich nicht zu wundern, dass konsequent Suchende sich im Grenzbereich zwischen Realität und Phantasie bewegen und das ernst nehmen wie seriöse Forschung. Die Welt ist aber kein absurder Ort. Das habe ich vielleicht zu spät begriffen und mir bleibt nicht viel Zeit, das Nicht-Absurde, das intuitiv Richtige zu finden und zu beschreiben.

 


Der Puppenspieler

2017.9.9

 

Der Puppenspieler

 

Fred Weidmann

 

 

 

"Überall und gleichzeitig" finde die Rechnung statt, die die Welt ergebe, soviel habe ich 1990 begriffen. Es war der krönende Abschluss von Rudy Ruckers "Ozean der Wahrheit". Er selbst als Mathematiker fand es unerträglich, das Ergebnis seiner Arbeit akzeptieren zu müssen. Wie sollte eine kleine Rechenoperation die gewaltige Lücke zwischen der unendlichen Fülle des Universums und einem Satz überbrücken können! Heute frage ich mich, ob ich die Prämisse, die Mark McCutcheon entdeckt hat, hätte finden können. Ich gestehe, nein. Vielleicht sah ich den Pfad, der irgendwo dort lang gehen musste, aber ich vermutete die Lösung mehr auf der Seite Mensch, der sich seine Welt stimmig baut und so, mit Logik, zum Ziel kommt.

 

Fragen mich die Freunde, warum ich sechs Jahre nur ein Buch lese, weiche ich aus, ich lese ja anderes zwischendurch, nur schafft es nicht jeder, mich zu interessieren. Das Buch, "The Final Theory" von Mark McCutcheon ist nicht einfach ein tolles Buch, was es bringt ist nicht nur eine tolle Idee. Es ist das worauf wir seit der Antike gewartet haben, die Lösung des Rätsels, "was verursacht die Welt?", die Antwort für alle Wissenschaften. Ich bin dem Thema mehr oder weniger seit der Pubertät hinterher. In Standard-Physik kann ich nicht mitreden, von Theorien aber verstehe ich was es braucht, um die Spreu vom Weizen zu trennen. MM's Theorie kam daher wie ein Puzzle im Endstadium, wenn Steinchen um Steinchen einfach immer passen. Gleichzeitig konnte ich lernen, - dazu später.

 

Das Gefühl. man könnte den Puppenspieler, der die Schattenspiele auf der Höhlenwand verursacht, auch für die ganze Welt finden, wenn man das Gleichnis löse, hat die Erkenntnis suchenden seit Sokrates und Platon nicht verlassen. Da musste etwas Einfaches sein, was alle übersehen hatten, zu einfach, um dahinter zu kommen. Die Natur war zu übermächtig großartig, das hat uns gehindert, die einfache Realität zu begreifen: Wir bestehen aus wachsenden Bausteinen. Der Puppenspieler ist allmächtig, aber er sitzt nicht glorios im Himmel, sondern unsichtbar klein in jedem Atom. Atome bestehen aus Elektronen. Was immer die da tun, in der Summe halten sie das Kügelchen zusammen für den Preis, dass dieses wächst: ein Millionstel seines Radius' in jeder ersten Sekunde. Das ergibt den Puppenspieler, das ist die Rechnung, die überall und gleichzeitig abgeht. Wenn dauernd alles auf alles drückt, entsteht ein Dominoeffekt von der Mitte eines jeden Körpers nach außen. Für den Radius der Erde ergibt das 4,9 Meter in der ersten Sekunde, die Strecke, die der Apfel in dieser Zeit fällt. Erlebnismäßig spüren wir nichts. Wir bestehen aus Atomen, die in jedem Moment eigentlich gerade gewachsen, die aber jetzt und immer ohne vor und zurück am Punkt Null angelangt sind. So müssen wir der Täuschung erliegen, wir bestünden aus festen stabilen Bausteinen und Energien und Kräfte würden mit dem verlässlichen Material ihre Possen treiben. Das war die bisherige Welttheorie, irgendwie entwürdigend für die Menschheit, denn das riecht nach unterworfen sein.

 

Mark McCutcheon's Betrachtungsweise schaut hinter den Schleier der Missverständnisse, sie hat den Puppenspieler ausgemacht. Mich wundert nicht, dass ich nun schon sechs Jahre in diesem alternativen Denken verfangen bin und viel zu lernen habe, von Grund auf. Alles was ich je gedacht habe, ziehe ich noch mal durch diesen Kamm: Wahrnehmung, Kommunikation, Sinnwerdung, Farben etc. Alle Themen warten auf ein neues Verständnis. Ich studiere eine neue Physik, revidiere meine Philosophie Kenntnisse. Manche - alle - Grundbegriffe wie Gravitation erhalten völlig verdrehte Definitionen. Da vergehen sechs Jahre im Flug. Eine Theorie von Allem liest man nicht, man zieht den Verursacher der Welt ans Licht. Mir bringt sie den revolutionären Wind, eine kämpferische Wahrheitsliebe nimmt Platz, einen Meta-Standpunkt, aus dem die derzeitige Vielwissenschafterei alt aussieht. Das ist ein Erkenntnis-Fressen an dem meine grauen Zellen lustvoll knabbern können.

 

"The Final Theory" ist auch mein Einschlafbuch. Manchmal brauche ich nur vier Zeilen und der Tag ist abgelegt. Ich öffne es wie andere die Bibel und finde ein Thema, zum Beispiel Zeit, Raumzeit, verursachte Größen, die sich selbst verursachen. Das ist ein Surrealisten Spaß, eine MÜNCHHAUSIADE; hundert Jahre zum Lachen! Schnarch.

 

Natürlich habe ich auch meine Bedenken, alle Erkenntnis dient der Macht. Mein klug sein wollen könnte am Ende eine fiese Elite bereichern und nie als Aufklärung um sich greifen. Die Weltformel wird schon heute nicht begrüßt, sie wird medial bekämpft, sie ist atheistisch. Der Puppenspieler ist enttarnt als Orchester von Gleichzeitigkeiten und Gleichwertigkeiten. Prognosen in der Atomphysik werden von der Astrophysik bestätigt werden. Jetzt lässt sich das Große aus dem Kleinen ableiten und umgekehrt. Es entstehen Konstanten, die vorher nicht erkennbar waren, das ist Wissenschaft, da kann Gott nicht als Verursacher herhalten. Der Glaube hat andere Wurzeln, Angst. Wenn jemand vor dem Betreten einer Gefahrenstelle ein Gebet murmelt, oder ein Opfer an den Ortsgeist darbringt, braucht ihn das nicht mit der wissenschaftlichen Wahrheit in Konflikt zu bringen. Im übrigen ist MM's Theorie unmittelbarer mit dem Alltagsverständnis des Seins verträglich als Einsteins Theorien oder die Quantenmechanik, da sind keine Multiversen zu erwarten, keine dunkle Materie, keine Quarks. Der Energienglaube hat der Kirche immer etwas vom Territorium abgegraben, was die verärgert hat. Die Entdeckung der wachsenden Bausteine, Expansionstheorie genannt, beantwortet viele strittige Fragen und kann so Frieden stiften, wo heute Meinungen aufeinanderprallen. Würden die Hüter der Religionen und der Universitäten die Expansionstheorie kennen und propagieren, könnten sie die Abwanderung ihrer Schäfchen stoppen. Haleluja, eureka, der Verursacher ist da. "Trueism" wollen wir alle.

 

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Empfohlene Lektüre: Mark McCutcheon, The Final Theory, Universal Publishers, Boca Raton, USA, 2010. ISBN 1-59942-866-0.

 

 Rudy Rucker, Der Ozean der Wahrheit, für den Spielraum im Kopf, Frankfurt am Main, 1990, ISBN: 3-596-10221-9

 

Ruhm, McCutcheon oder Weidmann

 

 

2016-08-11

 

2017-07-26

 

Mark McCutcheon oder Fred Weidmann

 

 

 

 

 

Meine Frau meint zu recht, ich solle nicht für den Ruhm eines Anderen, Mark McCutcheon meint sie, meine Zeit opfern. Ich verbringe in der Tat schon sechs Jahre damit, in totaler intellektueller Vereinsamung, mich  in "The Final Theory" zu vertiefen. Angesichts der wenigen Jahre, die mir laut Statistik bleiben, sollte ich auf sie hören, und mit meiner Kunst die Welt erobern.  Da hat sie recht, aber sie kann nicht einschätzen worum es hier wirklich geht. Ich, leider sehr spät in meinem Leben, bin froh und stolz, dass ich in diesem wunderbaren Zeitalter lebe, welches tatsächlich DIE THEORIE VON ALLEM, die WELTTHEORIE, hervorgebracht hat - und dass ich ihr verstehend habhaft geworden bin. Persönlich hat mir die Expansionstheorie, wie MM sie nennt, das gebracht, was ich in Zeiten meiner Dissertation hätte selbst finden müssen. Er hat DAS Prinzip entdeckt, was uns 2500 Jahre  entgangen ist. Das müssen wir feiern, das ist mehr als nur die kopernikanische Wende, das ist "Ziel erreicht" für alle, die je nach Wahrheit gesucht haben, Wahrheit, die sowohl im Großen, wie im Kleinen lückenlos und stimmig erklärt, warum die Verhältnisse so sind wie sie sind.

 

Mit meinen 80 Jahren habe ich das Gefühl, in Zeiten des allgemeinen Kulturverfalls zu leben und fühle mich aufgerufen, klarzustellen, wes Geistes Kind ich bin, was ich erkannt habe. Natürlich ist es traurig, dass nicht jedes Wort in dem was ich schreibe, von meinen ureigenen Kreativfeldern stammt,  "The Final Theory" ist einfach genial, auch wie sie geschrieben ist. Ohne zu übertreiben, ich habe die letzten 40 Jahre nur Na-Ja-Sachen in Erkenntnisdingen gelesen, konnte mich auch nie zu allzu viel bekennen. Aber hier fällt mir nichts Kritisches mehr ein. Es wird nie ein anderes ebenso wahres Prinzip geben können, als das der beschleunigend wachsenden Materie.

 

Die Kulturgeschichte der gesamten Menschheit, wenn sie nicht trotzig gefälscht wird, wird sich schließlich in nur zwei Epochen aufteilen lassen: die vor und die nach  "The Final Theory". Ich habe die Ehre, ich bin der erste Künstler danach. Das hat nichts mit Gefolgschaft a la Guru zu tun, die Adoption der Expansions-Gedanken ist sachlich und logisch ein evolutionär notwendiger Schritt. Die Leute mögen meine Bilder, das ist schön, denn sie sind frei, dies oder jenes zu lieben und manche wählen dankenswerter weise mein Werk. Bei der Expansionstheorie ist das anders, ob man sie mag oder nicht, man muss sie akzeptieren, weil sie die einzige Lösung ist um aus dem Sumpf der vielen Versuch-und-Irrtum-Wissenschaften von heute eine wahre Wissenschaft zu machen. Dass sie trotz ihrer epochemachenden Bedeutsamkeit draußen auf dem Markt der Eitelkeiten  und Verdienstmöglichkeiten nicht erkannt wird und sich im Trubel der Veröffentlichungen innerhalb der aktuellen Standardmodelle nicht durchsetzen kann, ist eine Katastrophe, eine Schande für die Zunft der Gelehrten, vor allem der Physiker.

 

Mein Werk vor dem Hintergrund einer Entdeckung zu bauen, bedeutet mir nicht, für den Ruhm eines Anderen zu arbeiten, sondern ich stehe auf den Schultern einer Welttheorie, um die Welt besser zu sehen. Ich kann nicht ohne Farben und nicht ohne Überzeugung malen, beides sind nur Vorbedingungen für mein Werk. Wenn dabei dem Ruhm dieses Genies gedient wird, niemand hat es je mehr verdient als Mark McCutcheon.

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 Empfohlene Lektüre: Mark McCutcheon, The Final Theory, Universal Publishers, Boca Raton, USA, 2010. ISBN 1-59942-866-0.


Keine Trennung von Geist und Materie.


Fred Weidmann, 1.9.2017

Die ungeteilte Welt

 

 Ganz unten im verschütteten Geist der Völker, deren Sprache und Kultur wir geerbt haben, schlummert etwas, was dem Expansionsgedanken, den ich gleich skizzieren werde, ähnlich ist, der ANIMISMUS. Wir entstammen den Waldvölkern rund um das Eis. Im Wald gab es zu allen Zeiten Vielfalt - auch im Übersinnlichen. Wir waren umgeben von Wachstum und Leben, wir verstanden das als Ausdruck einer verursachenden Anderswelt, die so lebendig sein musste wie das was uns diesseitig umgab.

 

 Der Expansionsgedanke hat das Zeug, um zum Volk durchzudringen. Er bringt zurück, was die lateinische Besatzung, ausrotten wollte: den Glauben an die unbedingt beseelte Natur. Das Volk hat den Animismus nie wirklich aufgegeben. Die Oberschicht dagegen handelt nach ihrem Leitsatz "Mach dir die Erde untertan", der bewirkt, dass eine Welt aus Tätern und Erduldenden entsteht. Der Spruch wirkt perfide im Sozialen, aber auch bis hinab in die Grundsatzgedanken der Physik und der allgemeinen Welttheorie. Er schafft eine passive, nichts tuende, dreckige Welt, der man "Ladung" aufbürden kann, die von "Energien", dem heiligen Geist, angetrieben wird, von Kräften fremdgeleitet, also untertan, besessen, selbst minderwertig, unbeseelt, erst durch Einwirkung von körperloser Energie zu Glanz und Wert kommend; er schafft eine fiese Verzerrung aller Selbstachtung.

 

 Den Antrieb, den alles hat, kann ich vor aller Materie und vor aller Aktion ansiedeln, im expandierenden subatomaren Bereich. Das ist der Expansionsgedanke. Es ergibt sich dann eine animistische, beseelte Welt, in der nichts ohne eigenen inneren Antrieb dasteht, weil es nirgends Atome gibt, die nicht diesem inneren Antrieb ausgesetzt sind. Jedes leblose Stück feste Materie ist in dieser Sicht noch immer wachsend, Gegendruck bietend, wenn ich es belaste. Im Volk ist der Glaube an solche immanente Kraft noch da. Im Grunde braucht es da nur wenige Argumente, um eine Welt verständlich zu skizzieren, in der nichts mehr einfach tot und verwertbar ist, sondern alles steht, wie es mit-gewachsen ist und mit-wächst.  Animismus, der Glaube, dass alles in sich selbst Seele hat, ist eine wunderschöne Vision. Zum Beispiel kann alles wachsen ohne Energiezufuhr, ein verbotener Gedanke in der Standard-Physik. Diese Größenzunahme verdanken wir einer stetigen Vergrößerung aller Atome, die im Hintergrund unmerklich abläuft. Man ist immer schon ein Riese, wenn man zurückschaut auf den vorigen Moment, als jedes Atom noch etwas kleiner war. Wir sind alle um den gleichen Prozentsatz gewachsen während eine gegebene Zeit verstrichen ist. Das lässt sich berechnen, aber nur indirekt beobachten. Ich bin in 19 Minuten doppelt so groß wie jetzt. Dabei sind die Tastatur und die Hand stets die größeren Nachfolger des Gewesenen. Dieser Vorgang ist unendlich, unermüdlich, unweigerlich und doch unsichtbar. Die Atome, die mich in Form halten, sind stets dabei, den Druck, den mir die Unterlage entgegenbringt, auszugleichen. Dass ich heute noch dabei bin, verdanke ich dem Umstand, dass ich mit allen meinen Atomen und Zellen stets runderneuert worden bin und so noch immer mittanze.

 

 Das komplexe Expansionsgeschehen zu visualisieren ist im Alltag nicht nötig, machen uns doch die Sinne vor, dass alles statisch sei, was gleichermaßen wächst. Wichtig für korrektes Denken ist nur: es gibt keine tote Materie. Was ist, wächst mit und ist Teil einer größeren Welt von morgen. Es leuchtet schnell ein, dass in einer solch kollegialen Welt von miteinander Heranwachsenden keiner qualitativ besser oder schlechter ist. Ein fundamentaler Sinn wohnt allem Seienden inne, indem es Eigenschaften hat, die es in der nächsten, gewachsenen Welt wieder als größeren Nachbau in Erscheinung treten lassen.

 

Unsere Sprache ist noch immer das Getuschel ehemaliger Waldbewohner. Ein Satz mit einem Handelnden, einem  Gegenstand und einem Tätigkeitswort ist schon von der Grammatik her animistisch. In jedem Wort steckt der Glaube an eine fast magische Beziehung zwischen den Satzteilen und der realen Welt. Man könnte sagen, indem wir ein Erlebnis in Sprache umsetzen, schreiben wir dem Geschehen sinnhaftes Verhalten zu; lebendig oder nicht. Unsere Sprache ist die Hüterin eines unterschwelligen Animismus‘.

 

 Das bisschen Sprachanalyse könnte einsichtig machen, dass wir gemeinsame Vorbedingungen haben, die uns eine Unlust flüstern gegenüber dem lateinisch-biblischen Gedankengut. "Mach dir die Erde untertan!" heißt nämlich in erster Linie, du bist jemandes Untertan. Dir ist ja klar, ganz oben bist du nie. Unser Feind ist der Monotheismus, nicht der Rest Animismus, der uns verbindet und notfalls stark macht gegen eine Obrigkeit, die jederzeit bereit ist, Fußvolk zu opfern. Ich sollte nicht klagen, wie alles ungesehen bleibt. Ich muss Allen einreden, wie nah sie an der Lösung sind.

 

 „Alles wächst“, so könnte die Überschrift über unser Wappen lauten. Ich will versuchen, die Theorie der wachsenden Dinge im Alltag zu testen. Beim Wegstellen der Gläser überkommt mich Gewissheit, wie eine stimmige Vorstellung von Physik und meine Situation ineinander verwoben sind. Ich erlebe den schlichten Kontakt meiner Finger mit dem Geschirr als das Aufeinanderprallen aktiver Oberflächen. Ich berühre also kein totes Glas, sondern einen Gegenstand, der mir entgegen wächst wie ich ihm. Das Glas und meine Hand wachsen so synchron auf einander zu, dass ich nicht merke wie alles sich jeden Augenblick neu rechnet. Jeder Körper wächst entsprechend seinem Durchmesser und drückt so auf seine Umgebung wie gefrierendes Wasser auf den Fels, den es sprengt. Ich kann mir dieses Gegendruckes bewusst werden. Übrigens, es gibt kein Material auf der Erde, was dem Druck von gefrierendem Wasser standhalten könnte, denn da drückt nicht ein stärkeres Atomgebilde das schwächere, hier wirkt die vorweltliche Eigenart des Subatomaren auf diese Materialien. Man erkennt das an der unendlichen Kraft des gefrierenden Wassers, die nirgends anzapft, nie ermüdet, keine sichtbare Energiequelle hat. Das Wasser ist völlig unverändert, nachdem es den Fels gesprengt hat. Es ist bei aller „Energie“-Anwendung kein Wasser verlorengegangen oder müde geworden, ein klarer Verstoß gegen die Standard-Naturgesetze. Auch wenn das Glas in meiner Hand nicht so deutlich seine Umgebung sprengt, wie gefrierendes Wasser, ist es doch in genau derselben Weise expandierend und drückt sich mir mit urtümlicher Kraft entgegen, so dass meine Sinne die Härte spüren.

 

 Ich glaube, dass diese Sichtweise mir etwas bringt, ein Gewinn, ein Vorteil, denn sie ist die zutreffende Welttheorie. In diesem beschriebenen Sinne gibt es keine tote Materie. Das Beispiel vom platzenden Wassergefäß kommt mir für die Visualisierung der Erdenschwere auch recht. Wir, die wir die Erdoberfläche besiedeln, sitzen auf einem riesigen Körper, dessen Außenhaut unter uns drückt und uns dabei nach außen mitreißt. Ich sitze auf dem ewig platzenden Wasserrohr Erde, das ist Gravitation. Auch da sehe ich einen Vorteil darin, dass ich im Gespür habe, wie der Fahrstuhl Erde beschleunigt, und nicht phantasieren muss, eine unsichtbare fremdartig-magische Zugkraft ziehe an allem was mich inerten Klumpen ausmacht. Es ist einfach so, dass ich aus guten, stimmigen Gründen handeln kann, während andere die weniger treffende Handlungsgrundlagen haben, wie die Standard-Physik, entgleisen. Es ist vielleicht angebracht, den Begriff „Animismus“ für diese neue-alte Sichtweise zu verwenden. Animismus als Name für die Erkenntnistheorie, die keine Trennung von Geist und Materie kennt.

 

 

 

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Empfohlene Lektüre: Mark McCutcheon, The Final Theory, Universal Publishers, Boca Raton, USA, 2010. ISBN 1-59942-866-0.


Die Mechanik der Satutogenese

Fred Weidmann, geb. 21. Januar 1938

 

 

 

Salutogenese ist mein Thema. Was mache ich richtig, dass es mir so gut geht? Es ist ein großes Glück, schmerzlos, stark und gesund alt werden zu dürfen. In den letzten Jahren habe ich vor allem Heile-Welt-Bilder gemalt, als Dank dafür, noch am Leben teilnehmen zu dürfen. Diese Bilder können die permanente Selbstheilung unterstützen.

 

Die Glosse hier ist in gewisser Weise die Fortsetzung eines Chaos-Vortrages den ich vor einigen Jahren bei Natura Naturans gehalten habe. Hier geht es um eine Art Mechanik der Gesundheit.

 

 

 

Die Mechanik der Salutogenese

 

Salutogenese würde ich wie folgt umschreiben: Ich bin in jedem Moment das neu durchgerechnete, am Verschleiß getestete, Nachfolgemodell des vorigen Augenblicks. Der Gedanke gibt Hoffnung. Selbst wenn er nur eine Denkhilfe ist, kommt er hoffentlich der Wahrheit so nah, dass er begründen kann warum Heilpflanzen, farbiges Licht und andere Minimaleingriffe zur Wirkung kommen können und vor allem, warum der gesunde wohlgeformte Körper in jedem Alter das Normale ist. Mein Körper besteht aus wachsenden Atomen. Jede Zelle ist in jedem Augenblick schon der Nachfolger des vorangegangenen Zustandes. Wir sind, wie der Farn deutlich zeigt, fraktal gewachsen. Das heißt, jeder Zustand ist dem vorigen ähnlich, nur etwas größer und neu "gerechnet". Weil jedes Atom und jeder Atomverband synchron mit allem Materiellen im Universum wächst, bin ich auch in jedem Augenblick neu. Wenn jedes Atom, jedes Molekül, jede Zelle jedes Organ, das Ergebnis einer überall gleichzeitig stattfindenden Rechnung ist, kann man sich Gesundsein so vorstellen, dass in jeder möglichen Ereigniskette alle Instanzen reibungslos ihren Folgezustand errechnen und so zur Gesamtgestalt beitragen. Mein Körper mit seinen Ausformungen ist eine mehrfach gefaltete statistische Kurve, die das Ergebnis sehr vieler Messungen ist. Der gesunde Normalfall ist ein Konzert von harmonisch kooperierenden Rechnern. Gesund, schön schmerzfrei ist normal, signalisiert einfach, dass alle Rechner störungsfrei arbeiten. Ich, als Erscheinungsform mit Bestand in der Zeit, bin das Schaubild der Prozesse, die alles immer neu und etwas größer machen. Selbstheilung ist genau das: Wir sind in jedem Augenblick neu gerechnet. Salutogenese ist der Normalfall und findet dauernd in grandiosem Ausmaß statt.

 

Erscheint nun irgendeine Störung, z.B. ein Geschwür, dann müssen dort die Erzeuger-Rechner Überstunden machen. Ich stelle mir das Geschwür als frechen, gierigen, nicht kooperativen Nachbarn von netten Zellen vor, die nun in unfreiwilliger Anpassung zur Peripherie des Entarteten werden. Eigentlich sollten alle den makellosen nächsten Körper errechnen, aber nun macht einer Fehler. In diesem Bild erscheinen Warzen als Rechenfehler, die in jede neue Rechnung eingegeben werden und im Effekt an der Oberfläche als Störung erscheinen. Was wir zu sehen bekommen, ist immer die Spur einer darunter liegenden Erzeugerwelt. So besteht in jedem Augenblick die Gefahr der Wucherung, aber auch die Chance eines Eingriffs, der in eine bessere, heile Zukunft führt. Die Wirkstoffe des Beifuß' zum Beispiel, könnten sich einmischen in die entgleiste Rechnung und sie korrigieren. Die Fehlproduktion würde eingestellt, wenn es der Stoff wäre, den die gestressten gesunden Zellen bräuchten, oder die kranken, um wieder glatt ins nächste fehlerfreie Jetzt zu gelangen.

 

Sollte diese vereinfachte Vorstellung vom eigentlichen Vorgang des gesunden Organismus im Wesentlichen zutreffen, dann würde das dank besserem Wissen die Kraft der richtigen Gedanken stärken. Wir würden die Möglichkeit der geistigen Eingriffnahme in den Prozess der Salutogenese erkennen. Ich bin überzeugt, dass das zutreffende innere Bild vom Heilungsprozess und vom Gesundsein, die Wirkung von Salben und aller Medizin unterstützt.

 

 

 


im Reich der richtigen Gedanken

 

 

Im Reich der richtigen Gedanken

 

 

 

Fred Weidmann 2017

 

 

 Die Entdeckung der expandierenden Bausteine ist die Lösung, wenn man nach einer intellektuell  sauberen Weltsicht sucht. Wir, alle Materie unseres Universums, sind aus wachsenden Elementen, den Atomen, aufgebaut. Mir schwebt eine Art wachsender Mechanik vor, die das Erscheinungsbild von Allem in jedem Augenblick errechnet und formt. Das begreifend, ist es nicht leicht, das Leben oder die Himmelsmechanik je wieder als nur von esoterischen Energien geladen und angetrieben zu verstehen. Es kann gar keine Frage sein, die Sinnestäuschung, der wir erliegen, weil wir hineingeboren sind in die allseits im Hintergrund wachsende Welt, kann intellektuell überwunden werden. Der Blick wird frei für ein stimmiges Weltbild. Es stellt sich eine permanente Begeisterung ein, ein Angekommen-Sein im Reich der richtigen Gedanken. Vielleicht muss ich abschminken, zu erwarten, dass eines Tages in der Alltagsbevölkerung das neue Paradigma ankomme, trotzdem sollte die rational befähigte Menschheit diese alternative Weltsicht annehmen. Es darf nicht sein, dass die Verursachung unserer Welt entdeckt worden ist, und alle drehen sich verstockt weg: "Nein, wir wollen das nicht wissen, gäbe es das Land, wir hätten es längst selbst gefunden." Das Neuland heißt "Theorie von Allem", zu Deutsch „Welttheorie“ und das ist ein dicker Brocken, vor allem, wenn man ihn zu übersehen versucht. Kein Zweifel, die Welt ist ein verstehbarer Ort.

 

 

 Empfohlene Lektüre: Mark McCutcheon, The Final Theory, Universal Publishers, Boca Raton, USA, 2010. ISBN 1-59942-866-0.


Verhinderung

Verhinderung

 

2017-8-16

 

Wie kommt es, dass ein so einleuchtendes, geistig und mathematisch so einfaches Prinzip, der Expansionsgedanke, sich nirgends durchsetzen kann? Von der argumentativen Seite müsste eigentlich schnell einsichtig werden, welche Vorteile die Expansionstheorie gegenüber der Vielwissenschafterei von heute hat. Die Errungenschaften dank der neuen Prämisse, dass alles aus stetig wachsenden Bausteinen besteht und nicht aus inaktiven Klumpen, die von Kräften angetrieben werden, müssten jeden überzeugen. Leider begegnet der Gedanke über die Jahre nur Ablehnung und zwar radikaler, vehementer Abwehr.

 

Ich versuche der Sache etwas auf den Grund zu gehen: Dabei finde ich drei Themenfelder: erstens, die Trägheit der Denkenden, die emotionale Kommunikation, die Wundergläubigkeit. Einst saßen wir am Rand der großen Gletscher und schauten den Mammut-Herden zu, die selbstbewusst vor uns paradierten. Am Lagerfeuer unterhielten uns flüsternd die Schamanen mit wundervollen Geschichten von Göttern und Dämonen, die über Kräfte verfügten so mächtig, dass sie uns Blitze, Sonne und dumme Mammuts als Nahrung bringen konnten. So wundervoll und unfassbar waren die Unsichtbaren, dass wir in Furcht mehr zittern konnten als vor Kälte. Das war funktional, denn wir waren kleine schwächliche Zuzügler im Territorium der Großtiere. Diese Haltung haben wir bis heute beibehalten, in wesentlichen Dingen ticken wir noch immer wie die frühesten Jäger und Sammler. Dazu gehört offenbar die Wundergläubigkeit, die Demut, dass wir nicht alles begreifen können, was Ursache ist. Argumente haben bis heute wenig Gewicht, wo Emotionen angesagt sind.

 

Eine neue Welttheorie, die die übernatürlichen Kräfte alt aussehen lässt, setzt genau an diesem evolutionär bedeutsamen Punkt an. Der Mensch braucht seine Wunder und Dämonen, weil sonst schon eine Kuh mächtiger wäre als er selbst. In der Geschichte des Geistes haben Vorstellungen überlebt, die nicht der Wahrheitsfindung dienen, sondern dem psychisch-emotionalen Rückhalt, den jeder braucht.

 

Zweitens: Die festgefahrenen Strukturen.

 

Wir leben in einer streng hierarchischen, durchstrukturierten Gesellschaft. Da definieren sich die Zugehörigkeiten durch einen Satz von Bekenntnissen genauso wie durch die Häufigkeiten der Interaktion unter den Gruppenmitgliedern. Es besteht Gruppenzwang in jeder sozialen Umwelt. Auch da sehen wir den kräftigenden Effekt für jeden, wenn er glaubt, woran seine ganze Horde glaubt. Der Gruppenzwang mobilisiert Abwehrkräfte gegen fremdes Gedankengut, weil schon das geringste Abweichlertum in der Gruppe argwöhnisch beobachtet wird, es könnte die Strukturen bedrohen. Der Platzhirsch passt auf, dass kein Eindringling seine Anhänger/innen verführt. Die sozialen Strukturen verdanken ihre Beständigkeit dem Gruppenzwang. Jeder Paradigmenwechsel draußen vor dem Territorium des Rudels bedroht die innere Struktur. Die Abwehr gerät stets vehement und unsachlich. In Universitätskreisen wie in der Wirtschaft gibt es Killerstrategien, die jedes unangebrachte Argument von vornherein abwürgen. Studenten meiden die Wortmeldung, weil sie fürchten müssen, ex cathedra fertig gemacht zu werden. Karrieren machen nur die Angepassten. Vor dem beschriebenen Hintergrund festigt sich das Gefüge der Gesellschaft. Jeder kann so lange aufsteigen bis er endlich zu beschränkt ist, um noch höher zu steigen. Am Ende haben wir eine Welt, in der jeder genau da sitzt, wo er zu blöd ist für seine Position. Das verunsichert und macht nicht gerade aufnahmefreudig für umstürzlerische Gedanken. Man nennt das das Peterprinzip nach einem Herrn Peter, der dem Umstand ein Buch gewidmet hat.

 

Als wäre die Wahrheit, wenn sie denn einen Paradigmenwechsel bedingt, durch das Beschriebene nicht schon an und für sich in Gefahr, nie das Licht des Tages zu erblicken, haben die Vordenker der Stabilität noch das Gesetz aufgestellt, dass jede Wahrheit nur vorläufig sei und nicht bewiesen werden könne. Ganze Heerscharen von Philosophen machen sich stark, um die Suche nach DER Wahrheit lächerlich zu machen.

 

Drittens: Die Verschwörung.

 

Die Suche nach der Wahrheit spielt entweder innerhalb festgefahrener sozialer Strukturen statt, wo das Gefundene stets den Charakter von gewonnenen Spielrunden haben muss, oder sie stört den sozialen Frieden. Entsprechend fließen Gelder nur dorthin, wo sie den Erhalt der Strukturen festigen. Das geschieht ganz natürlich und bedarf keinerlei Verschwörung von oben.

 

Jedoch, wenn diese Geldflüsse über lange Zeit ungestört zirkulieren, bewirkt das Machtkonzentration. Die Großen können sich so platzieren, dass immer mehr zu ihnen zurückfließt, bis schließlich die Kleinen ganz natürlich geschluckt werden oder verschwinden. Der Wahrheitsfindung allgemein bekommt das nicht, eher ist das der Nährboden für Korruption und Machtmissbrauch. Wenn ich mich an dieser Stelle frage, was es ist, was eine rundum logische, absolut stimmige, empirisch taugliche Welttheorie an ihrem fulminanten Durchbruch hindert, habe ich die Antwort schon gegeben. So sieht das Panorama aus, vor dem mutige Erneuerer ihren Tanz aufführen müssen. Schlimm genug, aber nicht sehr detailliert.

 

Neulich bin ich der Nachricht begegnet, dass in den letzten zehn Jahren von tausenden Schulbuchverlagen nur einer, Pearsons Education, übrig geblieben ist. (aus der Erinnerung, nicht selbst recherchiert) Weltweit werden alle Lehrstoffe und Bildungsmedien von einem einzigen Konzern diktiert. Nicht nur das Lernmaterial sondern auch die Prüfungsinhalte auf allen Stufen vom Vorschulstoff bis zum Universitätsdiplom sind alle Papiere von Pearsons verfasst. Weder in USA noch in Indien oder der Schweiz gibt es  Karrieren oder Titel, die an Pearons vorbeigekommen wären. In USA gehören 97 % aller Schulbuchverlage Pearsons. Die Preise für deren Produkte haben sich in zehn Jahren verfünffacht. Und, wie es so bei lohnenden Geschäften ist, man verkauft den alten Dreck solange das eben geht. Eine neue Physik zum Beispiel würde unverantwortbare Kosten verursachen, dagegen kann nun der Firmenvorstand Einspruch erheben. Kann man das Verschwörung nennen? Nein, dazu müsste man noch in die Personal- und Besitzstrukturen schauen. Wenn herauskäme, dass die Leute, die das Geschick bei Pearsons Education lenken im selben Verein sitzen wie der Chef von Lockheed, VW, der von der Süddeutschen Zeitung und so fort, und dass die sich regelmäßig auf den Bahamas treffen, dann könnte man da mehr als nur Freizeitgewohnheiten vermuten. Das tut natürlich niemand der Kinder zu ernähren hat. Ein "Verschwörungstheoretiker" ist immer gleich ein Kinderschänder und Drogenjunkie.

 

Um diese Glosse abzurunden, brauche ich nur zurückzuführen auf mein Thema: Wie kommt es, dass von der Expansionstheorie nach 17 Jahren nichts zu finden ist? Ganz einfach, wer das glaubt ist ein "Verschwörungstheoretiker", ein Kinderschänder und Drogenjunkie, ein Aussätziger vor den Toren der Macht der nirgends zu Wort kommt. Der Autor der "Final Theory", Mark McCutcheon, einst in wichtigen Positionen, ist unauffindbar in Australien.

 


Relative Lichtgeschwindigkeiten, das Kieselgleichnis, die Wahrnehmung.

Relative Lichtgeschwindigkeiten, das Kieselgleichnis, die Wahrnehmung.

 

Fred Weidmann, 2017.01.21
Zu meinem 79sten Geburtstag gönne ich mir ein paar fundamentale Gedanken.

 


Ein Ding allein hat keine Geschwindigkeit. Woran auch sollte man seine Bewegung messen? Zwei Dinge können sich auf einander zu bewegen oder voneinander weg, sie bewegen sich relativ zueinander. Viele Dinge haben viele relative Geschwindigkeiten. Zu Ende gedacht, heißt das, wir leben in einer Welt, in der alle Bewegung und Geschwindigkeit relativ zu anderem ist. Wenn wir das akzeptieren, dann gibt es auch für Licht nur die relativ zu Anderem feststellbare Lichtgeschwindigkeit. Das zu erklären wäre Gegenstand einer allgemeinen Relativitätstheorie. Warum sollte Licht nicht relativ zu anderen Phänomenen beliebig schnell sein, wenn dieses relativ zu einem Dritten schon beliebig schnell ist? Am eigentlichen, absoluten Wesen und Tempo des Lichts ändert das nichts! Die Frage danach ist unsinnig. Wie kann ein Mensch eine Relativitätstheorie erstellen und gleichzeitig die Lichtgeschwindigkeit absolut festsetzen? Er widerspricht sich selbst am wichtigsten Punkt seines Modells. Wie und wo sollte absolute Lichtgeschwindigkeit sich im Universum installiert haben, wenn alles nur relativ zu einander geschieht? Wenn ich höre, Lichtgeschwindigkeit sei eine Milliarde irdische Kilometer pro Stunde und das sei das Höchste, was absolut erreichbar sei im ganzen weiten Kosmos, geht bei mir ein Warnsignal an. Das kann und darf nicht sein.
Die Frage ist also erlaubt: Bewegt sich Licht nicht ähnlich wie Gravitation in der ersten Sekunde 4,9m/sec (für die Erde), in der dritten Sekunde aber schon neunmal diesen Wert? Licht müsste eigentlich etwas sein, was konstant beschleunigt, denn Licht ist eine Sache mit Seins-Charakter wie alles Wahrnehmbare. Licht kann nicht etwas Passives sein, was einmal abgeschossen nur untätig davonfliegt. Es kann auch nicht eine körperlose Welle sein, weil Welle und Vakuum sich nicht vertragen. Wellen brauchen ein Trägermedium, Licht nicht.
Als mündiger Mensch frage ich nach dem Wesen des Lichts. Da fällt mir das Gleichnis vom flachen Kiesel ein, den wir über das Wasser hüpfen lassen: Der Kiesel lässt bei jeder Berührung mit der Wasseroberfläche einen Ring wachsen, der sich ausbreitet und im großen Wasser verebbt. Er zeichnet eine Spur von Aktivitäten, die mir vielleicht helfen kann zu verstehen, was Lichtteilchen im Lichtstrahl tun. Jedes Lichtteilchen ist wie der Kiesel. Wo immer es gerade ist, gibt es etwas ab, bildet es einen kugelförmigen Auftitsch-Ring, der im Ozean der elektromagnetischen Phänomene verebbt. Der Kiesel bleibt dabei Kiesel; so auch das Lichtteilchen. Was es auf seiner Reise durch Vakuum und Gase abstrahlt, macht es nicht schwächer, zehrt ebenso wenig an seinem Wesen wie die Berührung des
Steins mit dem Wasser. Es strahlt kraft seiner subatomaren, vorweltlichen Eigenschaft. Es ist ewig gleich bleibend, präexistent, unermüdlich expandierendes Elektronenmaterial. Und noch mal, es bewegt sich nur relativ zu etwas anderem. Geschwindigkeit absolut ist nur ein Denkfehler. Wer sagt denn, wann es der Kiesel ist, der sich bewegt, das Wasser oder der Werfende.
Die Frage für uns Wahrnehmende ist, sehen wir diese Strahlung oder registrieren wir den Aufprall des Teilchens? Eine empirische Frage. Das Elektronenklümpchen, das wir Licht nennen sitzt in einem Strahl von sich schubsenden getakteten Partikeln. Jeder Kiesel schubst den vorderen und wird vom nachfolgenden geschoben, weil jeder in jedem Augenblick von der Expansion weitergedrängt wird und sich dauernd expandierend wieder findet. Diese Art von Spur ist sehr effizient auch wie sie durch Vakuum kommt.

 

Angenommen, diese Beschreibung des Lichts entspricht der physikalischen Wirklichkeit, dann stellt sich mir die Frage: Was und wie nimmt mein Licht- oder Farbe-Sinnesorgan wahr? Ist eine Sehzelle ein Apparat, der wie ein schwimmender Korken auf den Ringen tanzt und die Ausschläge registriert, oder ist er ein Fanggerät zum Einfangen der heranprasselnden "Kiesel" selbst? In dem Falle wäre ein Umlenken über die leitenden Nervenbahnen denkbar. Das hieße, unser Weltbildapparat würde nicht nur Ausschläge eines Schwimmers verrechnen, sondern Materie-Bausteine selbst würden im Wahrnehmungsprozess eingesammelt und Weltbild verursachend materiell angelegt. Der Unterschied ist keine Bagatelle, denn es geht hier um die Vorstellung, was Wahrnehmung ist, wie wir zu einem inneren Bild der äußeren Welt kommen und vor allem, wie direkt verknüpft unser Sein mit der physikalischen Verursachung ist. Sehe ich blau, wenn sich als blau getaktete Elektronenbällchen bei mir einnisten? Oder registriert mein Seismograf Stärke und Frequenzen von Strahlung, so etwas wie das Magnetfeld des Lichtstrahls, lässt aber den Kiesel selbst abprallen?

 

Leider kann ich keinen Fachmann dazu befragen, denn die Voraussetzungen für dieses Thema sind nicht gegeben in einem Wissenschaftsbetrieb, der noch mystische Vorstellungen von einer dualen Wesenheit des Lichts pflegt, wo Welle oder Partikel sich erst durch Hinwendung entscheidet. Jedenfalls, so denke ich, hat die Evolution immer den sichersten Weg gewählt. Auch weil Farben heilsam sein können, denke ich, dass wir beim Aufbau unseres Seins eine Art Verdauung auf allen Ebenen betreiben. Kommen schmackhafte Elektronenbällchen daher: her damit, das kann mich aufbauen helfen. Ist da viel Blau dabei, ist nicht nur eine Frequenz im Spiel, sondern da geschieht etwas mit subatomaren Teilchen, die meinem Körper einverleibt werden. Blau definiert sich durch die Größe der Elektronen-clusters, nicht durch eine Wellenlänge.
Licht lässt erahnen, wie es im Innern eines Atoms zugeht, denn Elektronen können nicht wissen, wo sie gerade sind. Also tun sie immer das Gleiche ob sie im Atom oder außerhalb sind. Sie expandieren mit Lichtgeschwindigkeit - zunächst relativ zur Lichtquelle, aber schon im nächsten Augenblick relativ zu ihrem vorigen Zustand. Licht und Farbe könnten wesentlich materieller verstanden werden. Das Mysterium, das jene körperlosen Energien umgibt, die hier in Frage stehen, könnte sich heute schon auflösen. Unser empirisches Wissen würde voll von einer wirklichen Relativitätstheorie abgedeckt.


Hochschule für Gestaltung, Ulm

Dieser Aufsatz ist veröffentlicht worden in einem Buch über diese Hochschule.

Fred Weidmann

Die Hochschule für Gestaltung, Ulm und Germanien.

 

 

 Es ist in der Tat eine lange Geschichte, sie beginnt 1956, in Zürich. 18-jährig befasse ich mich mit Max Bill und den „Konkreten“, die im Kunsthaus Zürich, im Feuilleton und in Galerien hoch im Kurs sind, besuche gleichzeitig die Kantonale Handelsschule und abends die Anatomie an der Kunstgewerbe-Schule. 1957, Abitur/Matura und gleich mit Stipendium in die USA, Hauptfach Journalistik und Anatomie für zukünftige Mediziner. Das mit einer Renaissance-Vorstellung von einer Künstler-Ausbildung. Prägend waren vor Ulm zwei Einzelausstellungen in der Amerikanischen Provinz, die beide ausverkauft waren. Ich versteckte Figürliches im Splash-Chaos wie Jackson Pollock. Als ich nach Ulm kam, wollte ich noch immer Künstler werden und das mit der bestmöglichen Ausbildung. 1958, September, es war nach Semesterbeginn in Ulm, erfuhr ich aus der Neuen Zürcher Zeitung von der Hochschule für Gestaltung. Da wollte ich weiterstudieren, da würde ich mich einbringen. Nach einem intensiven Gespräch mit der Hochschulleitung, war ich aufgenommen: Zu meiner Verwunderung gab es kein weiteres Aufnahmeverfahren. Ich war der ideale Kandidat für die Abteilung „Information“. Maldonado war bereits an Bill‘s Platz, Bonsiepe machte seine Pünktchen. Das gab mir zunächst die Hoffnung, man könne an der HfG auch malen. Zwar war ich als 20 jähriger Schweizer schon viel herumgekommen, hatte ja eigentlich auf den Spuren von Max Bill zur HfG gefunden, hatte den Louvre und das Guggenheim Museum besucht, aber Deutschland und seine kulturhistorisch gespannte Zeit überfiel mich ähnlich wie die Rassenvorurteile der Amerikaner in ihrem Land. Funktional musste alles Gestaltete sein, das war auch meine Überzeugung, aber, dass man den darstellenden, ornamentierenden und agitierenden Künstler gnadenlos ausrotten wollte, war mit Funktionalität nicht zu begründen. Da war das Kind mit der Entnazifizierung ins Wasser gefallen. Ich hatte nicht Makart erwartet, aber Vordemberge-Gildewart konnte die Lücke nicht füllen. Noch zum Ulmer Funktionalismus: Ich fand eine verlogen himmelblaue Zigarettenpackung mit symbolträchtigem Gallierhelm beispielsweise eher funktional, als eine tabakbraune mit weissem Streifen, wie wir sie mit viel Pathos gestaltet hatten. Kein Mensch in der Stadt hätte unser Produkt gekauft. Ich war nach Ulm gekommen, auch weil mir das amerikanische System, Kunst an Universitäten zu vermitteln, aus der Ferne dort am ehesten realisiert schien. Die Realität fand ich dann eher sektiererisch bauhausig mit einem starken Hang zur Industrie-Andienerei. Das war einfach nicht die Revolte, nach der ich mich sehnte – da kam ich als Unternehmersöhnchen her.

 

Unter den Studierenden gab es Freundschaften. Marcel Herbst, mit dem ich ein Zimmer im Wohnturm teilte, war mir ein sehr wertvoller Freund. Er überschaute genau das Spektrum der gesellschaftlichen Realität, was mir gefehlt hatte. Dank ihm kam ich nach Ostberlin, lernte Wolf Biermann kennen, das Brecht Theater. Manfred Eisenbeis war nicht in meinem Jahrgang, aber mit ihm verband mich Freundschaft, vielleicht weil er in jeder Situation die Seite der Vernunft einnahm. Dazu eine Geschichte: als viele Jahre später mein Sohn in Köln an der Kunsthochschule für Medien studierte, war Manfred Eisenbeis dort Rektor. Er hat ihn, als er sich vorstellte, umarmt als sähe er einen alten Freund. Ich bedaure, dass unsere Lebensläufe so getrennt verlaufen sind. Der Austausch unserer Standpunkte hätte sicher meinen Weg beeinflusst. In meinem Kleiderschrank hängt noch heute eine Seidenkravatte von Susanne Eppinger.

 

Ulm, Ende der fünfziger Jahre, war unfassbar seiner Zeit voraus. Man bedenke, in der Schweiz gab es damals noch an keiner Universität einen Lehrstuhl für Soziologie. In Ulm lehrte ein bedeutender Soziologe. Faszinierende Mathematik, Informationstheorie, Kybernetik, Sozialpsychologie, ja Semiotik, all das exotisch Neue, faszinierend viel Versprechende, konnte man da zumindest kennenlernen. Oder, hatte ein junger Mensch das spätere Berufsleben im Visier, war er da sehr gut platziert. Die meisten Studierenden hatten ja einen Beruf gelernt und wussten, was sie suchten. Man musste nicht mal rekrutiert werden von der Industrie, man wuchs direkt hinein in die Projekte und Netzwerke. Ich glaube ich war der einzige, der in seinem Leben nur Student gewesen war.

 

Die HfG, weil sie nichts von einer Kunsthochschule hatte, wurde in wesentlichen Dingen meine Initiation. Ich erlebte die Welt der Erwachsenen. Einige der Dozenten haben mich sehr beeindruckt, Horst Rittel der mir Wissenschaftstheorie und Informationstheorie nahe brachte, und Hanno Kesting, der Soziologe, der mir das Gefühl gab, dass ein sozialpathetisch gelagerter Mensch mit einem Soziologiestudium besser gerüstet sei, als durch einen Abschluss in Ulm. Beide mit Universitätsabschluss flüsterten mir hinter vorgehaltener Hand, dass das Studium in Ulm ja nichts von dem Gewicht einer deutschen Universitätsausbildung habe.

 

Die Gralshüter des Ulmer Rechteck-Stils habe ich gemieden. Das war aber nicht von Bedeutung, da es rundum unendlich viel zu lernen gab. Wertvoll war der Blick auf die Lebenswelt draussen. Die HfG hatte einen Riecher für Gastdozenten aus dem Wirtschafts- und Kreativ-Leben. Dort lernte ich die Vorgehensweise und die Qualitäts-Standards in den verschiedensten Berufen von den Besten ihrer Zeit kennen. Frei-Otto machte mit seinen Studenten Seifenblasen und Olympiade-Netze.

 

Zum Thema Grundjahr und Abteilung Information: wir waren ja viel zu wenige, als dass sich ein separater Unterricht für uns gelohnt hätte. An der HfG konnte man alles mitkriegen, wenn man dafür Interesse zeigte. Notfalls machte man eine Fotoreportage über die Arbeit der Produktgestalter, oder man setzte sich einfach dazu bei den Architekten. Mit Gert Kalow, dem Filmemacher Vesely, dem Literaturkritiker Kaiser, war man mittendrin in einem Kreis von Referenten, die keine Rücksicht auf Erstklässler nahmen und keiner fragte nach dem Rang des Studierenden.

 

Was hat mir Ulm gebracht? Direkt nützlich für mein späteres Leben waren die Kriterien für gutes Schreiben, für Qualität in der Fotografie, guten Filmschnitt, Kenntnisse in Design und Architektur, eine Einführung in das Who is Who auf diesen Feldern, dann die schon erwähnten Weichenstellungen durch Rittel und Kesting.

 

  Indirekt aber ist Ulm gigantisch bedeutsam für meinen Lebensweg gewesen. Indem ich den rückwärts nach Dessau gerichteten Fortschrittsglauben für sektiererisch unzeitgemäß hielt, weil er den Kotau vor der Kunstgeschichte und den Humanwissenschaften vermissen ließ, musste ich ein Leben als Ulm-Renegat fristen. Wenn ich einen Stuhl entwarf, dann sicher nicht mit quadratischen Brettern, sondern in Verehrung der Schönheit meiner Frau. Nach Ulm hätte ich niemals an einer Kunsthochschule studieren können, (ich wollte ja Künstler werden), da ging nur noch ein Weg durch die Humanwissenschaften. Danke Ulm, da ist ein Kelch an mir vorbeigegangen. Auch als illusionistischer Maler heute muss ich zugeben, ich habe mich geirrt in der Einschätzung der kulturhistorischen Bedeutung des Viereck-verehrenden Funktionalismus. Die HfG hat sich weltweit durchgesetzt und das ist mehr als eine Geschmacksfrage. Vor meiner Haustüre wachsen gerade streng Klotz-artige Gebäude. In der Natur macht nur das Salzkristall solche Würfel. Ein Alien würde denken, die haben sich die Kontinente versalzt. Ich sähe lieber Seifenblasen-artiges in Münchens Skyline.

 

Beim Verlassen der HfG habe ich alle Brücken hinter mir abgebrochen, nicht weil ich jemandem etwas vorzuwerfen gehabt hätte, nicht weil ich glaubte, dort komme Stagnation, es war in Köln und dem Rest der Welt alles so aufregend, dass ich völlig in den neuen Welten versunken bin. Man hatte keinen Platz für Rückblicke. Im Herbst 1960 befand ich mich bereits in Köln als Student der Soziologie an der Wirtschaftsfakultät. Es folgten zehn Jahre Universitätsleben. Köln war das Mekka der empirischen Sozialwissenschaften und durch Hans Albert ein Hotspot der Wissenschaftstheorie. Ich fühlte mich da wohl, es war die Abteilung „Information“ in vertiefter Fortsetzung. Meine Diplomarbeit bei René König über “Ein Netzwerkmodell nach einem Vorschlag von Theodor Geiger” reichte ich im Sommer 1964 ein. Bis zum „Diplomvolkswirt sozialwissenschaftlicher Richtung“ war ich Mitarbeiter bei Erwin K. Scheuch in einem Harvard-Projekt: Sekundäranalyse von Umfrageforschung. Auch war ich damals nebenher Assistent von Prof. Wilhelm Menning, Kunsterziehung, Pädagogische Hochschule Kettwig. Nach dem Diplom wurde ich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationsforschung und Phonetik (IKP) an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn. Gerold Ungeheuer war dort mein verehrter Lehrer, Institutsdirektor und Doktorvater (neben René König, der in Köln Soziologie lehrte). Am IKP habe ich drei Forschungsberichte geschrieben:

Der Erste im Januar 1967, war eine Langzeit Studie über das Netzwerkverhalten unserer 22 Institutskollegen: “Der soziale Prozess als informationsverarbeitendes System, eine experimentelle Studie”.

Der zweite, Helmut Richter und Fred Weidmann: „Semantisch bedingte Kommunikationskonflikte bei Gleichsprachigen“, Buske, Hamburg 1969, (2. durchges. Aufl. 1975).

Der Dritte als Dissertation: „Grundlagen einer Kommunikationssoziologie“, Buske, Hamburg 1972. Mit einer provokanten Analyse der wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Soziologie habe ich mich nicht für das Lehramt qualifiziert. Es lockte die Freiheit ohne institutionelle Bindungen.

 


Mein Leben nach Ulm und nach den Universitäten: Vision und Wahrheit.

Mein Leben nach Ulm

Aus diesem Beitrag: Mein Bekenntnis:Ich glaube nicht an die fatalistischen Denkmuster, die mich umgeben. Ich glaube, dass die Welt ein verstehbarer Ort ist. Ich glaube sogar, dass das Universum, in dem wir leben, mit gesundem Menschenverstand erfassbar ist. Ich glaube an den alten Menschheitstraum von der Theorie von Allem.

 

Mein Leben nach Ulm und nach den Universitäten:

Vision und Wahrheit.

September 2014

 

Mit 30 war ich es leid, zu hoffen, dass ich ein freies Leben in der Forschung würde führen können. Bis dahin war das, was ich für Grundlagenforschung gehalten hatte, immer zur Dienstleistung bei den Falschen geronnen. Dabei war die Arbeit vom Ziel her noch lange nicht erledigt. Um die Welt und die menschliche Kommunikation zu verstehen, musste ich mir Zeit und Unabhängigkeit verschaffen. Das konnte ich nur als Künstler im Nichtsprachlichen erreichen. Ich wurde Maler mit Ölfarbe. Mit einer Technik, die dem Zufall nach Belieben Platz geben konnte, fiel es mir leicht meinem Jugendselbstbild als Maler nachzugeben. Da war ich, noch mal Renegat, ein promovierter Künstler mit Interessen, die keiner wissen wollte.

 

Was der Zufall im Malvorgang hervorbringt, ist oft einer Gestalt ähnlich, die wir in der erlebbaren Welt kennen. Man erkennt Ströme, Wolken, erodierte Täler und Dendritenbäume. Setzt man einem Klecks ein Auge ein, wird er zum Pferdekopf. Für den Surrealisten sind diese Wolkenguckereien das tägliche Brot, er holt seine Einfälle aus den Ähnlichkeiten der Formen. Im Erkenntnisbetrieb allgemein wird solches Tun eher als Fehlleistung, Pareidolie, angesehen, etwas für Künstler. Für normale Menschen gilt, dass Analogien nur bis zu einem gewissen Punkt dem Verständnis helfen, bei genauerem Hinsehen werden sie falsch. Ich denke an den Vergleich des nie ermüdenden Erde–Mond Systems mit dem stark strapazieren Kugelschwinger. Ich komme darauf zurück.

 

Während der 45 Jahre, die ich fern der Universitäten gelebt habe, ist mir trotzdem manch guter Gedanke begegnet. Ich habe Lesen immer wieder als ebenso wichtig wie Malen behandelt, die Wissenschaft aus dem Exil im Auge behalten.

 

Hier das Bekenntnis des ewigen Renegaten: Ich glaube nicht an die fatalistischen Denkmuster, die mich umgeben. Ich glaube, dass die Welt ein verstehbarer Ort ist. Ich glaube sogar, dass das Universum, in dem wir leben, mit gesundem Menschenverstand erfassbar ist. Ich glaube an den alten Menschheitstraum von der Theorie von Allem. Was wir suchen, muss etwas sein, was wir alle kennen, aber aus irgendeinem Grund übersehen. Wir haben barocke Vorstellungen und dadaistische Bekenntnisse geerbt, die uns weit ab vom Kurs der Wahrheitssuche bringen.

 

Vor 300 Jahren kam der Englisch-königliche Münzinspektor, der ein heimlich praktizierender Magier war, auf die Idee, dass es eine Zugkraft geben müsse, die sowohl uns, wie den Apfel und den Mond anziehe. Diese Zug-Idee hat uns seither viel Unheil gebracht. Sie hat sich noch nirgends messen lassen. Wie wir intuitiv wissen müssten, geht das auch nicht, denn was uns auf die Erde drückt, ist, keine Anziehungskraft, sondern die Schubkraft eines sehr großen Körpers. Das ist gleich dem Andruck, den wir spüren, wenn der Fahrstuhl beschleunigt. Das Problem hier ist die Ähnlichkeit. Wenn zwei Körper einander näher rücken, kann die Ursache eine Kraft sein, die zwischen ihnen zieht oder eine, die beide schiebt, oder sie wachsen auf einander zu und nichts zieht oder schiebt. Für den Beobachter, wenn er einer der Beteiligten ist, sind diese Situationen zum Verwechseln ähnlich. Aus einem Irrtum, einem vor 300 Jahren missverstandenen Tatbestand, ist Erdenschwere bis heute als Anziehungskraft anstatt gefühlte Beschleunigung in unsere Köpfe gelangt.

 

In diesem Jahrhundert wird sich hoffentlich durchsetzen, dass Gravitation keine magische Zugkraft sein kann, die allem anständigen Denken trotzt, sie ist die normale Schubkraft eines sehr großen, sehr prallen Körpers, der Erde. Jeder Körper hat diese Schubkraft in sich, ist prall, (man darf lachen), sonst würde er von der Gravitation unseres Mutterplaneten eingedellt und schließlich platt gemacht. Der Gedanke, dass die Gravitation sich nicht vom Andruck bei Beschleunigung unterscheiden lasse, stammt von Einstein. Dass wir auf einem radial nach allen Seiten expandierenden Globus sitzen und das als unser Gewicht empfinden, war ihm nicht in den Sinn gekommen.

 

Inzwischen scheint der unmittelbare Bezug zu meinem Werk nicht mehr in Sicht. Das tut mir leid, denn in solchen Gefilden ist mein schöpferisch geistiger Hintergrund, das Agens für mein derzeitiges Schaffen. Im Übrigen habe ich immer solche Universalia gemalt. Mir war der geronnene Farbklecks ebenso wichtig wie der Baum den er darstellte. Im Dendriten-artigen, was unter meinen Augen wuchs, erschloss sich mir ein Prinzip der Natur. Darin lag die Faszination. Später, ab Mitte der achtziger Jahre, habe ich viele Jahre mit Marmorierungen experimentiert. Die expansive Triebkraft der schwimmenden Farben brachte kosmische Ähnlichkeiten zu Tage, wieder im Kleinen das Werden des Ganzen. Während der Pferdekopfnebel im Sternbild des Orion viele Erdzeitalter braucht, um seine Gestalt zu entwickeln, schafft der Maler in überschaubaren Zeiträumen solche Welten. Indem ich das kosmische Getümmel  habe walten lassen, sind die Endergebnisse solchen Tuns, meine Bilder, voller Anmutungen und Gestalten geworden. Ich begriff mein Werk in erster Linie als Protokolle kosmischer Wahrheiten.  Erst an zweiter Stelle folgte ein semantisch-kommunikativer Sinn.

 

Was hat sich der Maler gedacht, wie kam er auf die Ideen? Diese Fragen kann ich in zwei Stufen beantworten. Erstens, da ist etwas fast Heiliges, viele Generationen von Denkern und Schöpfern Einschließendes, was mich treibt und unermüdlich unvollendet sein lässt: die Theorie von Allem. Und zweitens etwas Verspieltes, Erzählendes, manchmal Freundliches, manchmal Bedrohliches, womit ich das schwer verdauliche Eigentliche schmücke oder vertusche. Showbiz. Irgendwie hoffe ich noch immer, dass am Ende der langen Schlange von Missverständnissen ein Einsehen beim geneigten Bildbetrachter wächst, von der Art: Der Weidmann hat das schon damals richtig gesehen.

 

In psychedelischen Zeiten, das heißt von 1968 bis Ende der Achtziger, waren mir Bilder suspekt, deren Inhalt man mit Worten gerecht werden konnte. Echte, ungekünstelte Visionen mussten nach meiner Definition das Tempo des nichtsprachlich Unterbewussten haben. Gefragt war Authentizität mit Anlehnung nur an die aktuelle Vision. Die Bilder vom Ende des letzten Jahrhunderts, haben noch teilweise diesen Anspruch. Manchmal schien die Hand besser zu wissen, was sie wollte, als der Kopf. Absichtvoll war nur der stete Neuanfang, das nie vorher Gedachte. Für jemanden, der niemandes Diener und niemandes Plagiator sein will, ist es ein Privileg, nicht zu wissen, was er tut. Es macht erträglich, dass die Schieflage der Verständigung total geworden ist.

 

Inzwischen bin ich längst wieder Vater geworden und führe ein Leben ohne besondere Auffälligkeiten. Meine Wahrheiten sind Erkenntnis-politisch, wie oben angedeutet. Aus unzähligen Visionen ist nun doch eine Verstandes-Vision geworden, über die sich auch rational verhandeln lässt. Eureka, ich habe sie gefunden: die Weltformel, die Theorie von Allem, die Vision von der Wahrheit. Ich könnte sie sogar kurz vermitteln, alles was Sie akzeptieren müssten, ist eine harmlose kleine Grundannahme, eine Prämisse:

 

Wir leben in einer Welt expandierender Materie.

Erkennen wir die Dinge, die da sind, als von Atomen geschaffene Gebilde, so können wir fragen, warum Atombomben platzen, wir aber nicht. Das Atom und seine Bestandteile können sicher nicht wissen, worin der Unterschied liegt, sie tun was sie immer tun. Sie machen Druck. Atome sind pralle Kügelchen in denen permanent atombombenhaftes abgeht. Das bleibt nicht ganz ohne Auswirkung auf die äußere Welt. Wenn Billionen solcher Kügelchen, die unter unvorstellbarem Druck stehen, eine Gestalt bilden, dann überträgt sich der Druck auf das Ganze. Dabei geschieht das was wir bisher immer übersehen haben. Alles expandiert unmerklich. Wir merken das nicht, weil unser Zollstock mitwächst.

 

Der Rest ergibt sich von selbst, die bekannten Wunder des Alltags werden entzaubert. Der Magnet trotzt der Gravitation, weil… Der Kreisel fällt nicht solange er dreht, weil… Der Mond ist nirgends festgemacht, weil…, Das Prisma streut weißes Licht, weil… Wasser braucht zum Gefrieren mehr Platz als flüssig. Alles hat seinen Platz in dieser Theorie, wird zur Konsequenz der einen Prämisse. Alles, im Großen wie im Kleinen erklärt sich wie von selbst, wenn wir den Grundgedanken zulassen, dass wir aus wachsenden Bausteinen gemacht sind, in eine Welt hineingeboren, in der nur expandierende Atome zur Verfügung standen.

 

Damit bin ich, der Nein-Sager, zum Ja-Sager geworden und frage mich, wie ich ein Leben davor überhaupt aushalten konnte. Man kann es ja so sehen, die Saat meiner Sinn-Suche ist  aufgegangen und das ist gut so.

 

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Empfohlene Lektüre: Mark McCutcheon, The Final Theory, Universal Publishers, Boca Raton, USA, 2010. ISBN 1-59942-866-0.


Präexistente Pflanzen, Pflanzen sind Künstler

Präexistente Pflanzen

Pflanzen sind Künstler

 

von Fred Weidmann

 

Eine Tierart, wie wir Menschen kann nur sehen, was qua Evolution zu unserem Bestehen geführt hat. Unsere Beziehung zu Pflanzen ist nicht symmetrisch, was uns zur Nahrung gedeiht, ist immer schon da gewesen, ehe wir geboren wurden. So kann man fragen, ob wir warmblütigen Salatesser nur die Skizzenblätter der pflanzlichen Ästhetik Übungen sehen, ob Pflanzen uns nur ihr ästhetisches Produkt, die Ausgeburt ihres Schönheitsempfindens, sehen lassen, nicht aber ihr wahres Wesen, welches uns wohl als Leeres erscheint. Pflanzen sind ausgereifte Produkte einer uns fremden Erzeugerästhetik, wundersam in unseren Säugetierraum gestellt. Nur so erklärt sich, warum sie nichts gegen das Gegessen werden haben, warum sie erkennen, auf wen sie wie wirken oder wen sie wie benutzen: Insekten, Kolibris, Gärtner. Pflanzen produzieren Entfaltungsformen, deren Schönheit und ingenieursmäßige Intelligenz uns entzückt, aber ihr wahres Wesen, den Sitz ihres Wollens und Wirkens, sehen wir nicht.

 

Diese Argumentation folgt allgemeingültigen Regeln der Erkenntnistheorie. Nie kann ein Erzeugnis in der materiellen Welt sich zurückbesinnen auf den präexistenten Erzeugerkosmos. Zum Beispiel dieser Text, selbst wenn ich ihm durch Zauberei Intelligenz geben würde, er könnte nie dahinterkommen, wie die Welt aussieht, die ihn erschaffen hat. Im Erzeugerkosmos der Schriftspur sitzt ein Lebewesen, ein Nerven- und Muskelapparat, sitze ich, der in nichts dem zweidimensionalen Produkt, dem beschriebenen Blatt, ähnelt. Da wir keine Pflanzen machen können, ahnen wir nicht, wie eine Welt aussieht, in der Pflanzen als Erzeugnis entstehen. Wir sehen nur den leeren Raum. Was wir vermuten, ist immer vereinfachend falsch: Gott, Pflanzendevas, genetische Reißverschlüsse.

 

Also warum nicht beim Modell des Künstlers bleiben, der seine Papierberge von Skizzen entsorgen muss und so Kunst unter die Leute bringt. Die Pflanzen überlassen uns ihren Ausstoß zur Entsorgung. Pflanzen sind Künstler.

 

Seit langem ist mir bekannt, dass Pflanzen, wenn sie gegessen werden, Duftstoffe freisetzen um ihre Nachbarn zu warnen und um ungenießbar zu werden, aber wie im Spiel von Beutetier und Raubtier spielen wir das mit Pflanzen seit Anbeginn und manches haben wir einfach lieben gelernt.

 


Abstrakte Kunst.

Abstrakte Kunst

Abstrakte Kunst.

Tagebuchauszug vom 06.01.1999

 


 

Sagte mir jemand angesichts meiner Bilder: "Ich liebe das Abstrakte, ich male nämlich auch." Da fühle ich das tragische Ende dieses Kunstjahrhunderts. Es ist nämlich nicht so, dass "abstrakt" "konfus" meint oder nichts darstellend" im Sinn von "logisch unsinnig, abstrus". Abstrakt heisst "vom Gegenstand abstrahiert", allgemeingültig, für alle Geltungsbereiche gleichermaßen gültig, algebramäßig zwei Äpfel oder zwei Weltkriege, zwei ist zwei. Das Abstrakte hat einen königlichen Rang im Denken. Wie alles Königliche, hat das Abstrakte aber auch einen Touch von Macchiavelli. So setzt z.B. Abzählbarkeit den Glauben an Gleichheiten voraus, die mit einer Nummer belegt ausreichend erfasst werden könnten. Leider ist aber das Universum voller Einmaligkeiten. So wird es nicht schaden, wenn man über Sinn und Unsinn von Abstraktion nachdenkt. Vielleicht gilt es Schaden abzuwenden.
"Abstrakt" bezeichnet vor allem keine bestimmte Malereischule, auch wenn es solche Bestrebungen gibt; es wäre zu läppisch, den Sinn ausgerechnet dieses Wortes patentieren zu wollen. Merkwürdig, wie die elitäre Kunstwelt sich in diesem Jahrhundert auf Abstraktion verbissen hat, als wolle man einen Hauch von Noblesse durch die Distanz vom Gewöhnlichen erschlaumeiern. Peinlich, wenn das unreflektiert geschieht, weil schon drei Generationen Inzucht an Kunstschulen herrscht. Abstraktion ist nur noch eine Art Berufskrankheit in der Malerzunft.
Natürlich muss der Maler zu Anfang eines Malvorgangs eine Art Kräfte-, Felder- und Gewichte-Vorstufe durchlaufen, so dass das Einzufangende wie auch immer sinnvoll auf die Fläche kommt. Vieleicht braucht einer Hilfslinien, grobe Einteilungen, Raster, Farbgewichtungen, kurzum Vorarbeiten vor dem eigentlichen Malerprozess. Dem Meister ist solches allgegenwärtig und selbstverständlich und braucht nicht explizit ausgeführt zu werden.
Als unsere Urgroßväter und -mütter vor hundert Jahren ihre wilden Tage hatten, konnten sie sich vom Establishment der nicht mehr verehrten Lehrer befreien, indem sie die Feinheiten in etceteras versacken liessen, was sie schneller zum "Wesentlichen" brachte. Was man in der Kunst für Abstraktion hält, ist nicht mehr als das Sichtbarmachen der Malerei - Interna. Es gibt da keine Verwandtschaft mit der Abstraktion in den Wissenschaften, wo etwa ein N-dimensionaler Raum definiert wird, der nicht vorstellbar ist, von dem aber alle Ableitungen in vorstellbaren Räumen wieder gelten. Ein Haufen Inexplizitheiten macht noch keine Abstraktion, aber es macht "abstrakte Kunst". Würden die abstrakten Künstler - was für ein Nonsens-Wort - dem gloriosen Siegeszug des abstrakten Denkens in unserem Jahrhundert ein Denkmal setzen, oder gar einen diskutierenswerten Beitrag in jener Welt liefern, wäre der abstrakten Kunst nichts an Respekt zu verweigern. Wäre gar im Vollzuge des abstrakten Malens ein Erkenntnisprozess möglich, der die Schönheit der jenseits aller Gültigkeiten und Realisierungen liegenden abstrakten Denkweise eins zu eins mitteilte, zwingend wie das Aha in der Mathematik, und wäre das immer (empirisches Fakt) nicht darstellende, nicht gegenständliche Malerei, dann wäre da ein Platz für einen einigermaßen exakten Begriff "Abstrakte Malerei". Da ich aber den Salat aus schlampig verstandener Assoziationspsychologie, schlampiger Malweise und schwammiger Begriffsbildung nicht berauschend finde, kann ich mir erlauben, das Themenfeld noch mal etwas durchzupflügen.
Da wäre die erste Frage, wenn denn Malerei ein Medium ist, mit dem Menschen abstrakte Gedankengänge kommunizieren können, was ja keinesfalls undiskutiert angenommen werden kann, ist dann nicht alle Malerei abstrakt? Ist dann nicht alle christlich-abendländische Kunst abstrakt? Nie ging es um das banale Gegenständliche, was ja diesseitiges Teufelswerk gewesen wäre. Es ging immer um das Göttliche, das Leben Jesu als menschgewordenem Gott, die Mutter Gottes, (Die Ikone hat magische Kräfte.), die Liebe, die Natur , als sie dann das Wirken Gottes auf Erden bedeuten durfte. L'art pour l'art hätte uns nie aus dem alttestamentarischen Bilderverbot hinausgeführt. So kommt es, dass man auch heute noch dem echten Kunstwerk höhere Absichten und tieferen Einblick unterstellt. Mondrian hat kaputte Ikonen gemalt, durch die man leichter zu Gott channeln konnte; Kandinski magische Transportmittel, weil er glaubte, man könne mit Farben wie Gott selbst direkt in die Herzen der Menschen gelangen. Beide haben versagt als Kommunikatoren. Ihr absichtseitiger Weg zur Abstraktion wurde zur Bizarrerie und ihr Werk überlebte als bombastisches Missverständnis, weil man in der Nachkriegs-Meinungsmache Vorboten der Moderne brauchte.
Die Geschichte der Abstraktion im Bild geht viel weiter zurück als der Blick der Kunstgeschichte. Die Fähigkeit des Menschen, sich bildlich oder symbolisch oder sprachlich auszudrücken, Anderen Inhalte verständlich zu machen, Distantes, nicht im Jetzt und Hier Stattfindendes zu kommunizieren, das ist die wundersame Sonderbegabung der Tierart Mensch. Die Begabung zur Abstraktion. Stolz, wie der Pavian seinen Hintern, tragen wir die Fetische unserer Abstraktionsfähigkeit zur Schau. Spuren der Abstraktionsfähigkeit sind unsere Platzhirsch-Markierungen, sie verschaffen uns Vorteile im Rudel.
Punkt Punkt Strich - mit dem Stöckchen im Sand: ich, Leithammel, organisiere die Wanderung zu den zwei Bäumen am Rande der Wüste, wie jeder in der Situation sofort versteht. Zeit und Raum und unzählige weitere Faktoren verstecken sich unausgefaltet in den etceteras sowohl im Weltbildapparat der Zeugen des symbolischen Aktes, als auch im abstrakten Werk selbst. Kommt ein Nachzügler meiner Horde an meiner Zeichnung vorbei, so weiss er sofort, dass wir zu den zwei Bäumen unterwegs sind. Abstrakte Kunst wäre damit eigentlich erfunden, nur wer sagt mir, ob solch ein Artspezifikum den Tausch mit dem Pavianarsch wert ist.
Da es nun aber offensichtlich so geschehen ist, muss man vermuten, dass mehr im Spiel ist. Es ist die Rede vom Schlüssel zum Universum - geistig und technologisch. Ich werde dazu ein paar Gedanken präsentieren, aber zunächst möchte ich etwas vor die Klammer setzen: eine Warnung an den homo sapiens, er könnte den Titel "sapiens, wissend" etwas voreilig an sich gerissen haben. Fast alles was uns am Leben hält geschieht ohne, dass wir verstehensmässig und wahrheitsgemäß Ursachen und Zusammenhänge kennen. Wir schwimmen durch Hoffnungen zu den Sternen und machen uns mit hochmütigen Irrlehren nass.
Was und wie wir abstrahieren und theoretisieren, kann nur dann ein wertvolles Tun sein, wenn es in Analogie zu Vorgängen im Kosmos geschieht.

 


 

"OPUS MAGNUM", Bildanalyse

"OPUS MAGNUM" 12. 11. bis 7. 12. 2014 135 x 86 cm, Acryl auf Leinwand

"OPUS MAGNUM"
12. 11. bis 7. 12. 2014
135 x 86 cm, Acryl auf Leinwand

Das Bild, dem ich den Namen "OPUS MAGNUM" gebe, ist so voller Anspielungen, dass ich dazu ein paar Erläuterungen geben muss. Auf Anhieb erkennt man zwei Bereiche, das eigentliche Bild innen und den Rahmen, der unten im Irdischen mit dem Geistigen durch den Alchemistischen Prozess verwächst. Außen herum Makrokosmos, der göttliche Gedanke, Abbild der göttlichen Vollkommenheit, der Bereich der Fixsterne, das Paradies mit seinen Blümchen. Absteigend dann im inneren Bild, die 7 Planetenschalen, Sphären, darunter auch Sonne und Mond. Eins zu eins zugeordnet, die sieben Metalle und die sieben Wochentage und sieben eigenwillige Götter:
Saturn = Blei = Samstag (Saturday)
Jupiter = Zinn = Donnerstag
Mars = Eisen = Dienstag
Venus = Kupfer = Freitag
Merkur = Quecksilber = Mittwoch
Mond = Silber = Montag
Sonne = Gold = Sonntag
Die sieben Metalle sind aufgefasst als verschiedene Reifegrade der Einen Grundmaterie, daher in einander überführbar. Alchemie heißt Rotation der Sphären durch Rotation kann der göttliche Zustand wieder erreicht werden, kann aus Blei Gold werden. Zuunterst das Vergängliche, das Untermondische, Korrupteste, am weitesten von Gottes Vollkommenheit Entfernteste, das Chaos, der finstere Klumpen, Überbleibsel aus dem Fall Luzifers und Adams. Der Bildbetrachter steht auf der Erde, der Materie (von mater = Mutter), erkennbar in der Fraugestaltigen Landschaft.
Der Alchemist, indem er das Opus vollbringt, steht über Mutter Erde. Im Astralkörper des Alchemisten ist noch etwas vom göttlichen Funken übrig geblieben,
daher ist der Kontakt zum Göttlichen Gedanken überhaupt möglich. Soweit der scholastische Gedanke. Ich enthebe den geistig reifen Menschen der Erdenschwere, um anzudeuten, dass Gewicht nicht zu den Eigenschaften des Materiellen gehört, sondern eine Funktion der Beschleunigung, die es erduldet. Stichwort Expansionstheorie. Im Alchemistischen Prozess wird der gottgewollte Zustand wieder hergestellt, die gefallene Schöpfung wird in ihren paradiesischen Zustand zurückgeführt.
Rotation: solvieren koagulieren, Lösung Bindung, Destillation Kondensation. Dazu immer wieder die Gleichsetzungen: vier Jahreszeiten entsprechen vier Charaktertypen: Melancholiker = Pappeln und Wäldchen im Herbst, Sanguiniker etc. Ebenso die vier Elemente, Erde Feuer Wasser Luft und die vier Arten der Schriftauslegung (Hermeneutik): natürlich, übernatürlich, göttlich und menschlich. Um die vielen Querbezüge in einem Bild unterzubringen, bedient man sich in diesem Genre eines erzählenden Rahmens. Da sind unter anderem die Symbole und die Rotation von Feuer, Luft, Wasser und Erde sichtbar. Zum Rahmen gehören auch die weiße und die schwarze Säule, die Rose und die Lilie, alle Zeichen des irdischen Paradieses, des eigentlich gottgewollten Zustandes der Welt. Hinweise auf Spagyrik sind die Heilpflanzen, sie, Calendula und Alchemilla, durchbrechen den Rahmen in Richtung auf das praktisch vollzogene Opus. Wie eine Nabelschnur verbindet das brennbare Gas die Erde mit dem Feuer, das Werk mit dem Brunnmatthof, der materiellen Basisstation.

Im zentralen Geschehen ist das Erreichthaben vierfach angezeigt:

1. Der Pelikan, der seine Jungen, die unedlen  Metalle, mit seinem Blut nährt, ist ein Symbol für die letzte Sublimierung des Lapis, wenn etwas Rotes auf dem Stein der Weisen dem Adepten anzeigt, dass er kurz vor dem Wunder angekommen ist.
2. Der Uroboros, der Drache, der seinen Schwanz frisst wartet zu Walters Füßen bis die Elemente geeint sind. Er ist ein Symbol für denselben Zustand.
3. Die Vereinigung von Mann und Frau, der negroiden Königin mit dem weißen König, ist die Conjunctio. Nur dem Adepten mit reinem Herzen, ohne Gier oder Bedürftigkeit, ist dieser Zustand vorbehalten. Sie erzeugt das philosophische Gold in der Sonne. Und
4. Die Planetenschalen sind in die richtige Reihenfolge gebracht.
Nikolaus Kopernikus,! "De revolutionibus orbium coelestium, 1543), hat die Sonne ins Zentrum der Sphären rotiert: "...so sitzt die Sonne auf ihrem königlichen Thron und lenkt ihre Kinder, die sie umkreisen." Kopernikus hat die Sonne (sol solutuion) aus der Bahn der Planeten gerückt; das war noch alchemistisches Herumschieben, die 'kopernikanische Wende' brauchte noch mal 100 Jahre, als dann Galilei die Phasen der Venus entdeckte und Kepler die realen Planetenbahnen berechnen konnte.

Ich habe traditionell die Sphärenschalen kugelförmig dargestellt. Sie sind jetzt wie Wasserringe, die Gravitationsschalen, auf denen die Planeten surfen. Die Darstellung verträgt sich mit meiner Auffassung von den frei durch das All rasenden Himmelskörpern, die außerdem sich rasant ausdehnen. Sie scheinen auf Kreisbahnen eingefangen, ein täuschender Effekt, wenn die relativen Geschwindigkeiten so zusammenwirken, dass Bugwelle auf Bugwelle trifft wie virtuose Wellenreiter in der Strömung. Auch das Tischtennisbällchen, was auf einem Luftstrom tanzt, ist ein Bild, das deutlich machen kann, wie fragil die Beständigkeit hierbei ist. So tanzt der Erlenmeyerkolben auf der Flamme und braucht kein Gerüst weil alles im fließenden Gleichgewicht ist. Der Keplerstern darf auch auf diesem Bild nicht fehlen. Ich verdanke Walter die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich zitiere mich dazu selbst aus dem Abendmahltext:
Um an die Botschaft meines Bildes zu kommen, muss man wissen, was es mit dem Keplerstern auf sich hat und wofür er hier steht. Johannes Kepler lebte 50 Jahre vor Newton. Er hat zahlreiche Verdienste, wenn es um unser modernes Denken geht. Er hat nicht nur die Planetenbahnen richtig berechnet, er hat auch als erster den fünfzackigen Stern, den man in einem Zug zeichnen kann, vervollständigt, indem er durch Verbinden der Schnittpunkte einen zweiten Satz Zacken erzeugte. Dabei geschah Merkwürdiges. Es zeigte sich eine zweidimensionale Darstellung eines dreidimensionalen Körpers. Aus dem 5Stern war nicht nur ein 10zackiger entstanden, sondern es waren jetzt sechs 5zackige Sterne, fünf in perspektivischer Verzerrung, zu sehen. Kepler war der Meinung, dass dieses Wunder der Geometrie etwas zu tun haben müsste mit den Wundern, die er im Kosmos zu entschlüsseln suchte. Für mich steht der Keplerstern als Symbol wahrhaftiger Kreativität. Ein genialer Mathematiker und Astronom zeichnet ein paar Striche wie ein Kind im Vorschulalter und eine neue, nicht geplante Gestalt springt ihm ins Auge. Dieses geometrische Monster, der Keplerstern, ist ein Geschenk des schöpferischen Universums, das dem absichtvollen Tun des Menschen weit vorauseilt. Darum benutze ich es gerne, wenn ich von den Früchten der Erkenntnis berichte. Wie man so sagt, ist ein kleiner Schritt für den Einen ein großer für die Menschheit. Zu guter Letzt wachsen ganz unten, wo man den Halsschmuck von Mutter Erde vermutet, die Kristalle als Geschenk der Alchemie an die materielle Welt.


Kunst war mir immer suspekt Ein Interview mit dem visionären Künstler Fred Weidmann (Hanfblatt 2006)

 

 

Kunst war mir immer suspekt

 

Ein Interview mit dem visionären Künstler Fred Weidmann (Hanfblatt 2006)

 

Der Künstler Fred Weidmann ist an psychedelischer Kunst Interessierten ein Begriff durch seine faszinierenden Porträts psychoaktiver Pilze und inspirierende Hanfdarstellungen, wie sie z.B. der NachtschattenVerlag publiziert hat. Jüngst konnte man fantastische Bilder von ihm im Original und mitsamt anwesendem Schöpfer auf dem mittlerweile schon legendären "Spirit of Basel"-Symposium anlässlich des 100sten Geburtstages von LSD-Entdecker Albert Hofmann bewundern. Fred Weidmann hat aber noch weitaus mehr geschaffen und zu vermitteln. Grund genug, ihm Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Hanfblatt: Du bezeichnest Deine Kunst als visionär. Das lässt sich aus dem Bauch heraus nachvollziehen, aber was verstehst Du selbst unter visionärer Kunst?

 

Fred Weidmann: Man findet Meinesgleichen am ehesten unter dieser Rubrik: Visionäre Kunst. Vielleicht ist das gut so. Mir wäre "Bewusstseinskunst" lieber. Über die Jahre habe ich erlebt, dass alle vernünftigen Namen (auch "Visionary Art") von gierigen Grüppchen für sich belegt worden sind. Wenn ich also antworten soll, was ich unter visionärer Kunst verstehe, dann müssen wir erst über "die Kunst an Visionen zu gelangen" reden. Ich glaube grundlegend für visionäre Kunst ist: Man berichtet von Visionen. Der Künstler legt oder setzt sich hin und wartet auf Visionen, die er sich merkt, falls sie kommen. Er skizziert oder malt sie, weil es ihn treibt, davon zu berichten. Und er kann das, weil er eine Vision, ein inneres Gesicht, hatte oder gerade hat. Manche berichten live vom Land des inneren Lichts. Eigentlich sind nur das die echten visionären Künstler. Der echte Visionär schwebt an der Grenze zu anderen Bewusstseinszuständen, Träumen oder Halluzinationen. Dabei versucht er sein Beobachter-Bewusstsein wach zu halten, um noch Skizzen oder Notizen machen zu können. Der Visionär ist nicht einfach besoffen oder weggetreten. Er erfindet auch nicht voller Raffinesse die Zukunft, sondern er ist besonders wach im Jetzt und Hier. Bei den weniger Echten, scheinen die Visionen sich nicht einstellen zu wollen, so dass sie auf dem Weg dorthin alles Mögliche erdenken und erkünsteln. Auch das können nette Menschen sein, aber sie entlehnen gerne Dinge, benutzen abgegriffene Symbole und hängen in Trends, weil nichts Eigenes, Jetziges von Innen an ihren Schädel pocht. Ich weiss, ich verwende das Wort visionär sehr eng, weil ich mich über den inflationären Missbrauch des Wortes in Wirtschaft und Politik ärgere. Man muss ja nicht diesen mühsamen Weg der Bewusstseinsarbeit gehen. Man kann ja auch andere Motivationen für sein bildendes Tun finden.

 

 

Hanfblatt: Wie würdest Du diese Richtung gegenüber psychedelischer und fantastischer Kunst abgrenzen?

 

FW: Ich finde, alle Kunst, die diesen Namen zu Recht trägt, sollte psychedelische Kunst  sein. Sie sollte die Seele ansprechen oder von besonderen seelischen Zuständen berichten. Der Begriff ist aber heimtückisch. Wenn einer von deiner Kunst sagt, sie sei psychedelisch, dann meint er, dass du Drogen nimmst. Der Name bezieht sich mehr auf den Weg der Ideenfindung hinter den psychedelischen Werken. Man unterstellt dir, du seist mit deinem Werk gedoped ins Ziel gegangen. Das ist wieder die Sache mit der Zuschreibung: Gibt es nüchterne Kunst? Ich glaube nicht, weil Kunst und Nüchternheit sich ausschließen. Die Anderen, die uns Bewusstseinsarbeiter anfeinden, sind meist dem Alk zugeneigt. Ein echtes psychedelisches Werk aber ist visionär, fantastisch, ehrlich, spontan, erleuchtet, ungekünstelt und einmalig, nicht wiederholbar. Ich selber bin nicht immer psychedelisch, also nicht visionär, erleuchtet, und nicht auf Drogen. Meistens arbeite ich wie ein Illustrator, setze Ideen illustrierend um. Dann wieder bin ich einfach der brave Protokollant eines Augenblicks in der realen Aussenwelt und versuche diese mit Respekt wiederzugeben. Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer ein Tagebuch zum Aquarellieren dabei. Manche Experten meinen, Hanf - in Maßen verabreicht - sei dieser Art der Hinwendung zuträglich. Sorgfalt bei der Beobachtung hilft auf jeden Fall. Fantastische Kunst muss nicht visionär im engen Sinne sein.

 

 

Hanfblatt: Wer sind Deine wichtigsten künstlerischen Vorbilder und warum?

 

FW: Ich fühle mich der deutschen Romantik (Philipp Otto Runge) und einigen Ansätzen im 20sten Jahrhundert verpflichtet. M.C. Escher könnte in 100 Jahren noch relevant sein, vielleicht der einzige Nüchterne der Kunstgeschichte. Escher hat praktisch für alle regelmäßigen Flächenfüllungen Sinn-gebende Lösungen gefunden. Das klingt nicht weiter berauschend, ist aber für den, der im Tun etwas wie er finden will, ein Weg zur Erleuchtung. Beim Ornamentieren beschäftigt sich das Gehirn erst mal nur mit Kanten von Vielecken, mit geraden, krummen und gebrochenen Linien, spiegeln, drehen, verschieben.

Dabei geschieht das Figuren finden fast automatisch, weil die Gesetze der Pflasterung selbsttätig wirken. Dein Gehirn ist beurlaubt.

Ohne die Surrealisten wäre meine Arbeit nicht denkbar. Aber es ist eher die Reibung mit den Bekenntnissen hinter dieser Kunstrichtung, die mich zu Surrealismus-Anspielungen angetrieben hat. Noch immer geistert der ungelesene Freud durch jene Reihen. Noch immer bilden Surrealisten exklusive Gralshütervereinchen.
Vorbilder darf man in der Jugend haben. Später hat man genug zu tun, um bis an seine individuellen Grenzen zu gelangen. Da ist man zwangsläufig einsam. Besser als andere Künstler im Auge zu haben, ist es, ab und zu ein Buch zu lesen. Ich darf das vielleicht an einem Beispiel illustrieren: Seit alters her gibt es die Weisheit, dass die Welt im Großen sei wie im Kleinen. 1980 kam Mandelbrots erste Publikation über den fraktalen Aufbau der Welt. Es war die Geburt einer neuen Mathematik, und sie erzeugte ganz wie die Ornamentik automatisch die wunderbarsten Pflasterungen, Seepferdchenalleen etc.. Manch ein Künstler riss die Gelegenheit an sich und gebrauchte die neue Ästhetik. Solche Leute können nicht Vorbild sein. Vorbild ist der Gedanke, dass in der Natur Fraktales geschieht, dass ein Apfel näher an der Dreidimensionalität liege, als die Blattrosette eines Löwenzahns. Auch ist die Anwendung Fraktale schreibender Programme noch keine Kunst, das Programm schreiben dagegen schon eher.

Natürlich gibt es Einflüsse von bildenden Künstlern, aber die kommen von vielen Seiten. So verdanke ich einem zu früh verstorbenen Wiener Maler, Richard Matuschek, die Geheimnisse der Abklatschtechnik. Auch kann ich mich begeistern, wenn Renaissance Künstler mit Weiß auf getöntem Grund gezeichnet haben. Die haben auf dem Papier nach dem Licht getastet. Das ist ganz etwas Anderes als eine Bleistift- oder Tusche-Zeichnung, die die Schatten einzufangen versucht. Oder, wenn Tiepolo Schatten mit der Komplementärfarbe zum Licht malt, und nicht einfach mit Dunkel, dann lass ich mir das nicht entgehen. Aber mir ist wohler, wenn die Erleuchtung aus meiner Situation gedeiht, nicht aus Vorbildern.

 

 

Hanfblatt: Unter Pilzfreunden hast Du Dir zweifellos durch deine faszinierenden Porträts einer Serie verschiedener "Magic Mushrooms" (im Jahr 2000 als Kalender, sowie als Postkarten im Nachtschatten-Verlag erschienen) einen Namen gemacht. Zwölf Pilzarten haben ihre individuelle einzigartige Darstellung erhalten. Woher hast Du die Inspiration zu diesen Werken bezogen und wie bist Du technisch an die Sache herangegangen?

 

FW: Ich erzähl Dir jetzt aus dem Herzen von Bayern die Wahrheit, die volle Wahrheit: ...but I didn't inhale! Es gibt Mykologen in Universitätskreisen, die von Berufswegen die Genießbarkeit und die chemische Beschaffenheit von Pilzen erkunden müssen. In diesem Fall hatte ich wunderbare Unterstützung von den kompetenten Fachleuten Dr. Jochen Gartz und Dr. Christian Rätsch. Ich habe deren differenziertes Wissen und ihr Fotomaterial eingebaut. Man hört, dass die Gewichtung der Wirkstoffe bei den verschiedenen Arten von Schleimlingen unterschiedlich sei, das aber sei nicht so wichtig wie der Standort und der Stand deiner Herzensdinge. Jedenfalls als wir den Kalender planten, gab es bereits ein paar Bilder, die so sehr zum Thema passten, dass wir nur noch ein Pilzfoto hineinpappen mussten, um die Wissenschaftlichkeit zu signalisieren. Um zwölf verschiedene Pilze zu behandeln, mussten auch Exoten herhalten, die kein Mensch kennt - ich auch nicht. Da weiss ich gar nicht mehr, wie der göttliche Funke zu mir übersprang. So ist die Mayastele (Psilocybe cubensis) aus dem Bedürfnis entstanden, die grausige, blutige historische Wahrheit der Mayakultur zu verfälschen. Wenn das Werk von einem Anderen wäre, würde ich sagen, der hatte was geraucht.

 

 

Hanfblatt: Welche Bedeutung haben Psychedelika für Deine künstlerische Entwicklung gehabt?

 

FW: Im Jahre 1968 bin ich gerade 30 geworden - das richtige Alter, um einem strebsamen Bildungsbürger den mehrdimensionalen Spiegel in die Hand zu geben. Ich arbeitete damals als Soziologe in einem Projekt der Harvard- Universität, wo Timothy Leary und die Anderen, die man kennt, so vehement Interesse für Selbsterfahrung weckten. Hanf konnte damals noch Visionen auslösen. LSD kam über Umwege von Sandoz. In meinen Kreisen war das Erkenntnisinteresse sehr groß, gaben wir doch vor, etwas von Kommunikation zu verstehen. In den 70ern gab es Menschen, die glaubten an der Realität der realen Welt zweifeln zu müssen. Man durfte an Allem zweifeln, am Ende blieben da nur die eigenen Visionen, für die man das uneingeschränkte Copyright hatte. Kunst war mir immer suspekt, Berichterstattung aus meinem wie auch immer unfertigen Kosmos war jedoch sehr mein Ding. Wie ich dann vom Verkaufen der inneren Wahrheiten zu leben lernen musste, wurde mir klar, dass das in Galerien und mit Einrahmungen zu geschehen hatte. Also ward ich Künstler. Eigentlich bin ich noch immer kein Künstler, sondern noch immer ein Forschender. Das Attribut Künstler kriegt man zugeschrieben. Wenn's denn stimmt, ist das hoffentlich eine Ehre.

 

 

Hanfblatt: Deine Kunst wirkt in der Art der Darstellung, wie in ihren Motiven oft ziemlich erotisch. Man könnte im Künstler geradezu einen Erotomanen wittern. Sind Erotik und Kunst gar letztlich nicht voneinander zu trennen?

 

FW: In meinem Rechner ist immer eine Rubrik "Erotomanes". Da tu ich die Arbeiten hin, von denen ich denke, dass sie nicht in Dubai ausgestellt werden können. Ein Leben voller Erotik ist ein schönes Leben - ich steh auf Schmusesex und monogames Vertrauen. Man kann da Erlebnistiefe erreichen, von der man gerne singen würde. Da man aber nicht mit Pinseln und giftigen Farben hantieren und gleichzeitig Sex betreiben kann, kommt immer auch ein Hauch von Sehnsucht nach Erotik ins Werk. Du hast schon Recht mit deiner Frage; Malerei hat etwas von Erotik. Als früh pubertierender Junge malte ich heimlich geile Szenen - anstatt. Und noch immer befällt mich jenes prickelnde Glück wenn ich Themen der Liebe anfasse. Ölfarbe hatte den Vorteil, dass sie sofort verwischt werden konnte, wenn Mutter ins Zimmer kam. Profan aber wahr.

 

 

Hanfblatt: Du hast Anfang der Siebziger Jahre den Doktor der Soziologie gemacht und Dich als Kommunikationswissenschaftler mit Missverständnisforschung beschäftigt. Hast Du eine Idee, wie man es als Künstler vermeiden kann, dass man missverstanden wird?

 

FW: Ja, das ist ganz einfach: Man erwartet nicht, dass man verstanden wird. Hundert Prozent Missverständnis garantiert. In der Tat war das einer der schwierigsten Schritte auf dem Weg der Befreiung. Man hofft immer verstanden zu werden. Jeder von uns versteht ja irgendwie die innere Konsequenz seines Wortens und Tuns und denkt, man könne Solches auch von der Aussenwelt erwarten. So funktioniert das aber nicht. Alltagskommunikation geht ganz anders: Man redet so lange aneinander vorbei, bis genügend Worte aus dem gemeinsamen Wortschatz gefallen sind. Dann kann man aufhören, weil man annimmt, das Gegenüber würde diese ebenso entziffern wie man selbst. Schließlich leitet man daraus ab, es habe Verständigung stattgefunden. Ich schwimme in diesem Ozean von Missverständnissen, Desinformation und Trugschlüssen so einigermassen wohlig. Das geht natürlich nur, wenn man an etwas Wesentlicheres glaubt. Wir kommunizierenden Menschen messen nämlich das nicht Perfekte am Idealen. Wir haben einen Hintergrund, wo wir uns keine Fehler erlauben können, wo wir alle eins sind und totales Verständnis Voraussetzung ist. Vor diesem unfehlbaren Lebensstrom können wir uns den Luxus vordergründiger Missverständnisse leisten. Das ist die Art von Pfauenschwanz oder Hirschgeweih, die uns die Evolution auferlegt hat. Meine Bewusstseinsmalerei will gar nicht zu etablierten Inhalten führen, sie zeigt einen Schritt ins Lockerlassen. Meine Suggestionen sollen nur gespürt werden, ohne dass da jemandem ein Verständnis diktiert wird.

 

 

Hanfblatt: Eines Deiner Werke hast Du "Evolution ohne Ziel" genannt. Ein tolles Bild und ein interessanter Gedanke. Lauert da etwa eine Philosophie absoluter Freiheit um die Ecke?

 

FW: Das ist schon so. Das Konzert der Evolution ist chaotisch, lässt also keine Voraussage zu. Leider sind wir nicht absolut frei. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

Hanfblatt: Gibt es etwas, was Du in Zukunft noch unbedingt gerne ausdrücken oder womit Du dich gerne noch beschäftigen würdest?

 

FW: Ja. Jetzt mit 68 Jahren ist es mein sehnlichster Wunsch, wie Albert Hofmann, 100 Jahre zu leben. So lange hätte ich gerne, um ein Spätwerk zu schaffen, weise zu werden. Da sind so viele ungemalte Bilder, so viele Herzensdinge, die ich noch nicht ausgedrückt habe. Aber als Erstes ist ein Werkkatalog in Sicht, der zu meinem 70sten Geburtstag erscheinen soll. Bis es soweit ist, wird meine Homepage die lieben Interessierten auf dem Laufenden halten. Und sollte jemand die eierlegende Wollmilchsau, die der Gravitation trotzt, erfinden, dann wird das meine Pläne ändern.

 

 

az

 

 

Homepage: www.fredweidmann.com

 

 

Publikationen:

 

-Frühe wissenschaftlichen Arbeiten, wie "Grundlagen einer Kommunikationssoziologie" und Verwandtes (bis 1972, mit späteren Auflagen), gelegentlich antiquarisch erhältlich.

-Ein Bildband "Fred Weidmann" (1984, Bonn, Troja Verlag), einige Exemplare noch beim Autor.

-In "Die berauschte Schweiz" (1998, Nachtschattenverlag CH-Solothurn)

-Kalender "Magic Mushrooms 2000" (Nachtschattenverlag), für Sammler haben Verlag und Autor noch einige Exemplare.

 Bild-CD Vorläufiger Katalog, 2000 Jepgs Fred Weidmann

-Kalender "Magic Mushrooms 2013" (Nachtschattenverlag), für Sammler haben Verlag und Autor noch einige Exemplare.

 Erotic Poker Cards - Print on Demand











 

 

 

 

“Das Romantische Prinzip”  Transcript Vortrag Basel, 14. Januar 2006

“Das Romantische Prinzip”

Hier fehlen noch die Bilder !!

 

Zeitspirale (Ursprung) 1976,

122 x 280 cm

Meine Damen und Herren,

ich bin ein Maler wie sie sehen, werde ich ihnen vor allem ein paar Bilder zeigen und

hoffe, dass ich die Welt etwas verschönere, darum sind wir ja da.

ich habe angekündigt, dass ich über das Romantische Prinzip sprechen werde. Das

ist mir nicht so recht geglückt in der Vorbereitung also versuche ich frei darüber zu

erzählen. Für mich ist das romantische Prinzip das Gegenteil vom Zusammenbruch-

und-Wiederaufbau-Prinzip eines Karl Marx zum Beispiel. Das Romantische Prinzip

sucht durch Vorwegnahme des Schönen die Zukunft aufzubauen und in diese zu

führen. - oder in die geistigen Welten. Ich habe diese Präsentation so

zusammengestellt, dass wir auch ein bisschen eine Zeitreise durch meine

Entwicklung machen können.

Hier sehen Sie ein Bild, das heisst Zeitspirale. In diese Zeitspirale geht etwas “Albert

Hofmann” ein. Da ist die Gesamtbewegung: Wir, die wir schauen auf das Bild sind

eigentlich über dem Geschehen, oder ausserhalb, aber doch auch dazwischen in

dieser Zwischenwelt, die nicht gestaltet ist wo wir noch hineindringen können. Die

linke Seite unten habe ich später übermalt, weil die war mir zu mechanoid, zu

mechanistisch. War aber Teil einer Vision und ich wollte sie mal festgehalten haben;

- dass die Spirale auch ein Zahnradwerk sein könnte. Das ist alles noch 10 Jahre vor

der Erfindung der Fraktale. Das waren Visionen in die

fraktale theoretische Welt. Hier

gehen wir nach rechts und sehen die Arbeitsweise. Das alles war noch in Ölfarbe mit

sehr schnellen Handgriffen. Eigentlich habe ich nur in Weiss gemalt. Ich habe die

Zufälle kreiert und dann in Weiss ausgehoben. Wenn ich jetzt noch mehr ins Detail

gehe, sehen sie die Arbeitsweise besser.

Zeitspirale, Details

Basis dieses Romantischen Prinzips ist die Überzeugung, dass unser Leben unser

Weltbildapparat in der Lage ist, die äussere Welt zu erkennen und richtig zu

erkennen. Das bedeutet aber, dass wir annehmen, dass eine verlässliche Beziehung

zwischen dem Inneren und dem Äusseren bestehe; dass das, was ich im inneren

Licht sehe einigermassen tauglich ist für ein Bewegen in der äusseren Welt. Sobald

wir nun LSD-Erfahrungen gemacht haben, wissen wir aber, dass diese 1 zu 1

Beziehung angezweifelt werden muss, dass wir relativ frei sind im Umgang mit

innerer Welt, wenn wir es uns denn erlauben. Dieser Zweifel an der Tauglichkeit der

Wahrnehmung kreiert eine Welt in der alles geschehen kann, in der der Akteur noch

gar nicht eingetroffen ist. Wie hier

Evolution ohne Ziel

1979

das nannte ich "Evolution ohne Ziel" und ist von 1979

Genesis 1980-82. 230x900

Dieses Bild, "Genesis" ist hier nicht so leicht zu erkennen, ich werde morgen, wenn

diese Besprechung ist, wo Sie Fragen stellen können über Handwerk und alles was

Sie fragen wollen. werde ich Sie vor dieses Bild führen und alles erzählen, wie es

entstanden ist. Heute weise ich darauf hin, sonst wäre die Zeit für diesen Vortrag

nicht ausreichend.

Detail

Die Überzeugung des Malenden, dass man alles ist und frei eine Welt darstellen

könne, ausgehend von einem weissen Raum, ist sehr mit

Ich-losigkeit, mit

ozeanischem Gefühl verbunden. Es ist jetzt, wenn ich davon rede, vielmehr von Ich-

ich-ich die Rede, aber das ist nicht der eigentlich schöpferische Vorgang. Der

Vorgang ist, man versucht festzuhalten, was grad los ist. Das ist nicht leicht und es

kommt meistens anders als man es gehofft hatte.

Uraltbild 1969

So ist es in meinem Leben seit 40 Jahren. Dieses Bild ist vor 40 Jahren entstanden.

Es ist das erste Bild gewesen, nachdem ich 10 Jahre nicht gemalt und eigentlich

gemeint hatte, ich sei Soziologe und da gehöre ich hin und würde Forschung

betreiben müssen. Meine empirische und die theoretische Arbeit führten mich zur

Kunst des Missverstehens.

Aneinander vorbeireden ist auch wirklich das grosse Problem bei Kommunikation; wir

glauben zu verstehen, aber Verstehen findet statt, längst bevor wir reden oder bevor

wir in die wortende Welt eintauchen. Wie man sich sympatisch ist, noch ehe man ein

erstes Wort gesagt hat, so ist man meistens wohl schon im Bilde über die Situation in

der man sich befindet. Man hat eine Situationstheorie intern, aus der heraus man

handelt, noch bevor man sich klar sein kann, was man überhaupt da tut. Ich habe

alle diese Bilder ohne literarische Ambition gemalt. - Ich weise dann darauf hin, wenn

das anders ist.

Herkuleshimmel 1976

Man muss frei sein, um sein Leben darstellen zu können. Dies war eine Zeit, in der

ich Herkuleskräuter im Garten züchtete. Ich habe viel später erst erfahren, dass es

eine ganze Liga von Antiherkuleskraut-Menschen gibt, die meinen sie müssten

dagegen sein, dass es dieses Kraut bei uns gibt. Es ist aber, weil es so schön

wächst, ein grossartiger Lehrmeister für das Pflanzliche.

Herakleum wird etwa 3-5

Meter hoch in einem Sommer. Man fühlt sich wie eine Ameise unter einer Petersilie

und man versteht mit der Zeit, wie das überhaupt funktionieren kann, wie solche

Blätter die Luft schneiden, damit sie sich einen Wolkenknäuel schaffen, ein

Luftpolster, auf dem sie ruhen, um überhaupt in der Luft stehen zu können.

In den 70er Jahren male ich

Urformen

, weil ich denke, dass jeder, der sehen kann,

Zugang zu meinen Bildinhalten haben sollte. Egal aus welcher Kultur er/sie kommt,

er sollte

keinen Übersetzer

nötig haben. Meine Themen:

Strudel und Wellen, das

Flüssige,

Verästelungen, Natur und Sexualität.

Beiderseits der Wahrheit: 1975. 230x122cm

Es gibt in der materiellen Welt Grundbewegungen, die immer gelten. Hier versuche

ich die Gesetze darzustellen, die ein Baum befolgt. Er macht mit seinen Ästen die

Kanten eines Kristalls, den er so umfasst, Ich versuche die Leerräume zu sehen,

damit ich das Räumliche beim Malen nicht vergesse. Hier also ein paar Details: Als

nächstes werden wir hineinzoomen in eine Stelle hier. Das ist ein winziges Detail,

vielleicht weniger als ein Quadratcentimeter. Es ist Ölfarbe auf einem

nichtsaugenden Malgrund, Farbe aufgeschmiert und mit einer Zeitung abgeklatscht,

Zufälle erzeugen und darin ein bisschen mit sauberem Pinsel Lichter ausheben, so

dass wir ein Volumen haben.

 

 


Abendmahl, Bildanalyse

Dr. Fred Weidmann VISION UND WAHRHEIT (ABENDMAHL) BILDANALYSE 27. 8. 2014 Acryl auf Leinwand

Das Abendmahl Leonardo da Vinci, 1494–1498

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Fred Weidmann
VISION UND WAHRHEIT (ABENDMAHL)
BILDANALYSE 27. 8. 2014
Acryl auf Leinwand, 75 x 170 cm, 17. - 27. 8. 2014
Wikipedia: Das Abendmahl (italienisch: Il Cenacolo bzw. L'Ultima Cena) des italienischen Malers Leonardo da Vinci ist eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt.
Das in der Seccotechnik ausgeführte Werk wurde in den Jahren 1494 bis 1498 im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza geschaffen. Es schmückt die Nordwand des Refektoriums (Speisesaal) des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand - 422 cm × 904 cm.
17. 8. 2014, „Jetzt habe ich tatsächlich mein Abendmahl angefangen. Vier Dreiergruppen, eine Zentralfigur.“ Für diese Analyse setze ich die frei verwendbaren Textstücke aus fokus.de (kleine, graue Schrift) Da sind die Themen Da Vincis ausreichend beschrieben. Dagegen inszeniere ich meine Positionen. Jede Menge Bekenntnisse!
Die wichtigsten Inhalte bei Da Vinci:
Abteilungen der Philosophie: Logik, Ethik und Naturlehre, drei Urteilsformen der Logik: Ja, Nein und unbestimmt. Diese kann der Betrachter auch in jeder Dreiergruppe wiederfinden. Die vier Kardinaltugenden der Ethik: Weisheit, Tapferkeit, Mäßigkeit und Gerechtigkeit und die vier
Gründe alles Seienden: Materialursache, Formursache, Zweckursache und Zielursache.
Da Vinci hat sein Abendmahl wie eine Bach-Fuge komponiert. Er hat alles Wissen seiner Zeit und die Systematik des Denkens, Gewissens, der Logik, der Humanwissenschaft und der Bibelkenntnis in die Anordnung von fünf Dreiecken gebracht. Das habe ich beibehalten, eigentlich den Rhythmus noch verdeutlicht. Die Jünger sind von neuen Darstellern besetzt. Ich mache bei Jüngern keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Alle Prediger währen brotlos ohne ihre weiblichen Fans.
Jesus sitzt im Zentrum. Seine Arme sind geöffnet, die Hände berühren den Tisch. Sein Kopf und seine Hände bilden ein Dreieck – das Zeichen für Göttlichkeit.
Jesus körperbewusst-männlich, anziehend, nicht asketisch, in der Mitte - entspannter offener Lotussitz. Die Göttlichkeit kann nicht mein Thema sein, das Dreieck ist das undeutlichste von allen, es wird durch den erhobenen Zeigefinger durchbrochen.
Jede Gruppe steht für eine menschliche Wesensart nach der Temperamentenlehre des Hippokrates: Phlegmatiker (die Bequemen), Melancholiker (die Nachdenklichen), Choleriker (die leicht Reizbaren) und Sanguiniker (die Aktiven).
Das gilt in den Humanwissenschaften nicht mehr als sinnvolle Kategorisierung, stattdessen habe ich die Dreiecke der Kommunikationssoziologie dargestellt. „Wer sagt was zu wem“, mein Verfahren und meine Erfahrung aus der Missverständnisforschung.
Die Jünger Thomas, Jakobus und Philippus sitzen zur Linken Jesu. Sie reagieren cholerisch (leicht reizbar).
Rechts unmittelbar drei aufmerksam zuhörende Kinder, es sind die begeistert Verstehenden. Zuhören, Verstehen macht schön. Die Kraft der Pyramide ist mit ihnen, ihnen wird Großes gelingen.
Die Sanguiniker (die Aktiven), hat Leonardo ganz rechts auf dem Bild angeordnet. Matthäus (links) und Thaddäus (Mitte) wenden sich Simon zu.
Ganz rechts unter dem Schutz des Todes, der das Wesen eines religiösen Führers hat, die Medienkonsumenten, die, denen die Inhalte vorgekaut werden. Es sind die Mitläufer, die von ihrem Programm auf Kopfhörern so gefesselt sind, dass sie verpassen, was draußen abgeht. Sie schweben mit als Jünger des verkündeten Paradigmenwechsels, sind aber nur indirekt informiert, wenn das gerade angesagt ist. Dadurch sind sie leicht Opfer von Krankheit, Irrlehren oder der Kirche. Sie machen einen Großteil der Gesellschaft aus. Für Sanguiniker
war hier kein Platz.
Da Vinci zeigt Johannes, den jüngsten Apostel. Viele meinen, Da Vinci habe in Wahrheit Maria Magdalena zur Rechten Jesu verewigt. Diese Vermutung untermauern einige Experten damit, dass der Leerraum zwischen Johannes und Jesus ein umgekehrtes Dreieck bildet – das Zeichen für den weiblichen Schoß oder die Weiblichkeit.
Das ist mir zu indirekt als Zeichen. Der Platz zu seiner Rechten gehört seiner Frau. Man sieht sie links, in engem Kontakt mit dem Erleuchteten, mit einer Hand nah ihrem Venushügel, seine wunderbare Frau. Eine intensive, monogame Liebe. Er hat sein Knie unter ihrem Schenkel, während ihre linke Hand auf seinem Oberschenkel ruht. Sie steht für Johannes. In der Renaissance hat man gerne Knaben mit Frauen verwechselt. Mein Erleuchteter soll seine Frau lieben, Maria-Magdalena. Ich habe viel Verständnis für Völker, denen ein Verkünder der Wahrheit nichts wert ist, wenn er mit 30 noch keine Frau und keine Kinder hat. So war es bei den alten Juden. Johannes raus, Magdalena rein. Sie ist seine absolute Unterstützung, die Frau hinter ihrem Manne, was er sagt ist bedingungslos wahr, so sehr, dass sie schon gar nicht mehr genau hinhört, wahrscheinlich Pläne macht für eine Luxusreise zum Matterhorn. Sie muss sich auch gut stellen mit dem mickrigen Judas, der das Sparschwein unter sich hat.
Judas, der Verräter (links), ist an dem Säckchen zu erkennen, das er mit seiner rechten Hand fest umschließt. Es ist das Säckchen voll Geld, das ihm die Hohepriester für den Verrat an Jesus gezahlt habe.
Judas, sehr wichtiger Jünger, würde wahrscheinlich für jeden Verein arbeiten, er weiß Bescheid über alles was den Meister betrifft, er hört nicht wirklich zu, er hat anderes im Sinn. Hinter dem Rücken der Frau begeht er Verrat an der Idee des Meisters. Er glaubt heimlich an dunkle Magie, Diabolisches mit Geld. Er schätzt konservative feine Kreise. Ihm fehlen männliche Hormone. Die dritte dieser nicht ganz zuhörenden Gruppe, (Petrus) ist die Sekretärin, eine sehr vornehme Person, die sich gerne mit Geschmeide aus der Betriebskasse schmückt. Sie hört mit einem Ohr zu, ihre Gedanken schweifen ab nach Zermatt, wo sie durchaus für das Gelingen der Botschaft sorgen kann. Wer reich ist, dem hofiert man, dessen Empfehlung nimmt man an. Sie ist Petrus, der rumkommt und die Sache salonfähig macht.
Der Betrachter sieht links außen die Gruppe der Phlegmatiker (die Bequemen). Von links nach rechts sitzen zusammengekauert die Jünger Bartholomäus, Jakobus und Andreas. Alle drei sind überrascht von dem, was Jesus behauptet.

Ganz links setze ich die heilige Familie, die Normalen mit Kuh und Esel, die genug damit zu tun haben, das Leben am Laufen zu halten, ein Dach über dem Kopf zu haben. Sie sind vielleicht ungebildet, aber Josef checkt den Verkünder. Er kann das Gerede genießen solange er mit dem Baby spielt und seine Frau ihm das Brusthaar krault. Ihn überrascht nichts. Er ist wesentlich älter als seine Frau, ich stelle mich da dar, wenn auch nicht wie Da Vinci mit portrait- mäßiger Absicht. Phlegmatiker gibt es nicht, wo so viel Arbeit wartet. Das Baby, das Christkind, das nicht Josefs Sohn ist, sondern der seines Gottes, dieses Baby ist in Wirklichkeit Herkules, Zeus' Sohn, bei den alten Griechen entliehen. Ich habe daraus gleich einen archaischen vielarmigen indischen Gott gemacht, damit das kulturelle Leihgut sichtbar wird. Er zeigt mit einer Hand auf Papas Auge, mit der anderen auf den Keplerstern, "schau gut hin, merk dir das!". Die dritte Hand zeigt auf das Irdische, das Sparschwein und die Weltkugel zu ihren Füßen. Die vierte Hand ist, um den Busen seiner Mutter zu grabschen. Was das noch mit Andreas zu tun hat, der logisch Unentschiedene?
Die Mutter, bieder gute Mutter, macht keine Show. In Wirklichkeit ist sie die Leben spendende Göttin, die von den Kirchenvätern verdammte Göttin der Fruchtbarkeit. In der Position in meinem Bild ist sie der Gegenpol zum Tiara tragenden Tod. Als Mutter Gottes, Maria, kommt sie kaum vor in der Bibel. Das mit der Unbeflecktheit haben zölibatäre Priester ihr angedichtet. Trotzdem, wahrscheinlich beten mehr Christen zu ihr als zu dem patriarchalischen männlichen Alleingott. Sie wurde mit Milch spritzendem Busen, die Milchstraße schaffend, dargestellt. In meiner Komposition verkörpern die beiden, das päpstliche Gerippe und die entmachtete Göttin, den kulturhistorischen Hintergrund. Hier geht es um den Kampf der Schöpfungsmythen. Bartholomäus an der Stelle würde mir nichts sagen.
Da Vinci hat den Augenblick dargestellt, wo Jesus die Wahrheit verkündet, er weiß, dass Judas ihn verraten wird, er wird gleich Wein und Brot anbieten, die magische Handlung. Da Vinci verwendet das Setting von vor anderthalb Jahrtausenden, die Abendmahlgeschichte, um sein eigenes, damals hypermodernes Weltbild, zu verkünden. Er hat die Klosterbrüder unterwandert. Während sie symbolisch-magisch den Leib Christi essen, steht in dem Bild, man könne die Welt systematisch verstehen, sich auf allen Ebenen mit den Grundformen der Logik unterhalten, um sich schließlich zum Licht zu wenden. Das ist es, was sein göttlicher Heiland verkörpert, die Renaissance der Vernunft – und das ist nicht christlich.
Jesus neigt seinen Kopf nach rechts, in die hellere Seite des Raumes, dem Licht, also dem Guten zu. Seine linke Hand zeigt nach oben, sie ist offen für die Kardinaltugenden. So wollte Da Vinci wohl ausdrücken, dass es im Sinne Jesu ist, dass der Mensch auf sein Gewissen hört.
Mein Verkünder, (ich habe vorläufig verzichtet, ihm ein Gesicht zu malen), verkündet meine heutige Wahrheit, wieder ein paar hundert Jahre nach dem unvergleichlichen Meister. Statt den Brötchen auf dem Tisch teilen meine Jünger überirdische Freuden. Die Botschaft macht alle schwerelos, die im Bann der Ankündigung sind. Man ahnt, dass es um einen bedeutenden Erkenntnisschritt geht, Erde und Mond sind zur Anschauung ohne Strippe und umkreisen sich doch. Mein Jesus ist offensichtlich im Besitz der Wahrheit und verkündet das. Man sieht das Paradox der Schwerelosigkeit. Die da mitschweben sind nicht mehr Jünger im engeren Sinne. Um eine Lehre heute zu verbreiten, braucht es eine vereins-artige Infrastruktur mit Kassierer und Kasse, Sekretärin und ohne Familie geht's schon gar nicht. Die realistischste Hoffnung, dass die Wahrheit in der Welt ankommt, sind die Kinder. So lange kann es dauern, bis ein neuer Gedanke sich durchsetzt. Am besten, man hat die Unterstützung eines Halbgottes. Galilei oder auch Einstein würden heute kein Gehör finden.
Um an die Botschaft meines Bildes zu kommen, muss man wissen, was es mit dem Keplerstern auf sich hat und wofür er hier steht. Johannes Kepler lebte 50 Jahre vor Newton. Er hat zahlreiche Verdienste, wenn es um unser modernes Denken geht. Er hat nicht nur die Planetenbahnen richtig berechnet, er hat auch als erster den 5-zackigen Stern, den man in einem Zug zeichnen kann, vervollständigt, indem er durch Verbinden der Schnittpunkte einen zweiten Satz Zacken erzeugte. Dabei geschah Merkwürdiges. Es zeigte sich eine zweidimensionale Darstellung eines dreidimensionalen Körpers. Aus dem 5-Stern war nicht nur ein 10-zackiger entstanden, sondern es waren jetzt sechs 5-zackige Sterne, fünf in perspektivischer Verzerrung, zu sehen. Kepler war der Meinung, dass dieses Wunder der Geometrie etwas zu tun haben müsste mit den Wundern, die er im Kosmos zu entschlüsseln suchte. Für mich steht der Keplerstern als Symbol wahrhaftiger Kreativität. Ein genialer Mathematiker und Astronom zeichnet ein paar Striche wie ein Kind im Vorschulalter und eine neue, nicht geplante Gestalt springt ihm ins Auge. Dieses geometrische Monster, der Keplerstern, ist ein Geschenk des schöpferischen Universums, das dem absichtvollen Tun des Menschen weit vorauseilt. Darum benutze ich es gerne, wenn ich von den Früchten der Erkenntnis berichte. Wie man so sagt, ist ein kleiner Schritt für den Einen ein großer für die Menschheit.
Mit dem Zeigefinger auf die exakte Figur weisend, wirbt mein anonymer Erleuchteter für die neuzeitlichen Tugenden, für sauberes Denken. Meine Vision der Wahrheit - und da bin ich mit dem Wissenschaftler Da Vinci einig - ist, es gibt die Wahrheit und man kann sie finden. Er gibt alle nötigen Anweisungen, wie man mit Logik und Systematik Gottes Wunder enträtseln kann. Durch Renaissance-mäßiges Wissen weilt Gott unter uns. Die Teilhabe an der Wahrheit ist Einblick in das ewig Wahre Unumstößliche, eben Göttliche. Das steckt im Abendmahl Da Vincis. Eine Heilslehre für Gebildete.
Mein Abendmahl, das ja auf die ganze Essensmystik verzichtet, will in derselben Weise unterrichtend sein, der Lohn der richtigen Lehre ist das gemeinsame göttliche Abgehoben sein. Sie, die sich dazuzählen, erleben die Welt konfliktfrei als wahr. Die Vision der Zentralfigur muss so einleuchtend sein, dass sie auch Babys, Kinder, Ungebildete, Doppelzüngige und Unwillige mitziehen kann. In der Tat, was diesen Höhenflug möglich macht, muss einfach sein, muss Allen Sinn machen: Es ist die Lehre von der expandierenden Materie. Es gibt nur expandierende Materie in unserem Universum, keine Kräfte, keine Energien. Wie ist das zu verstehen und wie lässt sich das im Bild ablesen? Was hat Materie mit Erleuchtung zu tun, wirst du fragen. Zunächst, wir würden nicht glauben und denken können, wären wir nicht aus Materie gebaut. Nur diese müssen wir uns etwas aktiver vorstellen als wir das gewohnt sind.
Hat Da Vinci einer Verschwörung angehört? Klar ist seine Überzeugung weit jenseits der päpstlichen Schranken angesiedelt, aber Außerordentliches muss nicht gleich Geheimbündlerisches, Verbotenes sein. Mein Abendmahl, was ich schließlich „Vision und Wahrheit“ nenne, hat mit Sicherheit nichts mit Sektiererischem zu tun. Es soll ein Statement sein zu einem längst fälligen Paradigmenwechsel in der Erkenntnissuche. Dreihundert Jahre nach Newton, hundert Jahre nach Einstein, sind die meisten Glaubens- und Bekenntnissysteme in die Jahre gekommen. In allen Bereichen des Lebens hat das Wissen explosiv zugenommen. Die Erklärungswege sind aber viele alte Trampelpfade geblieben, Unvereinbarkeiten grassieren, man will uns mit Widersprüchen, die man nicht verstehen kann, abspeisen. Was dieser Messias verkündet, ist: "Ihr habt das Recht auf Wahrheit, ihr habt kein eigenes Gewicht, was euch auf die Erde niederdrückt ist der Anfahrdruck eines sehr großen, prallen Körpers, dem expandierenden Planeten. Seid ihr nicht in Kontakt mit seiner Oberfläche, schwebt ihr schwerelos. Die Erde rast auf euch zu, sie zieht euch nicht an.“ Mein Messias könnte auch ausrufen: „Ich habe sie gefunden, die Weltformel, die Theorie von Allem, die Vision von der Wahrheit. Alle, die ihr mit mir schwebt, habt eine harmlose kleine Grundannahme, eine Prämisse, akzeptieren müssen. Wir leben in einer Welt
expandierender Materie.“ Der Rest ergibt sich von selbst, die bekannten Wunder des Alltags werden entzaubert. Der Magnet trotzt der Gravitation, weil… Der Kreisel fällt nicht solange er dreht, weil… Der Mond ist nirgends festgemacht, weil…, Das Prisma streut weißes Licht im Regenbogen, weil… Wasser braucht zum Gefrieren mehr Platz als flüssig. Alles hat seinen Platz in dieser Theorie, wird zur Konsequenz der einen Annahme.
Exkurs zu den Gründen: Erkennen wir die Dinge, die da sind, als von Atomen geschaffene Gebilde, so können wir fragen, warum Atombomben platzen, wir aber nicht. Das Atom und seine Bestandteile können sicher nicht wissen, worin der Unterschied liegt, sie tun was sie immer tun. Sie machen Druck. Atome sind pralle Kügelchen in denen permanent atombombenhaftes abgeht. Das bleibt nicht ganz ohne Auswirkung auf die äußere Welt. Wenn Billionen solcher Kügelchen, die unter unvorstellbarem Druck stehen, eine Gestalt bilden, dann überträgt sich der Druck auf das Ganze. Dabei geschieht das was wir bisher immer übersehen haben. Alles expandiert unmerklich. Wir merken das nicht, weil unser Zollstock mitwächst.
Fokus: Jesus rechte Hand zeigt nach unten. Er spreizt die Finger, als würde er etwas wegschieben wollen. Mit dieser Geste weist er die vier Gründe alles Seienden (Geld, Status, Zweck und Nutzen) von sich. Sie sollen nicht das Handeln bestimmen. Vielmehr soll sich der Mensch der Ethik zuwenden – wie Jesus auf dem Bild.
Mein Messias macht mit seiner Linken eine Geste zur Erdkugel hin, so etwa „Bleib mir vom Leib.“ Darin gleichen sich die beiden Protagonisten. Auch Da Vincis Jesus macht dieselbe Geste zum Irdischen hin.
Was sagt der Tod den Mediensüchtigen, die zweifeln an der grundsätzlichen Schwerelosigkeit? (Zur Sicherheit haben sie die schweren Sitzpolster mit auf den freien Fall genommen). "Hört nicht auf den falschen Messias. Das ist keine Religion. In meiner Obhut stirbt man leichter." Aber weder der schwere Sitzstein noch die ganze Pyramide nebenan fallen schneller als die leichten Menschen, weil – wir wissen es jetzt - alles gar nicht fällt, sondern schwerelos wartet, dass die Erde sie einholt. So versteckt sich eine ganze Weltformel in einem nicht sprechenden Bild.
Empfohlene Lektüre: Mark McCutcheon, The Final Theory, Universal Publishers, Boca Raton, USA, 2010. ISBN 1-59942-866-0.
Wikipedia: Das Abendmahl Leonardo da Vinci, 1494–1498


Fred  Weidmann Schöpfung aus dem Chaos   Nachbearbeiteter Vortrag vom 4. November 2011, München, 18. Jul. 2012 Veranstaltung: "Alchemie des Bewusstseins" bei Natura Naturans, 2011

"Genesis" 1980 - 82
"Genesis" 1980 - 82

 Fred  Weidmann

 

Schöpfung aus dem Chaos

 

 

 

Nachbearbeiteter Vortrag vom 4. November 2011, München, 18. Jul. 2012

 

Veranstaltung: "Alchemie des Bewusstseins" bei Natura Naturans, 2011

 

 

Ja danke schön. Ich bin ein Maler, d.h. einer, der sich dem Reden und Schreiben im Alltag verweigert. Es fällt mir schwer, einen Vortrag zu beginnen. Also hänge ich mich zum einen in die Vorgängerreden, und zum andern natürlich in meine Bilder. Da ist dieses "Genesis" genannte große Bild,  das Führungswerk bei dem wir uns ein bisschen aufhalten können. Es entstand 1981, ich war damals 42/43 Jahre, 30 Jahre vor dem Jetzt. Ich wollte mit einem großen Bild einen Abschluss hinter all meine philosophischen Bilder machen und etwas Neues beginnen - sehr typisch, mit 42-43 Jahren. Ich war, 10 Jahre nach der Missverständnisforschung, noch immer sehr unglücklich über das Brauchtum in der Wissenschaftswelt, wo man alle Probleme verbal oder theorieförmig lösen wollte. Durch meine Forschungsarbeiten hatte ich erkennen müssen, dass alles, was wesentlich ist in einem Augenblick unseres Lebens, eigentlich schon passiert ist, bevor wir anfangen logisch, verstehend über die Dinge nachzudenken. Denn schon schablonisieren wir, packen wir Gelerntes hinein, verdecken und vertuschen, lügen und verschönern wir nach Herzenslust oder ohne es zu merken. Besonders auffällig war das in der Traumforschung: wenn wir Träume notieren, sind das ja nicht die Traumbilder, die wir da skizzieren, sondern wir protokollieren schriftlich - wobei so einiges hineingepackt und vor allem weggelassen wird in dieser Traumnotiz. Soll sich der Traumforscher mit dem dürftigen verbalen Material abgeben, dem das Chaotische des Traumes schon genommen ist.

 

Vor diesem mentalen Hintergrund habe ich versucht möglichst absichtlos Bilder zu machen, mich eben der sprachlichen, ach so ordnenden Denkweise zu enthalten. Bei diesem Ansatz, der dem Meditierenden oder dem Rutengänger nicht unbekannt ist, bleibt einem nicht viel Thematisches zur Auswahl. Womit fängt man dann eine große Arbeit an? Man fängt eben mit Universalien an, mit dem unsäglich Anfänglichen, mit Dingen, die allen Menschen zugänglich sind, Dingen, die nicht abhängig sind von Alter oder von Kulturzugehörigkeit. Wenn weißes Rauschen, totales Chaos sich zu organisieren beginnt, dann fällt einem das erst auf, wenn es sich zu drehen beginnt, sich ein Strudel bildet.. Man möchte also einen Strudel darstellen, da weiß man, einen Strudel kann jeder erzeugen, kann jeder erkennen und bestaunen. Er kann ihn beobachten so intensiv, wie es ihm gefällt. Dabei kann der Künstler ihm helfen, den Schöpfungsmoment im Strudel zu erkennen. Da lohnt sich das Malen. Oder man kann auch ebenso sprachlos über Wellen kommunizieren. Jeder kann in die Wellen schauen, kann stehende Wellen beobachten, in denen das Wasser hindurchfließt und immer die gleiche Welle stehen hat oder anders er kann Wellen beobachten, die rollen und das Wasser darin bleibt stehen und nur die Welle wandert. Solche Dinge haben mich damals gefesselt, weil sie nicht einer Übersetzung in irgendwelche Theorien bedurften, wie ich damals glaubte. In der Kommunikation über das wahrhaft Universelle steckte die Hoffnung auf eine Gesundung des Verstehens, der Glaube, der Konsument meiner Bilder würde zur Missverständnis-freien Verständigung geleitet. Literatur, die ich damals sehr verehrt habe, war eben Theodor Schwenk, der heute schon mehrfach genannt worden ist. Theodor Schwenk hat 1960 unter dem Titel "Das sensible Chaos" ein wunderschönes Büchlein geschrieben, das ich damals sicherlich mit auf die Insel genommen hätte, wenn man mich verbannt hätte. Dass der Steiner-Schüler Schwenk über beide Ohren in Bekenntnissen steckte, die nicht von Beobachtungen getragen waren, war mir noch nicht aufgefallen.

 

Was hier vor sich ging, (auf "Genesis" zeigend), Ich habe in der Mitte angefangen, beim Sündenfall sozusagen. Das Wasser ist zu allem fähig, vor allem hat es die Neigung, Oberflächen zu bilden, eine Oberflächenspannung zu entwickeln. Diese Oberflächen können Partikel, z.B. Fett- und Aminosäuren tragen. Wir haben bei Alexander Lauterwasser gesehen, wie in einem Wassertropfen die Goldpartikel Kreisläufe bilden, die zunächst nicht in der Tropfenform erkennbar sind. So habe ich die Hautbildung als Sündenfall, als Entstehung des Lebens begriffen und halt sehr erotisch dargestellt, als den Moment ab dem es männlich und weiblich gibt. Wenn nun dieser Lebensprozess schon mal angefangen hat, dann muss er ja immer weitergehen; das ist das Thema des Bildes nach rechts schauend. Alles Gewordene hat unbeschreibliche Tiefe.

 

Noch etwas war damals sehr neu; Mandelbrot, ein Mathematiker, hatte um 1980 ein Buch geschrieben über den fraktalen Aufbau der Welt. Die Fraktale sind seit 1980 Thema in vielen Bereichen der Wissenschafts- und Denk-Welt.  Leider haben wir diese Denkweise, kaum war sie gefunden, gleich an die Computer weitergegeben, ohne ihren Charme je in unserem Alltagsdenken erlebt zu haben.  Mich hat das die Möglichkeit fraktalen Denkens fasziniert, ich fand, es tat uns gut, die Welt, in der wir leben, dank Mandelbrot,  als das Ergebnis von fortlaufenden Prozessen zu verstehen. Wir können mit Sicherheit sagen, dass alles was ist, durch Ereignisketten mit unbeschreiblicher Geschichte seiend geworden ist. Wer nun nach Wahrheit sucht, wird vor diesem Panorama nicht nach erschöpfenden Erklärungen suchen, da ihm klar ist, dass eine vollendete Beschreibung einer Verursachungskette, wovon auch immer, nur dank zahlreicher et ceteras möglich ist. Die Welt der realen Dinge und Vorgänge hat immer eine logische Tiefe, die a priori nicht erschöpfend beschrieben werden kann. Man kann nicht mal erwarten, dass der Raum, in dem das was passiert, was uns zur Sichtbarkeit gedeiht, Eigenschaften hat, die unserem Verstand zugänglich sind. Wären wir Spiegel und hätten die Fähigkeit, alles perfekt abzubilden, was unsere Welt ist, so wüssten wir noch immer nichts über die Prozesse, die dazu geführt haben, dass es uns Spiegel gibt. So wollte ich, insgeheim der fraktalen Verursachungslehre verpflichtet, das Verweilen des Wassers als Tätigkeit  darstellen, als das Schöpferische, das dann, wenn schon mal Leben entstanden ist, alles erzeugt, auch das Böse, das Pflanzliche, die Viren, die Feinde, das Miteinander. Ich wollte die Sedimentbildung wie das Lebendige selbst als Ergebnis der fraktalen Prozesse sehen.

 

Ich verstehe (damals in den Achtzigern, wie heute) unser Leben und unsere Körperlichkeit und das was wir beobachten können als Überlagerung, Ablagerung, Sedimentierung von Prozessen, die für uns unsichtbar sind. Weil wir sehen immer erst das Erzeugte, das Erzeugnis der formenden Prozesse. Das Geschehen und die Beschaffenheit dessen, was Lebendformen schafft, können wir nur erschließen oder chaotisch nennen. So können wir beim Blick auf das Wasser nicht direkt zurückblicken auf die kosmischen Prozesse, die das Seiende bewirkt haben. Wir leiten sie ab aus den endlos überlagerten, gealterten Ereignisprotokollen,  aus dem Gewordenen, dem Beobachtbaren. Fraktal heißen diese Themen, weil sie in gebrochen-zahligen Räumen spielen. Es besteht da ein großer Unterschied zu der Vorstellung, Raum könne mit drei Dimensionen beschrieben werden. Mit drei Koordinaten kann man zwar jeden Punkt im Raum orten, aber nichts über dessen Verursachung erfahren.

 

Es hängen hier noch andere Bilder, die das Entstehen von Form aus dem Chaos darstellen wollen. Z.B. hier ist eines, das nenne ich "Verweildauer einer stehenden Welle", auch da das Thema, die Gestalt steht wie eine Trichterform in der Badewanne. Wenn wir das Wasser herauslassen, entsteht eine Lebendform als kumuliertes Geschehen. Im Strudel herrschen ganz neue Gesetze, nicht die gleichen  wie draußen in der Badewanne. Zum Beispiel, wenn wir ein magnetisches Schiffchen in die Trichterwand setzen, richtet sich das nicht nach Norden aus, sondern bleibt so wie wir es hingestellt haben. Merkwürdige Phänomene innerhalb eines Strudels. Da kommen wir aber viel weiter als ich noch zuständig bin.

 

Das nächste Thema ist die Kristallisation, der Übergang des Chaos in Ordnung mit abzählbaren Eigenschaften. In diesen Bildern da befasse ich mich mit den Wasserkristallen von Emoto. Wahrscheinlich kennen Sie alle die Bücher von ihm. Herr Emoto lässt Wasser im Zuge des Kristallisierens fotografieren und wählt dann die schönsten Bilder im Zusammenhang mit geistigen und Willensgeschichten aus. Ich habe die Erfahrung selber nicht gemacht,  habe aber versucht, die Emoto-Kristalle  zu projizieren und unter der Projektion, sozusagen in meditativer Haltung zu erfahren, ob rückwirkend das Erlebnis, was Emoto fotografiert hat, ob sich das bei mir wieder erzeugen lasse, indem ich diesen Kristall malte. Zu meinem Bedauern musste ich nach vier Kristallen aufgeben, habe ich nicht weitergemacht auf dieser Suche, weil es nichts gebracht hat. Es kamen einfach meine Augenblicksgedanken, alles was in mir los war, unabhängig von dem was in dem Kristall eingebettet sein mochte. Es war auf diesem Wege unmöglich, wieder zurückzufinden in die Situation die Emoto fotografiert hatte. Insgeheim zweifle ich, ob er ganz lauter ist in seiner Arbeit, ob nicht ein Bruchteil von einer Sekunde später der gleiche Gedanke kristallisiert in Wasser, eine ganz andere Form schon angenommen hätte, die wir jetzt aber nicht publiziert bekommen haben. Das ist mein Eindruck. Der Maler hat immer mit Flüssigem zu tun, er beobachtet das Flüssige sozusagen als Fachmann für das Flüssige.

 

Da hinten das allerletzte Bild ist eine Marmorierung auf Papier. Da tropft man eine ölige Flüssigkeit auf Wasser und fährt einmal mit dem Finger durch. Daraus ergeben sich Schwippschwapp-Formen, die man dann auf Papier abklatscht. Diese Schwippschwapp sehen wir dort noch immer. Auf dem getrockneten Papier  habe ich dann nach Art der Surrealisten den Suggestionen des festgehaltenen Wassers folgend, Figuren gefunden.

 

Auf diesem Wege habe ich zahlreiche Bilder entstehen lassen. Diese Art der Malerei ist noch mal eine Art  "Schöpfung aus dem Chaos", wie es das Thema meines Auftritts hier ist. Ich empfand mich auch bei diesem Weg der Gestaltfindung dem kosmischen Getümmel sehr nahe. Die Inspiration kam ja aus der ungewollten und somit ungekünstelten Ergebenheit vor dem im Fließen erhaschten Strom. Das war damals zwar formulierbares Thema, aber es war auch einfach dumpf verpflichtende Absicht als es geschah.

 

Jetzt, heute mit 73 Jahren vor den gleichen nun alten Bildern, frage ich mich, war es gut und wichtig, das getan zu haben, oder war es umsonst? Habe ich am Eigentlichen vorbei gemalt? Es wäre ja möglich, dass ich mich verrannt hatte in mittleren Jahren, weil ich den Horizont noch nicht gesehen und meine Entscheidungen nicht immer rational getroffen hatte.  Ich muss jetzt sagen - ich habe das große Genesisbild viele Jahre nicht angeschaut -; Es taugt noch immer auch im Licht meiner heutigen Überzeugungen.

 

 

 

Wollen Sie wirklich meine jetzige Überzeugung kennen lernen? Die ist ein bisschen schwierig zu erklären, einerseits weil sie mir selbst noch etwas phantastisch vorkommt, andererseits, weil sie in meinem Kopf noch nicht so ausgereift ist, dass ich sie didaktisch zumutbar präsentieren kann. Es geht um eine völlig neue Grundannahme, die alles was wir zu wissen glauben neu zu bedenken zwingt. Der Autor, der hier groß an die Tafel geschrieben werden müsste, heißt MARK MCCUTCHEON sein Buch "The Final Theory" ist mittlerweile in 2. Auflage erschienen und berücksichtigt eine 10 jährige Diskussion im Internet. Es geht wie zu Galileis Zeiten darum, dass wir Erdenbewohner im Erleben der physischen Welt einer Sinnestäuschung zum Opfer fallen. Wie wir die Sonne am Himmel daher fahren sehen, in Wirklichkeit aber wir um sie kreisen, so können wir nicht sehen, dass alles was ist sich ständig ausdehnt. Jedes Atom, wir selbst, die Erde, der Mond, unsere Zollstöcke, alles expandiert gleichermaßen und wird daher als gleichbleibend erfahren. Würde ein Atömchen mal auf die Idee kommen, nicht mehr mit wachsen zu wollen, würde es sofort überwuchert und hätte keine Chance ein stehen bleibendes Universum zu starten. Also, was unseren Sinnen als  gleichbleibend stabil vorkommt, ist  es nur, weil es  mit uns wächst. Sie werden sagen: na und, es bleibt also doch alles beim alten. Eigentlich ja, aber wir können die Auswirkungen des Phänomens erleben und da wird es eben richtig spannend. Wenn ein Atom sagen wir ein Millionstel seines Durchmessers pro Sekunde wächst, dann heißt das, dass ein Körper vom Durchmesser unserer Erde 4,9 Meter pro Sekunde expandiert. Das scheint uns rasend viel, aber das ist genau die Strecke, die der Apfel, der vom Baum fällt in einer Sekunde zurücklegt. Na ja, sagen Sie, das schafft die Kraft, die wir Gravitation nennen, die zieht den Apfel zur Erde hin. Aber sage ich, wenn ein fallender Wolkenkratzer auch 4,9 m pro Sekunde zurücklegt, dann muss mich das wundern, denn es kann keine Kraft geben, die nicht erst beschleunigen, die Trägheit der Dinge überwinden müsste. Und warum fällt das schwere Ding nicht schneller? Die Expansionstheorie, wie MCCUTCHEON sie nennt, hat eine einfache Erklärung dafür, die Dinge fallen gar nicht, sie schweben im Raum, bis die Erdoberfläche, die auf sie zu rast, sie eingeholt hat. Wenn ich einen Apfel aus meiner Hand fallen lasse, ist er plötzlich frei von Zug und Druckkräften und bleibt im Raum da wo ich ihn gelassen habe, bis ihn die auf ihn zu rasende Erde eingeholt hat und ich mitsamt meiner Hand einen Meter höher oben gelandet bin. Ich stehe in Einsteins Fahrstuhl und bringe bei der Beschleunigung 65 Kg auf die Waage.

 

In dieser Umkehrung der Alltagserlebnisse liegt ein mächtiger Zauber, die Macht, die Dinge ohne Zuschreibung von Kräften, Energien und anderen undefinierbaren Schnörkeln des Denkens zu sehen. Die Macht, aus dem Chaos heraus zu treten, zu verstehen was Licht wirklich ist, zu verstehen, dass die Ursachenzusammenhänge nicht sind wie sie scheinen. Ein neuer Standpunkt erlaubt es auch über anerkannte Theorien und Glaubensbekenntnisse neu nachzudenken. Das alles ist so heilsam wie sonst nur die Liebe. Man möchte, dass jedem solchermaßen die Schuppen von den Augen fallen.

 

"Schöpfung aus dem Chaos": sie hören es, da möchte jemand seinem inneren Chaos entrinnen. Mein Denkgebäude kippt gerade und ich kann auch noch nicht absehen, wie es sich in meinem Werk niederschlagen wird. Vorerst geht die Befreiung durch die Knochen und ins Blut. Vielleicht kann ich das an meiner Beziehung zum Mond klar machen. Untertrieben gesagt, ich habe von je her geliebt, den Mond am Himmel zu sehen, habe staunend ehrfürchtig zur Kenntnis genommen, dass er die Flut kommen lasse, und wenn ich in mich hineingeschaut habe, dann ahnte ich etwas von der Kraft. Der Sack Urmeer, der ich schließlich bin, fühlte sich angehoben wie der Surfer in Hawaii. Nicht Flut und Ebbe, nicht der zauberhafte Mond, nicht meine feinsinnig registrierten Gefühle, sind nun zum Problem geworden, es sind nur die Verursachungslehren, die einem dabei den Sinn vermitteln, die ihren Wahrheitsgehalt verloren haben. Ob man will oder nicht, man kann nicht nicht-kommunizieren, auch im Kopf nicht. So geschieht es zur Zeit, dass ich mich beim Anblick des Mondes freue, dass er freiwillig dabei ist. Es zieht keine Kraft an ihm, die Erde ist nicht ein Kugelschwinger mit unsichtbarem Seil und der Mond muss nicht über Kräfte verfügen, unsere Meere anzuheben. Alles geschieht weil die beiden gleichzeitig expandieren, was sie einander näher rückt. Ebbe und Flut müssen andere Ursachen haben. Würde der Mond nämlich irgendwie an uns ziehen, so dass das Wasser nicht nur um Promille leichter würde, sondern sogar angezogen, dann wäre das nicht gut für die Beteiligten, denn diese Kraft würde den Mond sehr schnell auf die Erde ziehen. Bumm. Und wann wird eigentlich die Erde müde, den Mond ständig um sich herumzuschleudern? Gibt es Verschleiss in den Jahrmillionen? Gottseidank nein. Registriert man Zugkräfte am Mond, nein, er wäre längst birnenförmig. Und warum haben wir nicht nur unterm Mond eine Flut sondern auch auf der Gegenseite der Erde?

 

Ich bin der Meinung, wir haben das Recht zu verstehen, was abgeht im Universum. Indem wir leben, liegen wir alltags-theoretisch ja immer richtig. Ich entscheide in jedem Augenblick dies und jenes und solange ich keinen Fehler mache, bleibe ich am Leben. In jedem noch so kurzen Jetzt weiß ich, was gegen die Tücken der Schwerkraft zu tun ist. Ich weiß, wann ich Wasser trinken oder  diesen oder jenen Satz äußern muss. So baut sich eine Verstehenswelt in mir und um mich herum auf, die eindeutig, wahr und stimmig ist: stimmig in sich und stimmig im Test durch mein Überleben. Ich leite daraus das Recht auf ein wahres Weltbild ab.

 

Die Erde wabert wie die Wassertropfen bei Alexander Lauterwasser. Der Tropfen Erde wabert  nach allen Seiten. Das Wabern wandert zufällig unter dem  Mond herum aber es ist unsere Erden-Angelegenheit, dass wir wabern und hat nichts mit dem Mond zu tun. Der Mond, das ist wie mit den Störchen und den Geburten, eine parallele Erscheinung, keine ursächliche Beziehung.

 

So meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss. Ich hoffe, ich konnte Sie für einen Augenblick in meine neue Zauberwelt entführen. Solche neuen Grundgedanken ins Alltagsdenken herüber zu holen, ist nicht jedermanns Sache. Man setzt sich damit außerhalb aller Zugehörigkeiten. In der Einsamkeit des Malers,  werde ich weiter versuchen, mir eine Denkweise, eine geistige Heimat, zu schaffen, in der keine den Dingen anhaftenden Kräfte und Energien mehr gebraucht werden. Ich werde eine neue kopernikanische Wende erleben. So einfach ist das.

 

Jetzt dank ich schön für die Aufmerksamkeit... Dankeschön

 

 

 

 

 


Raum und Zeit im Ornament.

Raum und Zeit im Ornament.

 

Fred Weidmann, 11. 6. 2013

 

In den Rhythmen regelmäßiger Muster kann man Anlass finden, über Zeit und Raum nachzudenken.
Meine italienischen Ornamente sind Abfolgen von Blüten und Blättern im Raum, die zu einem Baum der Erkenntnis heranwachsen. Dabei überwuchert das Wachsende den leeren Raum - symbolisiert durch die weiße Leinwand. Das Rankenwerk, das wie gewachsen dasteht, will bedeuten, dass nur Gewachsenes seiend ist. Der Raum, in den Materie hineingestellt ist, bleibt der gleiche, nicht dem Wachstum unterworfene, egal ob und wie lang er besiedelt wird. Raum in der realen physischen Welt, ist etwas Präexistentes wie die Leinwand für das Kunstwerk. Raum ist das was schon da war als unser Universum sich ausbreitete, er stand zur Verfügung, damit Materie sich bilden konnte. Raum ist nicht von unserer Welt, er ist seine Vorbedingung. Über Raum zu reden ist nicht das Privileg der Physiker. Sogar die dekorative Kunst kann uns solches nahebringen.
Der Lebensbaum will unter anderem sagen, nur was wachsen kann, hat das Zeug, Welt zu werden. Materie ist etwas Erzeugtes, Gewordenes, hat daher ein Vorher und Nachher. Alles was real existiert, tut das aber nur im Jetzt. Wir Gehirne basteln uns Vergangenheit und Zukunft in einem fiktiven, gedachten Quasi-Raum. Zeit misst das und nur das, sie ist ein von uns und für uns Beobachter erfundenes Instrument zur Vorher-Nachher-Beschreibung und kein realweltliches Ding. Zeit besitzt keine physische Wirklichkeit, Zeit gibt es nicht, weder als vierte Dimension, noch als Eigenschaft realweltlicher Dinge. Zeit hat auch nichts mit dem ewig vorgegebenen Raum zu tun. „Raum-Zeit“ ist Science Fiction, Dadaismus, Verdinglichung. Zeit ist nichts als eine Achse auf dem Statistikblatt unserer Ereignis-Protokolle. Zeit kann keine Gestalt annehmen, sie existiert nicht, sie ist nur ein Vektor im Schaubild für Schüler. Einstein hat wider besseres Wissen Raum und Zeit in den Rang von physisch existenten Dingen erhoben, die verursachen können und zugleich verursacht worden sind.

 

Das Ornament verrät dem Betrachter diese vor-Einstein'sche, vor-dadaistische Selbstverständlichkeit.


Welttheorie, Theorie von Allem, Final Theory – Die Entdeckung unseres Erzeugerkosmos

Zuerst: 26.4.2014, korr. 27.8.2916

 

Die Entdeckung unseres Erzeugerkosmos

 

 

 

Wahrscheinlich müssen wir Menschen sterben, weil wir sonst zu sehr enttäuscht wären, dass die Menschen ihr köstlichstes Gut, die Wahrheit, immer wieder verspielen. Und ich bin enttäuscht. Wie lange habe ich gesucht? 60 Jahre etwa, seit die Philosophen mich gepackt haben. Und jetzt, weil ich die Freiheit in der Künstler-Nische gesucht habe, ist niemand mehr da, der inhaltlich folgen kann. Meine Frau glaubt an Gott und wird unserem Sohn die Standardlehren beibringen. Seine Lehrer werden wie Harald Lesch und alle den alten Unfug wiederkäuen. Es gibt da aber leider keinen Kompromiss. Expansionstheorie, vielleicht Theorie der wachsenden Atome zu nennen,  gleich Welttheorie, gleich Theorie von Allem, gleich Final Theory. Daneben gibt es nur missverstandene Fakten. Ich dachte einst naiv, das Problem sei nur das Auffinden des neuen Paradigmas und alle Welt würde gierig und beglückt das neu Entdeckte begrüßen. Schließlich ist die nicht mehr wegzuleugnende Entdeckung unseres Erzeugerkosmos, die expandierenden Elektronen und die wachsenden Atome, wie das Auffinden eines neuen Kontinents im 15. Jahrhundert. Sie sollte ungeheure Umschichtungen in Gang setzen. Die Geistesgeschichte sollte umgeschrieben werden. Unser Alltagsdenken sollte revolutioniert werden. Aber leider sieht nichts danach aus. Nichts bewegt sich. Alle Gruppierungen im Pool der Erkenntnissuchenden sind auf ihren Grundannahmen erstarrt und verteidigen ihren Besitz. Die Rabiatesten sind in der Physik - wer hätte das gedacht - sie entpuppen sich als Priester, verwandt mit denen unserer Religionen. Newton ist schon zu seiner Zeit kein Revolutionär gewesen, sondern ein Antiaufklärer und Magicus. Einstein war schon als Kind ein Opfer der Wellentheorie des Lichts, einer kindlichen Vorstellung von körperlosen Wesen, die in den himmlischen Gefilden der Nicht-Erklärbarkeitkeit beheimatet sind. Dann die Quanten-Denker mit den absurden Verdrehungen; alle sind sie gescheitert an den Dingen, die sie nicht erklären können. Die Expansionstheorie aber kann es mit schlichter Eleganz.

 


VERSTEHBARE WELT

2017.1.18 - 10.11.14

 

VERSTEHBARE WELT

 

 

 

 Diese wunderbare Welt, die sich unseren Sinnen wahrnehmbar darbietet, so zu verstehen,  dass sie in ihren wahren Zusammenhängen sachlich und logisch richtig erkannt wird, ist ein Menschenrecht, liebe Mitmenschen! Wir haben das Recht auf Wahrheit auch wenn es um Erkenntnis grundsätzlich geht. Da gibt es etwas in der Tiefe, was mich beschäftigt. Ich frage mich, ob Leute, die das Wort "Energien" im Wortschatz haben, zugeben würden, dass sie Vielgötterei betreiben. Alle Energien sind leblose, primitive Nischen-Götter mit sehr speziellem Herrschaftsbereich, eigentlich höchst unchristlich.

 

Wann immer ich populär-wissenschaftlichen oder religionsgegebenen Inhalten begegne, sind diese begründet auf dem gemeinsamen Glauben, sogenannte Energien würden auf (was, wie eigentlich?) Masse wirken. Meinem skeptischen Denken hält der Gedanke nicht stand, alles erscheint als vermeidbares großes Missverständnis. Beide Seiten wurzeln in den Vorstellungen, es gebe verschiedene Energien realiter. Das führt zu immer neuen Quasi-Entdeckungen. Kräfte und Energien für dies und das lassen sich nach Bedarf finden; verursachende, bewirkende, handelnde Instanzen, die immer wieder zur Klärung des Ist-Zustandes der Welt "entdeckt" - interpoliert eigentlich - werden. Das leistet jeder Gott, vor allem ein Schöpfergott auch und schöner und in erprobterer Weise. Die Engel des Energien- und Kräfte-Glaubens halten alle gefangen. Sie lenken unsere inneren Bilder in vor-rationale Verursachungsphantasien, Schöpfungsmythen eben.

 

Am Ende liegt die einzige Zuflucht derer, die da mitreden wollen, darin, immer komplizierter und paradoxer zu werden. Energien erklären nur scheinbar, was wir wissen wollen. Wissenschaft sollte in Konsequenz ohne diese Geister auskommen. Unsere Mission: wir haben ein Menschenrecht einzuklagen. Aus meiner Sicht erscheint die ganze Standardwissenschaft mir als völkerkundliches Erkundungsfeld, denn überall wirkt schließlich die Zauberei irgendwelcher unsichtbaren Energien.

 

Gibt es Hoffnung, dass die Menschen weltweit das begreifen? Man hat euch reingelegt, alle um ein Leben im Licht der Wahrheit betrogen. Eure Götter, euer Gott, Allah und die sogenannten Kräfte der Wissenschaft sind menschgemachte Konzepte. Ihr Sein ist erfunden, sie sind nur grammatikalische Akteure, Hypnose-Stichwörter. Die Welt braucht keine Geheimnisse, die nur den Gralshütern zugänglich sind. Die Welt ist ein verstehbarer Ort.

 


Es gibt keine Energien

Alles hat Trägheit und Schubkkraft, auch das Licht.

Wider das Energien-Paradigma

 

2016-4-13

 

Es gibt keine Energien

 Noch einmal der Gedanke neu formuliert.

 

 

Wenn der vorchristliche Gott eine Frau schwängern wollte, dann schickte er den Heiligen Geist, das zu besorgen. Das ist in unseren Breiten nicht mehr akzeptabel, ist aber genau das Beispiel für den Gebrauch von Energien in den heutigen Wissenschaften. "Energie" ist ein Strohmann, den man Arbeit verrichten lässt nachdem man ihn erfunden hat.

 

Sie, die Anderen, die ich mit meiner Rede nie erreichen werde, fürchten, ich würde der Welt den Reiz nehmen, wenn ich die Energien, alle, abschaffe.  Oma pendelt und meint klar gute und schlechte Energien erkennen zu können, ob das wissenschaftlich vertretbar ist oder nicht. In den Heilslehren aller Schattierungen finden sich verschiedene Arten von Energien. Das sind Kräfte, die etwas bewirken, Arbeit leisten, sie sind Ursache von Veränderung oder Bestand. Man hält sie für real, naturgegeben wie Dinge zum Anfassen, oder wie Akteure die Entscheidungen treffen.

 

Der Energiebegriff der heutigen Wissenschaft ist dem vorwissenschaftlichen Denken sehr ähnlich. Energien werden bedenkenlos erfunden und für real erklärt. Ich sehe wie durch das Energien Paradigma die Weltreligionen ihr erkenntnisfeindliches Ziel im Auge behalten. Eine Wissenschaft, die sich Erzeuger-Energien je nach Erklärungsbedarf verschafft, ist der Schöpfergott-Idee niemals gewachsen und somit keine wirkliche Bedrohung für die Kirche und die herrschenden Mächte. Den staunend am Verstehen Gehinderten, Energiegläubigen öffnet sich zwangsläufig die Erkenntnis, dass unerklärliche Wunder geschehen, denn wenn Energien wirken ist das stets schon ein Wunder. Man erfährt nie recht wie das physikalisch abläuft. Unerklärliches gehört in den Zuständigkeitsbereich Gottes, Ehrfurcht kommt ins Spiel, meiner Meinung nach, der erkenntniskritische Kollaps. Energiegläubige finden die irrsten Energien im Physikunterricht als Überraschung im Atom, um das Atom herum, im ganzen Kosmos, bis sie verwirrt nur noch Auswendiggelerntes rezitieren, anstatt zu hinterfragen. Devot, ohne logische Alternativen, müssen sie glauben, das Wort Energie würde irgendetwas erklären. Aber, wie präzise auch immer der Begriff definiert wird, er bezeichnet in allen Fällen nur etwas Unerklärliches, also bei genauem Hinsehen einen Rechenfehler oder eine Panne im Erklärungsbaum einer Theorie. Ich behaupte, dass, wann immer eine "Energie" in einem Erklärungsmodell auftaucht, dies nur zur Rettung eines  unhaltbaren Inhalts dient.  Warum treffe ich nie Menschen, denen das wie mir unangenehm aufstößt? Wird wirklich gepfuscht an der Basis?

 

Im Rahmen einer wünschenswerten Neubesinnung  sowohl im gestrengen Erkenntnisbetrieb, als auch im Alltag, sollte man Geschichten über körperlose Geschöpfe, die angeblich mit Materie interagieren, die sich hin und zurück verwandeln, sich zusammenpressen lassen bis zur Singularität vor dem Urknall, mit Skepsis begegnen. Solche Vorstellungen machen mich stutzig. Körper und Geist, die alten Mysterienspieler, sie gehören in die Kiste der Verdummungsmethoden. Sie sind gefährlich, sie spielen den manipulierenden psychopatischen Mächten in die Hände. Nicht der hier Fragende ist gefährlich, ich weise nur auf unklares Denken hin. Am Ende, wenn im Erkenntnisbetrieb keine grundsätzlichen Fragen mehr gestellt werden dürfen, steht die Inquisition und der Islamische Staat; der politische Wahnsinn. Daher schlage ich vor, dass wir einmal als Gedankenexperiment vom Energien-Glauben ablassen und eine alternative Verursachungslehre versuchen. Den Heiligen Geist, den Strohmann, denken wir uns weg.

 

Es gibt realiter keine Energien, keine schwarze, oder potenzielle Energie, keine starke, schwache, schlechte oder gute Energie, keine "geladenen" Teilchen und keine Anziehungskraft. Was wir erleben können, sind Dinge mit Oberflächen und eventuell anderen Eigenschaften.

 

 

 

 

 

Es gibt keine Energien

Wahrheit ein Menschenrecht

Wahrheit ein Menschenrecht

 

20. 1. 2014 – 14. 6. 2016

 

 

 

Ich fragte mich gerade ob nicht UNWISSEN dasselbe ist wie UNRECHT. Handelt man doch unwissend zwangsläufig aus falschen Gründen.  Da jede Handlung ihre inneren Gründe hat, braucht sie Gewissheit ob die richtig oder falsch sind, in jedem Augenblick. Das Falsche erzeugt UNGERECHTIGKEIT. Um zu einer gerechteren Welt zu finden, müssen Unwissen und UNWAHRHEITEN überwunden werden. Das Falsche zu glauben bedeutet, einer Lüge aufzusitzen, einem Verdummungsversuch zum Opfer gefallen sein.

 

Daher postuliere ich:

Es gibt DIE Wahrheit.

Der Zugang zur WAHRHEIT ist ein Menschenrecht.

Die Erkenntnis der WAHRHEIT ist möglich und unverzichtbar.

Der Besitz der WAHRHEIT schützt vor Machtmissbrauch. 

 

Das ist es, was uns nach Wahrheit streben lässt. Wir haben das Recht auf Wahrheit. Ich habe erkannt, dass die Wurzel aller Ungerechtigkeit die Desinformation ist. Das meine ich politisch, wie philosophisch. Wir werden mit Paradoxien und Hinweisen auf unlösbare Komplexität klein gehalten. A priori sei die Suche nach DER Wahrheit kindisch, naiv. Schon unsere Sprache suggeriert ein Weltbild, was der Wahrheitsfindung im Weg steht, indem sie grammatikalische Abhängigkeiten in faktische verwandelt.

 

Ich verstehe durchaus, dass Autoritäten und Philosophen vorsichtig sein müssen mit der Vorstellung einer letztendlichen Wahrheit. Wem sollten sie deren Besitz zusprechen? Sie selbst besäßen damit diese Wahrheit. Da beißt sich ein Zirkel. Das gilt es zu überwinden.  Wir, die Nachfahren des Homo Erectus, haben dazu evolutionär angelegt, die Fähigkeit zur Erkenntnis DER Wahrheit.  Wahrheit ist, wenn ein Sachverhalt faktisch und logisch richtig und vollständig beschrieben ist.

 

Die Suche nach der Wahrheit darf wegen der sozialen Komponente nicht aufgegeben werden. Soziale Gerechtigkeit muss über den allgemeinen Zugang zur absoluten Wahrheit abgesichert sein. Das ist eine Forderung, die zwar unerfüllbar scheinen mag, die aber als Maßstab des Unerfüllten und als Ziel dient. Also suchen wir sie, auch wenn dies nach einem beschwerlichen Kreuzzug aussieht. Es gibt sie und sie lässt sich beschreiben und verstehen, die Wahrheit. Sie sitzt in jeder Situation, sie wird nicht mit dem "gesunden Menschenverstand" kollidieren. Sie ist das unfehlbare Netz hinter dem Geschehen aus Unverstand, Täuschungen und Lügen an der Oberfläche.

 

Wir sind Kinder dieser realen Welt, in der unser Organismus mit permanentem Erfolg überlebt, aber wir denken in Modellen, die sich verselbständigt haben, obwohl sie offensichtlich voller Fehler sind. Wenn meine Verdauung das konfliktfrei schafft, warum nicht auch mein Denken? Daher mein a priori:

 

Die Welt ist ein verstehbarer Ort, DIE Wahrheit versteckt sich dort.

 

Schaut man bei Wikipedia, steht da erstaunlich viel über Wahrheit. Ich zitiere eine Stelle:

 

Kritischer Rationalismus

 

Der Kritische Rationalismus hält an der absoluten Wahrheit als regulativer Idee fest und verweist auf die verheerenden Folgen, die entstehen, wenn man sie aufgibt. Er erklärt Unterschiede in den Meinungen mit deren unterschiedlicher Wahrheitsnähe. Auch wenn Meinungen oft Irrtümer und daher falsch sind, können sie dennoch mehr oder weniger gut mit der Wahrheit übereinstimmen. Die vermeintliche Zirkelhaftigkeit des Wahrheitsbegriffs löst der Kritische Rationalismus mit der Aufgabe eines an Begründungen orientierten Denkens zugunsten von nicht auf Begründung abzielender Kritik. Der Kritische Rationalismus lehnt also die Auffassung ab, dass es Wahrheitskriterien gibt. Wahrheit ist somit erreichbar, aber es kann nicht begründet, bewiesen oder wahrscheinlich gemacht werden, dass sie erreicht wurde (Fallibilismus), und ebenso kann das Fürwahrhalten nicht begründet werden (Erkenntnisskeptizismus). Dennoch ist es durch kritische Beurteilung (u.a. durch Wahrnehmung) möglich, ohne Willkür Vermutungen darüber anzustellen, welche vorhandene Theorie für einen gegebenen Anwendungsbereich der Wahrheit am nächsten kommt (Negativismus; wechselseitige Kontrolle von Vermutungen durch Vermutungen; ‚Checks and Balances‘).

 

Ich betrachte mich als von Hans Albert infizierten Kommunikationsforscher. Zu meiner Zeit, 1960 bis etwa 65, in Köln unterhielt er dort einen Diskussionskreis, das "Alpbach Seminar", wo ich einige Semester eifrig mitmachte und meine Freundschaften fand. Die oben zitierte Grundhaltung des Kritischen Rationalismus war mir zur Weltanschauung und Handlungsgrundlage eingefleischt. Alle Erkenntnis wurde unweigerlich über diesen Kamm geschert; besonders Theorien, die als "The Final Theory"  daherkamen. Wir konnten uns im Sumpf von zu vielen gleichermaßen unbefriedigenden Modellen nicht vorstellen, dass eine Theorie kommen könnte, durch deren Paradigmenwechsel tatsächlich ein Wahrheitsanspruch von anderer Qualität entstehen würde. Wir bewegten uns mit einer Art Demokratiehoffnung der Gleichwertigen, nach Annäherung strebenden. Im Hinterkopf behielten wir die Sehnsucht nach der Theorie von Allem, gemessen daran war jeder weit entfernt von der Wahrheit. Und das traf auch  auf die großen Galionsfiguren wie Einstein oder Carl Popper zu.

 

Sauberes Denken und kontrolliertes Beobachten sind Voraussetzungen, um bei der Wahrheitssuche ernst genommen zu werden. Zum Beispiel ist unsauberes Denken die Verwechslung mathematisch-idealer Räume mit dem physikalischen Raum, wo Körper existieren, die Oberflächen haben, und die in Beziehungen zu einander stehen. Sauber wäre Annäherung von Theorie und Sein, wobei eine Berechnung dasselbe Ergebnis zeigen müsste, wie eine Messung. Die ersehnte Theorie von Allem müsste das in allen Bereichen physikalischer Beobachtbarkeit leisten, im Kleinsten und im Großen. Sie würde die Unbegreifbarkeit der Realität auf endliche Schritte reduzieren. McCutcheon's Theorie der expandierenden Materie leistet das, was man von keiner der Standard-Theorien sagen kann. 

 

 

Diese Feststellung muss ich etwas betonen, denn McCutcheon hat nicht einfach einen x-ten Beitrag zu einem Thema, was man von vielen Seiten betrachten kann geleistet, mit der "Final Theory" hat eine wirklich letztendliche Wahrheit die Welt betreten. Ich hasse mich, das schreiben zu müssen, aber so ist der Tatbestand. Diese Theorie übersteht die strengsten, rigorosesten Kriterien der Prüfung, sie ist es, die nur einmal in der Menschheitsgeschichte entdeckt werden kann, die Theorie von Allem. Würde sie je falsch sein, wäre sie jetzt schon falsch. Hätte Buddha sie gefunden, wäre sie heute noch so neu und gültig wie damals. DIE Theorie von Allem ist formuliert, sollen die Kritiker antreten.

 

Ich habe unter „Menschenrecht“ nachgeschaut und gefunden, dass „Recht auf nicht belogen werden, Recht auf Wahrheit“ ein  Kampf-Feld ist. Ein Buch mit genau meinem Thema im Titel behandelt den Sonderfall von Wahrheitsfindung bei Menschenrechtsverletzungen. Was ich suche ist allgemeiner. Die Unwahrheit zu verbreiten ist immer eine Menschenrechtsverletzung. (Ich denke an die Kette von Unwahrheiten, die zu Donald Trump geführt haben.) Das Ziel heißt WAHRHEIT und die wird erst mit der allseits akzeptierten Theorie von Allem installiert werden können, was wohl die Mächte hinter den Mächtigen verhindern werden.

 

 

 

Fußnote:

 Recht auf Wahrheit

 Zur Genese eines neuen Menschenrechts

 Herausgegeben von José Brunner und Daniel Stahl

Reihe: Schriftenreihe Menschenrechte im 20. Jahrhundert (Für den Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert hg. von Norbert Frei)

Die Entstehung eines neuen Menschenrechts aus globaler und interdisziplinärer Perspektive.

 





 

Artikel 5 Grundgesetz 

 

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild

frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein

zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung

durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur

findet nicht statt. 

 

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung. 

 

Europäische Menschenrechtskonvention(Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten)

 

Artikel 10Freiheit der Meinungsäußerung(1) Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzugeben. Dieser Artikel hindert die Staaten nicht, für Hörfunk-, Fernseh- oder Kinounternehmen eine Genehmigung vorzuschreiben. Etc.

 

 

 

 

 


MALEREI ALS BEWUSSTSEINSFORSCHUNG. Vortrag Basel 2006

Dr. Fred Weidmann

 

MALEREI ALS BEWUSSTSEINSFORSCHUNG.

Vortrag Basel 2006

 

 

Zwei Jahre, von 1508 bis 1510 hatte Leonardo da Vinci die Absicht, ein Buch über die Erde als Lebewesen zu schreiben. Das Meer mit seinen Gezeiten sah er als das pumpende Herz, die Flüsse als Blutgefäße. Das Verhalten von Wasser und Licht beobachtete und beschrieb er so gut, dass alle nachgebauten Experimente heute funktionieren. Die Schriften blieben leider bis ins 20ste Jahrhundert verschollen und unbekannt, so dass die Ideengeschichte im Abendland  400 Jahre ohne den Gaja-Gedanken zumindest ohne Leonardos Beitrag zur Strömungslehre weitergehen musste. Ich habe die Schriften erst vor wenigen Monaten auf der Weltausstellung in Lissabon sehen können. Anders als bei den wohlbekannten Gedanken über sfumato, wo man nicht sicher sein kann, ob Leonardo seinen Gesellen erklärt, wie sie dunstig Fernes malen sollen, oder ob er naturwissenschaftlich Allgemeingültiges meint und das fraktale Denken erfindet, ist er hier im Grundlagenbereich Gaja-Wissenschaft ganz der geniale Naturforscher. Die Malerei selbst muss für diesen umfassenden Verstand die leichteste aller Übungen gewesen sein; etwas am „wie sag ich´s meinen Kindern“-Ende seines Spektrums.

 

Malerei ist auch heute noch ein faszinierender Erkenntnisweg. Sie, liebe Zuhörer, zu überzeugen, dass im Malen ein solches Potenzial steckt,   sollte mir in der kommenden halben Stunde gelingen. Nicht umsonst haben die monotheistischen Religionen ein Bilderverbot verhängt. „Du sollst Dir kein Bildnis machen“ wäre nie Gesetz geworden, wenn das Erstellen und Verbreiten  von Bildern eine ganz harmlose Sache wäre. Wie aber kann es sein, dass eine an sich so triviale Tätigkeit, wie das Verschmieren von Oberflächen mit Farben, die außerdem nur selten lange halten, als Ketzertum  angesehen wird? Hätte man nicht besser das Schreiben verboten? Malen, zeichnen, kurz, symbolisch Darstellen-können, sind schließlich Fähigkeiten, die uns Menschen vom Tier abheben, unverzichtbarer noch als das Kleider tragen. Die Sprachfähigeit selbst ist, wie wir heute wissen, weniger exklusiv menschlich.

 

Nun, die Dominatormenschen aller Zeiten, die ihre Schäfchen gerne gefügig sähen, fürchten die Wege des Nichtsprachlichen, weil ihnen dort die  Kontrolle, die Zensur, sehr leicht entgleiten kann. Auch ein Untertan sieht was er sieht, und der Maler selbst malt Erkenntnisse, die er nicht in Worten zu kleiden braucht. Er braucht sich auch gar nicht im Klaren zu sein. was er tut. Was ist es denn wovon ein Maler berichtet? Emotionen, die Schleifspur seiner nichtverbalen Gedanken, den Abklatsch universeller Naturgesetze, den Umgang mit dem Flüssigen? Er unterwandert die Doktrin! Er schaut das Sichtbare mit den Augen dessen, der damit was anzufangen weiß. Für Leonardo war die Tropfenform der Erde selbstverständlich, die Berge mussten aus dem Meer aufgestiegen sein, da sie Fossilien von Meerestieren zeigten.

 

 

 

Damit komme ich zu einem ersten Kernsatz meines Referats über Malerei als Bewusstseinsforschung: Es ist nicht nur was sich worten lässt, möglicherweise wahr. Unser Universum und Mutter Erde haben unsere Existenz mitsamt unserem Bewusstsein nicht an Wortbarkeit gebunden. Im Gegenteil, das theoretische, argumentative Verstehen hat, indem es auf Prämissen baut, stets Aussagen gezeugt, die zwar logisch korrekt, aber deshalb noch lange nicht sachlich richtig waren. Wie Sie vielleicht wissen, ist, was als abgeleiteter Satz wahr ist, gleichzeitig auch immun gegen eine Überprüfung im Feld. Hätten wir nur das Instrument unseres klaren Verstandes um zu überleben, wären wir eine längst ausgestorbene Tierart.

 

Zum Glück, für uns und alles Leben auf diesem Planeten, baut das was geschieht auf alles was geschehen ist und gleichzeitig geschieht; “all things are connected.“ Anders gesagt: Alles, auch das kleinste Seiende, ist so unsäglich komplex, und somit schließlich einmalig,  dass alles Beschreiben und Begreifen nichtig wie ein Tröpfchen in   Wolken unausgesprochener Et-ceteras wird. Unser Weltbildapparat (um ein Wort von Konrad Lorenz zu verwenden) kommt damit offensichtlich bestens klar, denn noch leben wir und haben  noch nichts Wesentliches falsch gemacht. Bei den vielen Irrlehren, denen wir zu allen Zeiten aufgesessen sind, grenzt das an göttliche Gnade. Dagegen sind die Modelle und Theorien, die wir uns bauen, vor allem wenn es um Bewusstsein, Kommunikation und Verwandtes geht, wie Modeerscheinungen immer raffiniert gedacht, oft hinreißend elegant, aber im Grunde doch Krücken, die keiner braucht.

 

 

Die Welt des Malers.

 

Vor 30 Jahren kam ich von der universitäts-gebundenen Kommunikationsforschung in die Welt   des Kunstbetriebes, denn ich musste mich und meine Lieben plötzlich von meinem Werk ernähren. Ich habe das immer mehr schlecht als recht bewältigt, denn ich fühlte mich dort nie heimisch. Mein Zuhause hatte ich im Malen und in Fragen und Experimenten, die Christian Rätsch dem  Schamanischen zuordnen würde.

 

Als Maler will man ja nicht unbedingt mit Kunst zu tun haben, sondern mit Malerei. „Kunst“ und „Künstler“ halte ich für ehrenvolle Zuschreibungen, die der Maler sich aber nicht selbst anheften kann und auch nicht sollte. Malen sollte so ungekünstelt und ehrlich sein, wie die Schleimspur der Schnecke. Wie alle Lebewesen hinterlassen wir Menschen permanent Spuren unseres Tuns: Man kann nicht nicht-kommunizieren.  Das wär` dann mein zweiter Kernsatz. Als Maler führt man ganz einfach ein Leben, welches Spuren auf Malgründen hinterlässt.

 

Im Folgenden werde ich versuchen, Ihnen, meine Damen und Herren, etwas von dem eigentümlichen Daseinsmodus eines malenden homo sapiens zu berichten. Alle Techniken des bildnerischen Gestaltens sind eigentlich einfach und gehören zu recht ins Bildungsprogramm der Kindergärten. Sie müssen einfach sein, damit nicht die Technik das Bewusstsein okkupiert. Denken sie an die einfachen Methoden der Schamanen, die außer Saufen und Trommeln nichts zu können scheinen, und doch reißen sie Ihnen den bösen Zauber aus dem Herzen, sind sie vielleicht als Drache unterwegs zum Ende der Welt. Dem Maler geht es ähnlich - mit oder ohne Substanzen, die den Malerrausch vertiefen könnten.

 

Also, die Einfachheit des Malens: Es reicht, wenn Sie zwei Arten von Farben unterscheiden: Erstens: Die Pigmente, das sind feine farbige Sandkörner, die aufgewühlt im farblosen Fluss hängen und sich unter anderem wie Sandbänke absetzten. Die zweite Art von Farben nennen wir Farbstoffe, sie sind wie Tinte gelöst, wie Färbemittel, die die Flüssigkeit, die Sandbänke aber auch den Malgrund  färben. Wir malen beispielsweise mit Ölfarbe und verdünnen mit Balsam-Terpentin. Als Malgrund dient uns Glanzpapier. Wir nehmen die Pigmentfarbe mit viel Flüssigkeit auf, so dass der Pinsel einen recht unkontrollierbaren Klecks auf dem Papier hinterlässt. Dieser noch sehr flüssige Fleck eignet sich hervorragend, uns die Welt im Vollzug des Werdens zu zeigen. Gerinnt er ohne weiteres dazutun, einfach indem das Terpentin verdunstet, so zeigen sich bald Gerinnungsformen, Dendriten, die wie Baumkronen im Winter aussehen. Klatschen wir ein Stück Zeitung auf dem Farbklecks ab, so ergeben sich Formen, und Strukturen, die an Verwitterung erinnern. Ein besonderer Genuss ist das Erstellen von Rorschach-Klecksen. Man faltet das Papier und erhält eine einfache Spiegelung, was wahrscheinlich deshalb so anziehend ist, weil Tiere und Menschen die gleichen beinahe Symmetrien aufweisen.

 

Wie Sie vielleicht schon jetzt heraushören, ist in allen Zuständen des schlichten Tuns, die Bewusstseinsarbeit in vollem Gange. Unser Gesichtssinn gleitet über die suggestiven Miniaturwelten. Was dem Tier noch ein bekleckstes Papier ist, wird für den Maler zu Welten in potentia. Meist genügen dann ein paar Spitzlichter, um alles für jedermann sichtbar zu machen.

 

Einzugreifen in das Gewordene ist aber nicht das Wesentliche hierbei, - ein Trost, denn so ist das nicht Malenkönnen nicht unbedingt ein Hindernis. Wesentlich sind die unübersehbaren Ähnlichkeiten, die das aus dem Flüssigen Geschaffene mit dem was die Anschauung der Natur uns als Erinnerung eingebrannt hat, aufweist. Ohne im Einzelnen etwas darstellen zu wollen, sind wir Zeugen eines Schöpfungsaktes geworden. Waren es unsere Hände, die das vollbracht haben? Oder war es der Fluss, der wusste, wie man seine Wassermassen durch die  Wellen schleust?

 

Je weniger wir wollen, desto wunderbarer kommt es über uns. Novizen muss ich immer wieder ermuntern, alles Wollen auszuschalten, die wenigen Handgriffe dumpf ritualistisch zu vollführen. Unschwer kommt auf diesem Wege ein Hauch von Meditation und Ekstase über den in die Arbeit Vertieften. Selbst der meist von hastigen Absichten getriebene Europäer, der keinerlei Rüstzeug hat, um Erkenntnis- und Bewusstseinsexperimente zu machen, kann malend etwas von dem Wunder des visionären Sehens erahnen. Damit könnte es ja genug sein, ist aber nicht. Der Maleraugenblick wirkt zurück in den Alltag. Plötzlich ist der Himmel nicht mehr nur blau, er ist Kobaltblau. Plötzlich auf einem Winterspaziergang wissen wir, warum die nackten Baumkronen so schön sind: sie sind so widerstandslos in den  Raum hineingewachsen wie unbelebte Gerinnungsformen und doch haben sie an keinem Punkt ihr genetisches Programm verlassen.

 

Ohne nun das Malen als alleinseligmachende Weisheitsstrategie anpreisen zu wollen, kann ich von einem qualitativ dichteren Erleben schwärmen, wenn man die Prozesse des Werdens gleichermaßen unter den Händen wie in der belebten Natur beobachtet hat. Wenn man dann, wie ich, über Jahrzehnte in diesem Sog von Tun und Sehen lebt, wird man gewissermaßen hochgezogen in die globale Liebe. Auf Schritt und Tritt ist man gewahr, dass diese Tierart Mensch, die so extrem von ihrer Selbstreflektivität lebt, nicht Gajas Panne, sondern ihr köstlichstes Sinnesorgan ist.

 

Maler haben viel Zeit, nach Sinn zu suchen: den Sinn des Lebens, den Sinn des Bewusstseins und der Kommunikation, den Sinn des Kosmos. Indem Malen so leicht zum automatischen Tun werden kann wie Radfahren, aber nie gefährlich, ist der Geist frei, überraschender Einsichten gewahr zu werden. - Lassen sie sich das Wort „Einsicht“ auf der Zunge zergehen, meine Damen und Herren!

 

Es kann nicht schaden, wenn man diesem Hineinsehen gut gerüstet nachgeht. Aber auch hier ist kein verkrampftes Wissenwollen nötig. Während man zunehmend virtuos mit unendlich viel Fingerspitzengefühl das Fließverhalten von Farben manipuliert, reift das Bedürfnis, mehr über Strömungslehre zu erfahren. Eines Tages wird unser Blick an einem Buchtitel hängenbleiben. Wenn wir Glück haben, ist es „Das sensible Chaos“ von Theodor Schwenk (1960 veröffentlicht). Ich möchte sagen, es ist das Buch, was uns versöhnen kann mit der Panne, dass Leonardo seins nicht fertigbringen konnte.

 

Oder kommen wir zurück zur Anmutung abgeklatschter Farbe. Mit einer kurzen Geste simulieren wir die Erosion von Gebirgen. Dort sind es Wind und Regen, die allmählich Runsen und Täler fressen. Wir Maler reißen den Pigmentstrom zum Gipfel hin, der dort entsteht, wo die Farbe zuletzt abreißt. Es ist der gleiche Prozess, und der hat seit 1980 erst seinen Namen: Fraktal. Die fraktale Mathematik hat sich erst im Computer-Zeitalter entwickeln können, da eine immer gleiche Rechenoperation erst nach langer Zeit fraktale Gebilde im statistischen Raum erzeugt. Ob Regentropfen oder Rechenoperation, wo lange immer gleiches fließt, wächst ein Fraktal. Auch Licht bildet Fraktale, wenn wir es lange genug hin und her schicken. Die Spiegelstraßen zwischen zwei gegenüberstehenden Spiegeln veranschaulichen das. 

 

Fraktale haben eine erstaunliche Eigenschaft: egal wie nah wir das Ding betrachten, das Kleine gleicht immer dem Größeren - gleicht heißt ähnelt in nicht vorhersagbarem Ausmaß. Ähnliche Erzeugungsprozesse erzeugen ähnliche Formen. Dem Maler kann dieses Denken eine große Bereicherung sein, kann er doch jetzt sein repetitives Tun wie Mathematik verstehen. Er kann jetzt Mathematiker für Malerei gewinnen. Er hat eine Sprache. Aber der Maler hört da nicht auf, er ist ja gewissermaßen auf Dauertrip auf Introspektion, er schämt sich nicht, allem was verweilend Gestalt hat, eine innere Sicht der äußeren Welt zuzugestehen, um sich nach Schamanenart in sie hineinzuversetzen. Wie ein Astronaut gleitet er durch mathematische Räume, hinab in die Seepferdchenalleen zum Ufer des Mandelbrot‘schen Apfelmännchens. Es wird nicht lange dauern, bis der Psychonaut gewordene Maler sein nächstes Aha-Erlebnis hat: „Na klar, alles ist fraktal, weil mein Gehirn fraktal arbeitet“. Der ganze Kosmos stellt sich mir in Fraktalen vor, nicht weil das seinem Wesen entspricht, sondern weil mein Weltbildapparat nur das kann. Wird das Weltall wirklich älter, frage ich mich, oder täuschen wir uns, weil wir immer tiefere Verursachungsketten postulieren müssen. Das weise Indianerwort “All Things Are Connected“, hat jetzt ein Zentrum und einen neuen Sinn: alles was wir der Erde antun tun wir uns selbst an.  So lautete auch der Nachsatz , des besiegten Häuptlings, der seine Kapitulation  mit diesen Worten einleitete.

 

Wir sind mit diesen Gedanken bei der Philosophie gelandet, einem Zweig der Philosophie, den man Idealismus nennt. Erkenntnistheoretisch gab es immer Bedenken, ob denn ein striktes „mind before matter“ durchhaltbar sei. Seit die Physiker wegen der Doppelnatur der Erscheinungen vor Paradoxen ohne Ende stehen, sind auch sie philosophisch sehr aktiv. Es ist ja auch überaus peinlich, dass ausgerechnet die sogenannten exakten Wissenschaften uns mit Wahrscheinlichkeits-Wischi-Waschi bedienen. Es ist gar nicht leicht, sich vorzustellen, wie Physiker damit zurechtkommen. Sie haben als Erste dringenden Bedarf an einer Weltbildkorrektur.

 

Eigentlich sollte das einen Maler schon gar nichts mehr angehen, aber wenn wir uns nicht nach allen Seiten mit einer Narrenkappe tarnen, setzen wir uns  wegen unserer introspektiven Methoden der Verfolgung aus. Wir müssen auf einen Paradigmenwechsel hoffen, auf eine epidemisch alle Menschen erfassende Einsicht. Oder warten wir auf eine Epidemie ohne Einsicht? Durch das weltweite  explosiv gewachsene Kommunikationsnetz kann sich das Erkenntnisinteresse weltweit ebenso explosiv verändern. Das Ganze ist immer mehr als die Summe aller Teile. Wir können nicht wissen, was einem Warmblüter, der sich wie die Pilze ein weltumspannendes Mycel errichtet hat, widerfährt. Gedanken, die der Mensch einst zu Fuß und mit enorm gestaffelten Zeitverschiebungen, weiterreichen musste, sind heute überall in Gleichzeitigkeit bereit. Eigentlich könnten wir jetzt wie der Bowist am Mycel hängen - friedlich, erleuchtet und prall.

 

Was tut so ein vernetztes Bewusstsein, war das nicht mal das Privileg Gottes? Fragen wir ziemlich ratlos. Als Maler, Fachmann für Fragen der nichtverbalen Kommunikation, rate ich denen, die sich begrifflich fortpflanzen wollen, Schaut aus nach Schlüsselwörtern, die ihr seit jeher nur in der Einzahl verwendet: sie suggerieren Gleichzeitigkeit und Ubiquität, also Vernetztheit. Wie wär es denn, wenn wir bei Wörtern wie „Liebe“ oder „Bewusstsein“ anfingen?

 

Albert Hofmann, vor dem ich mich in großer Verehrung verneige, hat uns seit langem eine Brücke gebaut. Sie heißt „Liebe Sucht Dich“. Übrigens heißt es nicht „Bewusstsein Sucht Euch“, das würde mit BSE. abgekürzt.  (böser Scherz). Was geschieht denn wirklich in diesem Satz? Die Liebe tut etwas, sie sucht Dich. Liebe wird zum  Handelnden, verursachenden  Subjekt, was die Eigenschaft hat, Dich - mich zu suchen. Für Albert ist das vielleicht ein kleiner Schritt, für die Menschheit ist es ein großer. Der Leidensdruck auf die von zynischem Macchiavelismus Geknechteten und vom Materialismus Verblendeten, hat damit bereits abzunehmen begonnen.

 

Lassen Sie mich den Gedanken etwas vertiefen. „Liebe“ oder auch „Bewusstsein“ sind Begriffe, denen unendlich viele Bedeutungen zukommen können, es sei denn, jemand benutzt sie in einem exakt definierten Sinn. In der Antike wäre das leicht gewesen, man hätte nicht die Liebe selbst zum handelnden Subjekt gemacht, sondern den Gott oder die Göttinnen der Liebe. Götter, Halbgöttinnen und Menschen bildeten noch einen Erkenntnis-zeugenden Reigen. Den Satz, „Maria, Dionysos Mimt Amor“ hätte jede Baccantin früher oder später verstanden.

 

Heute glauben wir, dass alles, was wir wahrnehmen können, unser ganzer Kosmos, nur die Schaumkrönchen der Wellen auf einem nicht entfalteten Erzeuger-Ozean sind. Wir sind mit Bewusstsein und Materie gefangen im Glauben, die Kräuselungen, die wir sehen, seien die Welt. Wir errechnen und messen Ursache-Wirkungszusammenhänge, Zeiten und Distanzen, und wundern uns, dass Wirkung auch vor der Ursache eintreffen kann. Peinlich, dass die Quanten derlei die Lichtgeschwindigkeit foppenden Bockssprünge machen, wenn wir nicht hinschauen. Das wäre anders, hätten wir eine erleuchtete Version des Ganzen. Alle Widersprüche würden sich lösen, wenn wir Zugang fänden zu jener noch immer mystischen Erzeugerdimension.

 

Der Satz „Liebe Sucht Dich“ würde sofort zur Formel, eleganter noch als E = mc-quadrat, wenn wir „Liebe“ exakt definieren als jenen Metakosmos, dessen Ausstülpungen wir sind. Die Liebe wäre damit reifiziert: sie könnte suchen und finden. Statt „Cogito ergo sum“ könnte ich scharfsinnig sagen: „Ich liebe, also bin ich.“ Bin ich nicht das Produkt der Liebe? Man könnte das gleiche auch mit dem Term „Bewusstsein“ machen, aber da zeigt  sich, dass Bewusstsein nichts hat, was Liebe nicht auch hätte. Bewusstsein ist eher eine Hilfskonstruktion der Psychologie. Nicht so die Liebe, sie klotzt mit Myriaden von Emanationen. Wie fließendes Wasser Magnetfelder, Geräusche, Wellen und Erosion erzeugt, strahlt die Liebe ganze Universen ab.

 

Das ist es dann: Liebe schafft das Seiende.

 

Ich habe mich aus Zeitgründen auf Beispiele aus der Ölmalerei als Inspirationsweg beschränkt.  Die wundersamen Wege des Geistes angesichts bildnerischen Tuns sind damit natürlich nicht   erschöpfend beschrieben. Der Maler oder Zeichner kann Formfindung auf viele Weise nach draußen delegieren. Es exkulpiert ihn, er braucht nur noch mit der Hand zu markieren, was sein Auge erkannt hat. So habe ich eine ganze Serie Bilder auf vorher marmorierte Papiere gemalt. So etwa haben die Surrealisten mit Frottagen und anderen Tricks gearbeitet.

 

Ich müsste auf jeden Fall noch erwähnen, dass beim Zeichnen ganz andere Aha-Zusammenhänge entstehen. Beim Zeichnen entsteht Bild und Sinn durch Linien. Der Strich ist immer mehrdeutig, er kann einen Faden darstellen, eine Kontur, Kante, oder einen zur Linie verkümmerten Horizont, wenn das Blatt eine Fläche durchschneidet, die genau auf Augenhöhe liegt. Das Bewusstsein flirrt bei so viel Auswahl.

 

Eine in unserem Jahrhundert viel zu selten geschätzte Sinnfindungsmethode ist das Ornament. Ornament hat den Geruch von Ausschmückung und Verzichtbarkeit sehr zu Unrecht. Wir sollten daher eher von Parkettierung oder Mustern reden. Der Vorgang ist so einfach, dass wir das Gehirn eine Weile gar nicht belästigen brauchen. Man macht eine kurze krumme Linie, beliebig. Man spiegelt, dreht und verschiebt diesen Strich nach allen Arten so, dass die Enden immer wieder zusammenfinden - das geht nur auf 17 Weisen. Es entstehen dann Formen, die sich aus Drei- oder Vier-, Fünf- und Sechsecken zusammensetzen. Irgendwann, durch bloßes herumprobieren und -schieben, werden aus krummen Linien Bäuche und Einbuchtungen, stellt sich Sinn ein, der die Phantasie nicht strapaziert und jedermann sogleich zugänglich ist. Man könnte sagen, das Gesetz des Raumes übernimmt die Aufgabe des Bewusstseins.

 

Eine weitere Methode der Inspiration wende ich vor allem beim Airbrushing an. Es ist das Spiel mit dem Fokus. Sie kennen wahrscheinlich alle, die Computer- erzeugten „magic eye“ - Bilder, bei denen man eine Gestalt aus einem Gewirr von Mustern heraussehen kann, wenn man den Fokus weit hinter dem Papier sucht. Man kann auf diese Weise durch jeden Malgrund hindurchsehen, und solange hinstarren, bis sich Irgendetwas einstellt. Mit einer Sprühpistole kann ich dann ohne viel zu verwackeln Höhen und Tiefen andeuten. Auch dies ist eine Methode der Bewusstseinsbeobachtung.

 

Meine Damen und Herren, Sie werden sich allmählich fragen, wo denn die eigentliche Forschungsmethode beim Malen ist. Die Methode ist eine  Art  spurensichernde Meditation. Wir stülpen uns  nicht einfach durch ein imaginäres Nadelör, obwohl wir das auch könnten, aber dann bliebe kein kommunizierbarer Bodensatz. Wir Maler schleusen unser frei schwebendes , möglichst von Absichten befreites Bewusstsein durch einen Strudel von Ungewolltem und doch Selbstgemachtem, hinaus zu offensichtlichen oder möglichen Gestalten und  zurück zum Verursacher der wir sind. Nun sind wir Beobachter dieser Rückkoppelung. Wir können uns in den Sog der so geöffneten Schleusen ziehen lassen.   Bei einiger Übung wird sich bei jedem etwas einstellen. Es sind immer Aha-Erlebnisse, deren Herkunft ich nicht für andere vorhersagen kann. Was an dieser  Spuren lassenden Offenheit Methode ist, können Interessierte selbst bestimmen. Nennen Sie‘s kommunizierbare Introspektion, oder introspektive Feldforschung. Der Name ist  nicht so wichtig, wenn wir einen Jungbrunnen entdeckt haben, wenn Mensch-Sein wieder ein Privileg ist. Jedenfalls bleiben erstklassige Protokolle der Forschungs-Situationen, die Bilder, mit denen ja dann auch Ungeahntes passieren kann.

 

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit....

 


Über Freiheit, Visionärsschulung

Über Freiheit, Visionärsschulung
25. 12. 1997
Redigiert 2016-04-13
Ein schönes Wort, „Freiheit“, klingt wie „hei-hei“, doppelt begrüßt und tiefenpsychologisch doppelt high. Aus totaler Freiheit geboren, suchst du deine Inkarnation durch Wirbelstraßen in Form zu halten. Das als Präambel. Du könntest jede Art von Freiheit haben, wenn nichts dich hindern würde. Stattdessen lebst du ein Konzert von Unfreiheiten. Dir scheint, als würde jede errungene Freiheit zu suchtmäßiger Unfreiheit. Sucht macht unfrei, das weißt du, aber wie sieht das als Vision aus?

 

Mach es wie die Mathematiker, denk dir einen dreidimensionalen Raum, in den du eintragen kannst, wo jeder Grad an Unfreiheit eine Markierung kriegt: Freiheit versus Sklaverei, Freiheit versus irgendeinen Zwang. In allem was getan werden muss, allem was Gewissheit verschafft, steckt mehr Unfreiheit als Lockerlassen. Das ergibt in deinem imaginären Raum viele Treffer, die zu einer statistischen Landschaft werden. Schaust du dann vom Punkte „Freiheit“ in all die Richtungen, dann siehst du eine ferne fraktale Landschaft von Markierungen. Nichts scheint der Freiheit nahezukommen. Dich schwindelt, schwerelos vom Rückstoß all der Zwänge. Weil du die starke Beziehung zwischen Leid und Unfreiheit erkennst, willst du, in deinem Schaltraum angekommen, alle Sucht entlassen. Bekämpfst du ein Leid hier und da, sind die gewonnenen Freiheiten wie Jo-jo, sie kommen hoch mit viel Spin und tauchen ab in ihr Gegenteil noch ehe du die Perspektive oben genießen konntest. Sie vermindern das Leid nicht. Nur in der Stille des Nichtwollens kannst du dich in der Nähe deiner dir zustehenden Freiheit sonnen.
Stille lernen - Zeit verlernen - ozeanisch werden - angstfrei - jetzt.

 

Danke nicht vergessen.